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Tui verliert weniger Geld als befürchtet

Schlautmann, Christoph
·Lesedauer: 4 Min.

Trotz der verheerenden Umsatzeinbrüche im Winter hat der Reisekonzern dank Staatshilfe und Kapitalerhöhung noch 2,1 Milliarden Euro in der Kasse. Nun hofft Tui auf Besserung.

Wegen des Lockdowns fehlen dem Reisekonzern die Umsätze. Foto: dpa
Wegen des Lockdowns fehlen dem Reisekonzern die Umsätze. Foto: dpa

Der von der Corona-Pandemie schwer getroffene Reisekonzern Tui hat den Kapitalabfluss im zurückliegenden Quartal stärker gebremst als erwartet. Wie Vorstandschef Fritz Joussen am Morgen mitteilte, verlor das Urlaubsunternehmen zwischen Oktober und Dezember durchschnittlich 310 Millionen Euro pro Monat. Angekündigt worden waren zuvor zwischen 400 und 450 Millionen Euro.

„Mit strikter Kostendisziplin und der mit Hochdruck vorangetriebenen Neuausrichtung des Konzerns ist es gelungen, den Verlust im abgelaufenen Quartal zu reduzieren“, erklärte Joussen.

Von den bis 2023 geplanten 400 Millionen Euro Kostensenkungen pro Jahr seien inzwischen 250 Millionen erreicht, sagte der Vorstandschef. Rund 5.000 Entlassungen habe man vornehmen müssen. Insgesamt reduzierte sich die Zahl der Mitarbeiter binnen Jahresfrist allerdings von 56.448 auf 37.081.

Einschließlich der Anfang Januar gestarteten Kapitalerhöhung, die zusätzlich 500 Millionen Euro in die Kasse spülte, und dem dritten staatlichen Hilfspaket besitze Tui nun eine Liquidität von 2,1 Milliarden Euro. Insgesamt hat der Staat Hilfen in Höhe von 4,3 Milliarden Euro an den Konzern vergeben.

Dank der zügigen Corona-Impfkampagne in Großbritannien hofft der Reisekonzern nun auf eine rasche Erholung von der Corona-Pandemie. Die Sommersaison könne vom sehr zügigen Impfverlauf in dem für Tui wichtigen Markt profitieren, erklärte das Unternehmen am Dienstag.

„Impfungen und Schnelltests machen ein Ende des Stillstands im Tourismus möglich“, so Tui-Chef Joussen. Er hoffe, dass nach verhaltenem Start auch in anderen Ländern mehr Energie auf Impfungen und die Verfügbarkeit von Schnelltests gelegt werde. Damit wäre die Basis für eine Rückkehr zu offenen Grenzen geschaffen. Bislang aber liegen die Buchungen für den Sommer 2021 noch 44 Prozent unter dem Wert von 2019, auch wenn die Durchschnittspreise laut Tui um 20 Prozent gestiegen sind.

Der Umsatz im abgelaufenen Quartal fiel mit 468 Millionen Euro noch deutlich niedriger aus als erwartet. Analysten hatten zuvor im Schnitt mit 704 Millionen Euro gerechnet – nach 3,85 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Als bereinigten Betriebsgewinn (Ebit) wies Tui ein Minus von 699 Millionen Euro aus. Im entsprechenden Vorjahresquartal hatte der Konzern aus Hannover das traditionell verlustreiche Wintergeschäft mit minus 147 Millionen Euro abgeschlossen. Der den Aktionären zurechenbare Nettoverlust stieg im abgelaufenen Quartal auf 803 Millionen Euro. Im Jahr zuvor war ihnen gerade einmal ein Quartalsverlust von 129 Millionen Euro entstanden. Zum Quartalsende stieg die Verschuldung auf knapp 7,2 Milliarden Euro.

Tui-Aktie unter Druck

Durch die Kapitalerhöhung hat der russische Hauptaktionär Alexej Mordaschow seinen Anteil von 24,9 auf 30,1 Prozent aufstocken können, wie Tui bestätigte. Ein Übernahme-Pflichtangebot blieb dem Oligarchen jedoch erspart, weil ihn die Finanzaufsicht Bafin wegen des Sanierungsbeitrags davon befreite.

Von den beiden anderen Großaktionären, der spanischen Hotelierfamilie Riu und dem ägyptischen Reiseunternehmer Hamed El Chiaty, gab es bislang keine offiziellen Stimmrechtsmitteilungen. Vorstandschef Joussen deutete jedoch an, dass Riu seine Bezugsrechte wahrgenommen und damit den bisherigen Anteil von 3,6 Prozent gehalten habe. El Chiaty sei bei der Kapitalerhöhung allem Anschein nach nicht mitgegangen. Der ehemalige Steigenberger-Eigentümer besaß vor der Kapitalmaßnahme drei Prozent der Tui-Stimmrechte.

Einen neuen Termin für die Jahreshauptversammlung, die ursprünglich im Februar geplant war, nannte Joussen auf Anfrage nicht. Wegen der außerordentlichen Aktionärsversammlung im Januar habe man sie verschoben. Auch über die Neubesetzung des Aufsichtsrats, in den wegen der staatlichen Hilfspakete zwei Vertreter der Bundesregierung aufgenommen werden sollen, hielt sich Tui bedeckt.

Im Handel verlor die Aktie zeitweise 1,7 Prozent und notierte am Nachmittag bei 3,74 Euro. Die US-Investmentbank Goldman Sachs empfahl die Papiere nach Veröffentlichung der Zahlen zum Verkauf und nannte als Kursziel drei Euro. Das Geschäftsumfeld sei schwach geblieben, schrieb Analyst Felix Schlueter in einer Studie, auch wenn die Entwicklung der Kosten etwas besser gewesen sei als erwartet.

Das Analysehaus Jefferies beließ Tui auf der Bewertung „Underperform“ mit einem Kursziel von einem Euro. Die Verschuldung des Reiseveranstalters sei zu hoch, schrieb Analystin Rebecca Lane, und es bestehe das Risiko von Reisestornierungen für den Sommer. Auch Analysten von Barclays und UBS werteten die Aussagen von Konzernchef Joussen als zu optimistisch, was die Sommersaison betreffe.