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Afghanistan: Anschlag auf Minister - Viele zivile Opfer bei Kämpfen

·Lesedauer: 4 Min.
Der Ort des Anschlags in Kabul am Mittwochmorgen (Bild: REUTERS/Stringer)
Der Ort des Anschlags in Kabul am Mittwochmorgen (Bild: REUTERS/Stringer)

Die militant-islamistischen Taliban haben den Anschlag auf ein Haus des afghanischen Verteidigungsministers für sich reklamiert.

Der Angriff auf eine Residenz von Bismillah Khan Mohammadi sei der Beginn von Vergeltungsaktionen an Schlüsselfiguren der Regierung, hieß es in einer von den Islamisten am Mittwoch veröffentlichten Erklärung. Diese Schlüsselfiguren würden Angriffe auf Zivilisten in verschiedenen Teilen des Landes anordnen, öffentliche Einrichtungen zerstören und arme Menschen dazu zwingen, ihre Häuser zu verlassen.

Die Taliban würden diesen Verbrechen nicht länger gleichgültig gegenüberstehen und sich ihnen mit aller Kraft entgegenstellen, heißt es in der Erklärung weiter. Bei dem Autobombenanschlag nahe des Hauses des Verteidigungsministers im Zentrum von Kabul am Dienstagabend (Ortszeit) wurden mindestens 13 Menschen getötet, unter ihnen fünf Angreifer.

Diese waren nach der Autobombe in Wohnhäuser vor Ort vorgedrungen und hatten sich fast fünf Stunden lang Feuergefechte mit Sicherheitskräften geliefert, bis sie von Spezialkräften getötet wurden. Der Minister sagte nach dem Angriff, ihm und seiner Familie gehe es gut. 

Viele zivile Opfer bei Kämpfen

Zuletzt hat sich die Sicherheitslage in Afghanistan massiv verschlechtert. Seit Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen Anfang Mai haben die Taliban mehrere Offensiven gestartet und dabei erst vor allem ländliche Gebiete erobert. Zuletzt verlagerten sich die Kämpfe zunehmend in die Städte.

Die Regierung versucht, verlorene Gebiete zurückzuerobern und die Angriffe auf die Provinzhauptstädte mit verstärkten Luftangriffen abzuwehren. Dabei allerdings werden immer wieder auch zivile Ziele getroffen. Die Regierung und die USA wiederum werfen den Taliban vor, Landminen in Häusern von Zivilisten zu platzieren und sich hinter Familien zu verstecken, wenn sie afghanische Sicherheitskräfte angreifen.

Soldaten einer Spezialeinheit der afghanischen Armee in der Provinz Herat (Bild: AFP / HOSHANG HASHIMI)
Soldaten einer Spezialeinheit der afghanischen Armee in der Provinz Herat (Bild: AFP / HOSHANG HASHIMI)

Insbesondere die andauernden Gefechte in der Provinzhauptstadt Laschkargah im Süden Afghanistans fordern immer mehr zivile Opfer. Binnen 24 Stunden seien in der Stadt mindestens 40 Zivilisten getötet und 118 verletzt worden, teilte die UN-Mission in Afghanistan (Unama) am Dienstag auf Twitter mit. Sollten die Parteien nicht mehr für den Zivilschutz in Afghanistan tun, drohten "katastrophale" Auswirkungen.

Verstärkung aus Kabul dringend nötig

Am Dienstag griffen die militant-islamistischen Taliban dem Provinzrat Ataullah Afghan zufolge in Laschkargah im Zentrum in der Nähe des Gouverneurssitzes und der Polizeizentrale an. Die Regierung hält nur mehr zwei der zehn Polizeibezirke der Stadt. Sollte Kabul keine Verstärkung schicken, drohe die Hauptstadt der Provinz Helmand an die Islamisten zu fallen, sagte Afghan. Die Verteidiger würden seit elf Tagen praktisch ohne Schlaf kämpfen. Ihr größtes Problem sei, dass sich Taliban-Kämpfer in Wohnhäusern verschanzt hielten.

Kundgebung zur Unterstützung der Streitkräfte in Dschalalabad (Bild: AFP / NOORULLAH SHIRZADA)
Kundgebung zur Unterstützung der Streitkräfte in Dschalalabad (Bild: AFP / NOORULLAH SHIRZADA)

Laut Verteidigungsministerium gab es weitere Luftangriffe auf Taliban-Stellungen in der Stadt. Lokale Journalisten berichteten, diese hätten auch zivile Einrichtungen getroffen, darunter eine private Universität und eine Fabrik.

Der Journalistenorganisation NAI zufolge haben in Helmand mindestens 15 Medienorganisationen, darunter fünf Fernsehstationen, wegen der Sicherheitslage den Betrieb eingestellt. Am Montag seien Taliban in die Räumlichkeiten der staatlichen Rundfunkanstalt RTA eingedrungen und hätten vier Stunden lang selbst ein Programm gesendet.

Tote und Verletzte auch in anderen Städten

Berichte über Dutzende Tote und Hunderte Verletzte in den vergangenen zehn Tagen gab es auch aus den Städten Herat und Kandahar. In Herat schlugen am Dienstag dem lokalen TV-Sender ToloNews zufolge zwei Raketen in der Nähe der Flughafen-Rollbahn ein. Ein Flugzeug, das gerade hätte landen sollen, sei nach Kabul zurückgekehrt.

In einer Ansprache vor beiden Kammern des Parlaments hatte der afghanische Präsident Aschraf Ghani am Montag die "plötzliche Entscheidung" der USA und der Nato-Truppen zum Abzug für die Verschlechterung der Sicherheitslage verantwortlich gemacht. Er versprach, binnen sechs Monaten für Stabilität im Land zu sorgen.

Große Teile der Bevölkerung demonstrierten unterdessen ihre Ablehnung der Taliban und Unterstützung für die afghanische Armee. In vielen größeren Städten versammelten sich nach der Abwehr eines Taliban-Angriffs in Herat am Abend Menschen auf den Straßen oder ihren Dächern und feierten die Soldaten mit "Allahu Akbar"-Rufen.

Video: Taliban-Zölle machen Importe nach Afghanistan teuer

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