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Tui macht Sebastian Ebel zum Finanzchef – im Nachrückverfahren

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Der Manager war schon 2018 für den Posten im Gespräch – doch Birgit Conix erhielt den Vorzug. Nun gibt die Belgierin nach nur zwei Jahren vorzeitig auf.

Schon einmal war Sebastian Ebel für den Job des Finanzvorstands im Gespräch. Doch 2018 entschied sich Tui-Chef Fritz Joussen gemeinsam mit dem Aufsichtsrat in Hannover, der Belgierin Birgit Conix den Vorzug zu geben. Eine Fehlentscheidung, wie sich herausstellte. Profiteur ihres Abgangs wird nun der zuvor übergangene Sebastian Ebel, den viele schon 2018 als Favoriten gesehen hatten.

Die branchenfremde Managerin Conix, die ein Headhunter bei der belgischen Telekomfirma Telenet abgeworben hatte, habe die komplexe Tui-Welt nie wirklich verinnerlicht, berichten Mitarbeiter. Dass sie nun zum Jahreswechsel – sechs Monate vor Ablauf ihres Vertrags – Europas größten Reisekonzern verlässt, begründet Tui offiziell allerdings mit der persönlichen Lebensplanung der 55-Jährigen. Das Pendeln zwischen dem Wohnort nahe Antwerpen und der Arbeitsstätte Hannover habe sich für die zweifache Mutter als belastend erwiesen, berichtet man dort.

Was ihren Entschluss erleichtert haben dürfte: Seit der Finanzhilfe durch den staatlichen Rettungsfonds WSF, der neben dem 2,85 Milliarden schweren KfW-Hilfskredit 150 Millionen Euro in Form einer Wandelanleihe beisteuert, darf Tui keine Boni mehr ans Management ausschütten. Mehr als die Festvergütung von 682.100 Euro pro Jahr wären für die Finanzchefin damit auch künftig nicht drin gewesen.

Der gebürtige Braunschweiger Sebastian Ebel dagegen kennt Tui wie kaum ein anderer. Schon zwischen 1991 und 1997 war er bei der Vorgängerfirma Preussag Direktor fürs Konzerncontrolling. Nach einem kurzzeitigen Abstecher zur damaligen Viag, wo man ihn zum Bereichsleiter Telekommunikation ernannte, kehrte er 1998 zur Preussag zurück, um dort die Konzerntochter Hapag Touristik Union als Vorstand zu leiten.

Nach der Umbenennung der Preussag in Tui stieg er zum Controlling-Vorstand des Mutterkonzerns auf. 2011 bis 2013 war Ebel Finanzchef von Vodafone Deutschland, dem Düsseldorfer Rivalen der Deutschen Telekom, der damals von Fritz Joussen geleitet wurde. Nach Joussens Wechsel an die Spitze der Tui nahm dieser seinen Finanzchef nach Hannover mit – allerdings nicht als Kassenwart, sondern als Libero für heikle Sonderaufgaben.

Keine Scheu vor dem „Maschinenraum“

So entsandte Joussen den Braunschweiger unter anderem in den Aufsichtsrat der Beteiligung Tui Travel, um mit Ebels Hilfe die Fusion mit der widerstrebenden Tochterfirma vorzubereiten. Zuletzt kümmerte sich der 57-jährige Diplom-Kaufmann im Vorstand um Hotels und Ressorts, Kreuzfahrten, Reiseaktivitäten und den Gruppeneinkauf.

Dennoch kommt der Aufstieg zum Finanzchef für viele überraschend. Das Verhältnis zu Konzernchef Fritz Joussen habe sich vor einiger Zeit merklich abgekühlt, erzählen Manager im Konzern. Nur widerwillig habe Ebel den Chefposten bei der deutschen Tui-Landesgesellschaft Mitte 2017 an Marek Andryszak abgetreten, heißt es in Hannover – und das, obwohl er ihn nur übergangsweise erhalten hatte.

Sogar von Streit war die Rede, als Ebel im April 2018 unerwartet ein Sabbatical antrat, dieses aber bereits nach drei Monaten wieder beendete. „Die beiden haben sich wohl zusammengerauft“, vermutet man im Management. Dort gilt Ebel zwar als jemand, der ein erhebliches Know-how in Sachen Tourismus und Finanzen besitzt. Unumstritten ist der Manager dennoch nicht.

„Ebel scheut sich nicht, in den Maschinenraum hinabzusteigen und selbst an den Schrauben zu drehen“, erzählt ein Mitarbeiter. „Nicht selten aber weiß er alles besser und hinterlässt ein Heer frustrierter Manager.“ Ab Januar wird Ebel, der bis vor Kurzem auch Vereinspräsident von Eintracht Braunschweig war, an der Spitze des Finanzressorts zeigen müssen, dass er es auch anders kann..