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Trotz des Kursfalls: Warum ich glaube, dass Kryptowährungen kein Hype sind

Unsere Kolumnisten Margarethe Honisch. - Copyright: Fortunalista
Unsere Kolumnisten Margarethe Honisch. - Copyright: Fortunalista

Wer einen Blick auf den aktuellen Bitcoin-Kurs wirft, hört die Mahner schon von weitem. Gerade kratzt der gehypte Coin an der psychologisch wichtigen 20.000er-Marke, fällt zeitweise sogar darunter. Mit dem Abwärtstrend der Kryptowährung wird der ganzen Szene mal wieder der Untergang vorhergesagt.

Dabei hat Bitcoin schon viel größere Schwankungen erlebt. Wer sich nur am Kurschart orientiert, mag momentan kalte Füße bekommen. Umso wichtiger, sich zu fragen: Sind alle Coins nur Shitcoins?

Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein Blick rückwärts.

Bankenkrise, Bitcoin und Blockchain

Kryptowährungen sind im Zuge der Finanzkrise von 2008 entstanden. Die meisten von uns werden sich vermutlich noch erinnern, als wir plötzlich selbst beim Friseur Wörtern wie Triple-A-Rating, Short-Selling und Hypothekenanleihen hörten. Der Fall der US-amerikanischen Bank Lehman Brothers sorgte nicht nur für eine weltweite Finanzkrise, sondern zerstörte das Vertrauen in den gesamten Bankensektor und unser Finanzsystem.

Finanzanalyst Peter Thilo Hasler
Finanzanalyst Peter Thilo Hasler

In dieser Zeit reagierten die Menschen unterschiedlich. Manche gingen für die Demos von Occupy Wall Street auf die Straßen der Finanz-Metropolen, andere tüftelten bereits an einer neuen Lösung, die Banken für immer ersetzen könnte. Und so wurde 2009 unter dem Decknamen „Satoshi Nakamoto“ das Whitepaper für Bitcoin veröffentlicht. Darin geht es um ein Bezahlsystem, das der Blockchain zugrunde liegt – einer dezentralen, chronologisch aktualisierten Datenbank.

Was bedeutete das in der Praxis? Ein Beispiel. Wenn wir an der Kasse mit EC-Karte bezahlen möchten, geht das Geld nie direkt von uns an den Supermarkt. Wir versenden es immer über unsere Bank, die unsere Transaktion auf das Konto des Supermarktes schickt. Und nur, wenn sich all diese Parteien sicher sind, dass ich berechtigt bin, diese Transaktion zu vollziehen, wird sie auch erfolgreich abgeschlossen. Die Blockchain setzt all diese Hebel aus und ermöglicht es, dass ich mein Geld direkt an den Supermarkt transferieren könnte, ohne dass andere Parteien involviert sind. Ich brauche also keine Bank mehr, sondern habe die volle Macht über mein Geld.

Juliane Kutzke von Taxfix mit ihrem Hund.
Juliane Kutzke von Taxfix mit ihrem Hund.

Kryptowährungen sind aber kein Geld – oder doch?

Die größte Kritik, die es aktuell an Kryptowährungen gibt, ist, dass sich dahinter kein realer Wert verbirge und Kryptowährungen dadurch auch keinen inhärenten Wert besäßen. Die Sache ist bloß die: Das tut das Geld in euren Portemonnaies auch nicht. Es ist ein Stück bedrucktes Papier, an das wir alle glauben. Und seitdem dieses Stück Papier in den USA auch nicht mehr an Gold gebunden ist, kann man es munter drucken.

Wir glauben also alle daran, dass wir mit einem grünen Stück Papier im Supermarkt unseren Wocheneinkauf machen können, um uns ernähren zu können. Wenn wir alle statt an ein Stück Papier, an eine digitale Währung glauben, wäre das denn so ein großer Unterschied?

Letztendlich erfüllt Geld drei Funktionen: Es ist ein Tauschmittel, ein Wertaufbewahrungsmittel und kann als Recheneinheit genutzt werden. Hierin sollte eigentlich die größere Kritik an Kryptowährungen liegen: Da sie nur selten beim Einkaufen akzeptiert werden und noch viel zu volatil sind, eignen sich Kryptowährungen aktuell tatsächlich nicht als Geldersatz.

Reine Spekulation oder ein echtes Investment?

Neben all den unzähligen Shitcoins gibt es auch ernstzunehmende Kryptowährungen, die auch eine Lösung für ein echtes Problem liefern. Zum Beispiel die Blockchain Ethereum mit dem dazugehörigen Coin Ether. Dabei handelt es sich um eine Plattform, die anderen Anbietern ermöglicht, diese zu nutzen und eigene Lösungen zu entwickeln. Ähnlich wie ein Computer, den ich kaufe und dann mit meinen ganz eigenen Anwendungen und Programmen ausstatte.

Anwendungsbeispiele für Ethereum sind zum Beispiel Smart Contracts. Damit könnte ich zum Beispiel mit meinem Auto in die Tiefgarage fahren und indem mein Auto und die Tiefgarage miteinander kommunizieren, wird die Parkdauer automatisch berechnet und bezahlt. Kein Herauspressen aus dem Autositz mehr, weil man zu weit vom Knöpfchen gestoppt hat, kein Kleingeld- und Automatensuchen – einfach einsteigen und losfahren.

Genau das hat sich die Plattform Cardano, eine NGO, mit der dazugehörigen Währung Ada zum Ziel gesetzt. Der Token Chainlink hat keine eigene Plattform, sondern nutzt das Ethereum-Netzwerk. Die Idee hinter dem Projekt ist es, Smart Contracts außerhalb der Blockchain, sozusagen aus der realen Welt, fälschungssicher in die Blockchain zu transferieren. Beispielsweise können dann Kredite ohne eine Bank abgeschlossen werden, weil die Identität, die Handlungsabsicht und eventuelle Strafzahlungen über solch einen Smart Contract abgeklärt sind.

Warten alle nur auf den größeren Trottel?

Viele sind der Meinung, dass bei Kryptowährungen die Greater-Fool-Theorie zutage kommt. Diese besagt, dass man nur dann von einem Vermögenswert profitiert, wenn jemand anderes, der noch dümmer ist, einen noch höheren Preis zahlt. So kann man beispielsweise immer wieder beobachten, dass auch an der Börse viele ihre Aktien verkaufen, wenn diese aufgrund eines Hypes sehr schnell ansteigen.

Bei vielen Kryptowährungen trifft die sogenannte Greater-Fool-Theorie sicherlich zu. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Projekt und der Lösung dahinter zu beschäftigen. Angst und Gier sind die schlechtesten Ratgeber an der Börse – aber leider auch die, die man am häufigsten sieht.

Wenn ihr euch also bei einer Kryptowährung unsicher seid, lasst im Zweifelsfall die Finger davon. Man weiß schließlich nie, ob man dann einen noch größeren Trottel als sich selbst findet.

Margarethe Honisch ist Finanzbloggerin und Buchautorin. Auf ihrer Website Fortunalista und ihrem gleichnamigen Instagram-Account gibt sie Tipps rund um Altersvorsorge und Geldanlage. Für Business Insider schreibt sie die Kolumne „Aus Geld mehr machen“.