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„Preisänderungen“ geplant: Was der Umbau der Commerzbank für Kunden bedeutet

Das Institut will mit neuen Preismodellen und mehr mobilem Banking das Privatkundengeschäft profitabler machen. Für Kunden könnte das Gebührenerhöhungen bedeuten.

Wachstum soll sich für die Commerzbank künftig auch lohnen – das wirkt sich auch auf die Kunden der Commerzbank und ihrer Online-Tochter Comdirect aus. Man wolle die „Ertragsqualität“ der Kundenbeziehungen „noch stärker in den Blick nehmen“, sagte Vorstandschef Martin Zielke auf der Pressekonferenz an diesem Freitag.

Zielke kündigte an, „Preisänderungen“ vorzunehmen und manche Dienste „anders“ zu bepreisen – wohl ein vornehmer Ausdruck für Gebührenerhöhungen. „Das ist aber nicht der Einstieg in den Abschied vom kostenlosen Girokonto“, betonte Zielke. Ob das kostenlose Girokonto aber künftig an bestimmte Bedingungen wie etwa einen Gehaltseingang geknüpft werden könnte, wollte er nicht sagen.

Auch die Aussage, dass bei kostenlosen Basisprodukten künftig „Inaktivität bepreist“ werden soll, führte er nicht näher aus. Er sagte nur, wenn man ein Konto aktiv nutze, habe es einen anderen Preis als ein inaktives Konto. Die Bank hat jedoch angekündigt, komplett inaktive Kundenbeziehungen kündigen zu wollen. Das betrifft etwa eine Million Kontoverbindungen. Das liegt daran, dass auch Kunden, die nichts tun, der Bank Kosten verursachen – ohne Erträge zu bringen.

Am schnellsten dürften sich die Preisüberlegungen der Bank auf Kunden mit sehr großen Einlagen auswirken. „Preise und Gebühren für großvolumige Einlagen werden aktuell geprüft“, heißt es in der Präsentation der Bank. Das betrifft vor allem die Ersparnisse von Profi-Kunden – also von Firmenkunden oder auch von enorm vermögenden Kunden.

Solch große Einlagen könnten angesichts der Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) „so nicht kostenfrei“ sein. Mit Profi-Kunden sei die Bank daher im Gespräch, so Zielke. Negativzinsen für die Einlagen normaler Kunden sind aber aktuell nicht geplant.

Drei neue Richtungen

Insgesamt soll es aber eine neue Preisstrategie für Privatkunden geben. Dabei denkt das Institut Finanzkreisen zufolge in drei Richtungen – beschlossen hat sie dabei aber noch nichts.

  1. Leistungen der unterschiedlichen Vertriebskanäle – Filiale oder mobil – könnten unterschiedlich bepreist werden. Denkbar wäre etwa, dass der am Automaten ausgedruckte Kontoauszug künftig etwas kostet, das im Online-Banking eingestellte Dokument aber nicht. Die Zielrichtung ist klar: Der Kunde soll Anreize bekommen, möglichst viel online zu erledigen.
  2. Kunden könnten bestimmte Leistungspakete extra – und dann vermutlich auch entgeltlich – dazubuchen, etwa Versicherungen, wie es in Finanzkreisen heißt. Die Bank spricht von einem „Basisangebot“, das durch ein „modulares Angebot“ ergänzt werden kann.
  3. Die Bank könnte solchen Kunden Vorteile und Vergünstigungen gewähren, die ihre Daten von der Bank künftig gründlicher ausforschen lassen, wie zu hören ist. Das deutete die Bank in ihrer Pressemitteilung auch vage an: „Der Einsatz von Algorithmen soll Produkte und Services ermöglichen, die exakt auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten sind“, heißt es darin.

Für die Bank ist mehr Datenanalyse wichtig. „Durch die erwartete stärkere Nutzung des Mobilkanals will die Commerzbank künftig deutlich mehr Datenpunkte gewinnen und damit weitere Geschäftspotenziale erschließen“, heißt es. Das soll der Bank auch dabei helfen, effizienter neue Kunden zu gewinnen.

„Mobile first“

Das mobile Banking wird für die Commerzbank zunehmend wichtig. Sie verspricht einen „Mobile-First“-Ansatz. Das Smartphone habe sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Kundenkanal entwickelt, so Zielke. Mittlerweile finden 1,2 Millionen der täglich insgesamt 1,7 Millionen Kundenkontakte mobil oder online statt. Deshalb hält das Institut auch 200 seiner 1000 Filialen für verzichtbar. Die Immobilienkompetenz der Bank wird außerdem künftig „in 50 neuen regionalen Immobilienzentren gebündelt“.

Auch das Bekenntnis zu mehr Nachhaltigkeit soll Auswirkungen auf das Geschäft haben. „Privatkunden können beispielsweise bei uns eine grüne Baufinanzierung abschließen“, betont Zielke. Und im Firmenkundengeschäft will die Bank ihr Kreditportfolio „stärker auf klimafreundliches Geschäft“ ausrichten.

Beim mobilen Banking kann die Commerzbank noch einiges von ihrer Online-Tochter Comdirect lernen, die vollständig integriert werden soll. Für Kunden der Tochter soll sich zunächst einmal nichts zum Negativen ändern, trotz der Integration in die Commerzbank. Es seien keine anderen Preisänderungen bei den Leistungen für Comdirect-Kunden geplant, betonte Zielke. Künftig sollen Comdirect-Kunden aber auch Filialen der Bank nutzen dürfen – und Commerzbank-Aktionäre die Brokerage-Angebote der Comdirect.

Die Zwei-Marken-Strategie will das Institut aber aufgeben, weil sich die digitalen Leistungen von Commerzbank und Comdirect ohnehin immer stärker angleichen. Die Bank will „im Vertrieb sowie im Marketing auf eine Marke setzen“. Der Name comdirect wird dann nur noch als Produktmarke des Brokerage-Angebots der Commerzbank weiterleben.