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Unicredit-Chef dementiert Übernahmegerüchte

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Jean-Pierre Mustier sieht für Zukäufe aktuell keinen Grund, trotzdem halten sich Berichte und Hinweise hartnäckig. Die Quartalszahlen der Bank geraten dabei fast aus dem Blick.

Jean-Pierre Mustier, Vorstandsvorsitzender der Unicredit, fand im Call mit Analysten deutliche Worte zu den Zukunftsplänen des Konzerns. „Für Übernahmen gibt es keine Voraussetzungen, wir bleiben bei unserem Programm des organischen Wachstums“, erklärte er am Donnerstag bei der Präsentation der Quartalszahlen.

Der Strategieplan sehe vor, die Bank umzubauen und das Onlinebanking zu stärken, nicht aber zuzukaufen. Auch eine Ausgliederung der Auslandsaktivitäten schloss er aus. „Das ist nicht nötig. Das ist nach wie vor ein Projekt, aber wir haben nicht vor, daran weiterzuarbeiten.“

Damit dementierte Mustier, der seit 2016 an der Spitze der italienischen Großbank steht, gleich zwei Gerüchte, die sich seit Monaten im Markt halten: Zum einen wird über eine Aufspaltung der Unicredit-Aktivitäten in eine italienische und eine europäische Holding und damit verbunden eine mögliche Übernahme der Commerzbank spekuliert. Zum anderen läuft in Italien das Gerücht um, dass Unicredit die verstaatlichte Krisenbank Monte dei Paschi übernimmt, die nach einer Übereinkunft mit der EU-Kommission spätestens Ende 2021 zurück auf den Markt muss.

Ob gerade die Übernahme von Monte dei Paschi damit allerdings tatsächlich vom Tisch ist, ist fraglich. Italienische Medien hatten noch wenige Tage vorher berichtet, dass der Plan sehr weit gediehen sei. Es habe ein Angebot des Wirtschafts- und Finanzministeriums gegeben für eine Kapitalerhöhung im Volumen von zwei Milliarden Euro, um die älteste Bank der Welt „aufzuhübschen“. Das Ministerium ist seit der Rettung der Krisenbank 2016 mit 6,9 Milliarden Euro Hauptaktionär mit 68,5 Prozent.

Auch eine Personalie könnte ein weiterer Hinweis sein. Designierter Verwaltungsratsvorsitzender von Unicredit ist der Ökonom und ehemalige Wirtschafts- und Finanzminister Pier Carlo Padoan, der am Mittwoch sein Parlamentsmandat im Abgeordnetenhaus niederlegte. Er soll nach der Hauptversammlung im April sein Amt antreten. Dann endet auch das Mandat von Mustier.

Padoan war als Minister für den Rettungsplan von Monte dei Paschi zuständig und kennt das Dossier gut. Angeblich soll der amtierende Minister Roberto Gualtieri in den vergangenen Tagen Verhandlungen mit Unicredit geführt haben.

Analysten des Brokerhauses Equita sehen in einer möglichen Übernahme vor allem Risiken: „Die Operation würde das Risikoprofil von Unicredit signifikant erhöhen und Auswirkungen auf die Bewertung haben. Es gebe also mehr Risiken als Chancen.“

Quartalszahlen besser als erwartet

Es bleibt also abzuwarten, ob an den Gerüchten wirklich etwas dran ist. Mustiers Dementi sorgte jedenfalls für reichlich Diskussionsstoff und ließ die präsentierten Quartalszahlen fast schon in den Hintergrund geraten. Dabei schnitt Unicredit besser ab als erwartet. Zwar fiel der Gewinn im dritten Quartal deutlich, und das Nettoergebnis gab auf Jahressicht um 42 Prozent auf 680 Millionen Euro nach. Das war jedoch mehr als im Vorquartal.

Unicredit konnte davon profitieren, dass in Europa Lockerungen der in der Coronakrise beschlossenen Beschränkungen für regere Einnahmen sorgten. Auf das Jahr gesehen gaben die Einnahmen zwar um gut sieben Prozent auf knapp 4,4 Milliarden Euro nach, auf Quartalssicht war dies jedoch ein Plus von 4,4 Prozent.

Mustier erklärte in Mailand, die Bank profitiere vom Konzernumbau der vergangenen Monate und sei gut gerüstet, den Kunden in der zweiten Welle der Corona-Pandemie zur Seite zu stehen.

Seine Prognose für dieses Jahr ist ein bereinigter Nettogewinn von mehr als 0,8 Milliarden Euro und ein Ergebnis zwischen drei und 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2021. In Deutschland fiel der Nettogewinn um knapp 70 Prozent auf 50 Millionen Euro. Zins- und Provisionseinnahmen gingen zurück, gleichzeitig zogen die Kosten leicht an.

Größte italienische Geschäftsbank liefert gute Zahlen

Damit ist Unicredit nicht die einzige Bank, die gute Zahlen vorlegte. Auch die größte italienische Geschäftsbank Intesa Sanpaolo zog mit. Bei dem Kreditinstitut schlägt die im Juli durchgeführte Fusion mit UBI Banca zu Buche, die ein Volumen von 4,1 Milliarden hat. Für die ersten neun Monate erzielte die Bank einen Nettogewinn von 6,4 Milliarden Euro, der ohne den Effekt der Übernahme von UBI Banca 3,1 Milliarden beträgt.

Bankchef Carlo Messina sagte: „Das bedeutet, dass wir in den ersten neun Monaten die Vorgaben für 2020 übertroffen haben.“ Er rechnet für 2020 mit einem Gewinn von nicht unter drei Milliarden, und seine Prognose für 2021 liegt bei 3,5 Milliarden Euro. „Dank der Kraft von mehr als einer Billion Euro an Ersparnissen, die uns die Italiener anvertraut haben, sind wir nationaler Champion und ein Leader in Europa“, sagte Messina.

Sowohl Intesa Sanpaolo als auch Unicredit kündigten an, im nächsten Jahr Dividenden ausschütten zu wollen. Das hängt jedoch von dem Zugeständnis der Europäischen Zentralbank ab, die vorerst aufgrund der Pandemie für dieses Jahr einen Stopp verfügt hatte.