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Unerwarteter Mitbieter im Milliarden-Poker: Delivery Hero will mit eigenem Angebot Gorillas übernehmen

Der Gründer und CEO von Gorillas Kagan Sümer (links) und der Gründer und CEO von Delivery Hero, Niklas Östberg  - Copyright: Gorillas / Delivery Hero
Der Gründer und CEO von Gorillas Kagan Sümer (links) und der Gründer und CEO von Delivery Hero, Niklas Östberg - Copyright: Gorillas / Delivery Hero

Dass Getir kurz davorsteht, Gorillas zu übernehmen, ist schon länger bekannt. Bisher unbekannt war, dass auch ein anderes Unternehmen sich konkret für die Firma von Gründer Kagan Sümer interessiert. Wie Gründerszene exklusiv erfahren hat, hat Gorillas auch ein Termsheet von seinem Investor Delivery Hero vorliegen. Kern des Angebots, das der Essenslieferdienst gemeinsam mit dem VC-Investor G Squared ausgearbeitet hat: Delivery Hero würde den Schnell-Lieferdienst übernehmen.

Der Erfolg von Gorillas hat gezeigt, dass ein Schnell-Lieferservice für Lebensmittel auch in Deutschland funktionieren kann. Das zieht zahlreiche Nachahmer an.
Der Erfolg von Gorillas hat gezeigt, dass ein Schnell-Lieferservice für Lebensmittel auch in Deutschland funktionieren kann. Das zieht zahlreiche Nachahmer an.

Der Deal wurde der Firma bereits im Sommer vorgelegt und bislang auch noch nicht zurückgezogen, wie ein Insider gegenüber Gründerszene bestätigt. Demnach hätte Gorillas also immer noch die Möglichkeit, es anzunehmen. Das scheint jedoch für den Gründer Kagan Sümer wenn überhaupt nur eine Option zu sein, falls der Getir-Deal platzen sollte. Doch danach sieht es aktuell nicht aus. Weder Delivery Hero, noch G Squared oder Gorillas wollten sich auf Nachfrage zu dem offenen Angebot äußern.

Der direkte Konkurrent wird zum Investor

Delivery Hero ist seit Sommer vergangenen Jahres in Gorillas investiert. Der Deal war damals bemerkenswert, weil Delivery Hero zu diesem Zeitpunkt noch ein direkter Konkurrent von Gorillas war. Mit Foodpanda betrieb die börsennotierte Gesellschaft ebenfalls einen Schnell-Lieferdienst in Deutschland. Der wurde jedoch überraschend zum Jahresende 2021 eingestellt, Gorillas übernahm damals die Mehrheit der Fahrer von Foodpanda.

Ursprünglich führte Delivery Hero die damalige Series-C-Runde von Gorillas an, bei der insgesamt knapp eine Milliarde Dollar zusammenkamen. Damals beteiligte sich Delivery Hero mit einem Betrag von rund 250 Millionen Dollar, im Gegenzug für eine Beteiligung von rund acht Prozent an Gorillas. Danach muss die Firma ihre Anteile nochmals erhöht haben, zuletzt lagen sie im Januar 2022 bei knapp neun Prozent.

G Squared stieg zeitgleich mit Delivery Hero bei Gorillas ein und war zuletzt mit knapp 7,5 Prozent an dem Unternehmen beteiligt. Der amerikanische VC ist auch an dem aktuellen Deal mit Getir beteiligt. Nach Informationen von Gründerszene will G Squared gemeinsam mit anderen Investoren eine Brückenfinanzierung für Gorillas in Höhe von 40 bis 50 Millionen Euro stemmen. Dafür soll sich der Wagniskapitalgeber eine sogenannte Liquidationspräferenz, besondere Vorzugsrechte bei einem späteren Verkauf, sichern. Über die Brückenfinanzierung berichtete das Handelsblatt zuerst.

Bewertungen variieren: 11,8 Milliarden Dollar für Getir, 1,7 Milliarden für Gorillas

Wie hoch der Kaufpreis von Gorillas und eine gemeinsame Bewertung von Getir und Gorillas ausfallen könnte, scheint noch nicht final geklärt. Das Handelsblatt berichtete zuletzt von einer gemeinsamen Gesamtbewertung von Getir und Gorillas in Höhe von sieben Milliarden Dollar. Das würde jeweils eine Halbierung der Bewertung bedeuten.

Gründerszene gegenüber jedoch sagten mehrere Insider, dass sich die Gesamtbewertung auf knapp das Doppelte belaufen könnte, also auf einen Betrag von 13,5 Milliarden Dollar. Getir wäre dabei 11,8 Milliarden Dollar wert, also genauso viel wie noch zur letzten Finanzierungsrunde im Frühling dieses Jahres. Gorillas hingegen wäre mit 1,7 Milliarden Dollar bewertet. Das würde zwar eine Halbierung des Firmenwertes im Vergleich zur letzten Runde aus dem vergangenen Jahr bedeuten. Es hieße aber auch, dass Gorillas nicht seinen Unicorn-Status verlieren würde.

Von dem Verkauf sollen vor allem die großen Investoren profitieren. Diejenigen, die sich in ihren Verträgen eine sogenannte Liquidationspräferenz gesichert haben, also besondere Vorzugsrechte im Falle eines Exits. Frühe Gesellschafter – Investoren genauso wie Gründer – des Unternehmens hingegen hätten das Nachsehen, denn die haben üblicherweise keine solche vertragliche Klausel. Das würde auch erklären, weshalb das Management rund um Gründer Kagan Sümer lediglich eine Bonuszahlung in Höhe von insgesamt zehn Millionen Euro erhalten soll – und das, obwohl der Gorillas-CEO Sümer noch Anfang des Jahres rund zwölf Prozent an seiner Firma hielt.