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"Totale Überwachung"- Weil Lieferando detaillierte Tracking-Daten seiner Fahrer speichert, könnte eine Millionenstrafe drohen

·Lesedauer: 2 Min.
Lieferando-Fahrer in München
Lieferando-Fahrer in München

Lieferando, der Marktführer für Essenslieferungen in Deutschland, speichert laut Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) detaillierte Tracking-Daten seiner Fahrerinnen und Fahrer.

Für ihre Arbeit nutzen die Fahrer von Lieferando die App "Scoober". Dem BR liegen Daten vor, welche die App über die Fahrer sammelt und speichert. Personen können seit Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung Unternehmen auffordern, ihnen Auskunft über personenbezogene Daten zu geben.

"Sekundengenau nachvollziehbar"

Aus den Unterlagen, so der "BR", gehe hervor, dass die App pro Lieferung 39 Datenpunkte erhebe. Es sei sekundengenau nachvollziehbar, "wann ein Fahrer eine Bestellung zugeteilt bekommt, diese abholt und ausliefert". Auch werde hinterlegt, ob der Fahrer Zeitvorgaben einhalte. Es werde vermerkt, wenn ein Fahrer zu spät liefere. Die Daten seien personalisiert, könnten also einzelnen Fahrern zugeordnet werden.

In einigen Fällen, so der "BR", seien für vollbeschäftigte Fahrer mehr als 100.000 Datenpunkte erfasst worden - teils reichten sie bis 2018 zurück. Das halten Experten für unzulässig. "Die Datenschutzgrundverordnung wurde geschaffen, um genau dieses Vorgehen zu verhindern", sagte Peter Wedde, Professor an der Frankfurt University of Applied Sciences und Experte für Beschäftigtendatenschutz, dem "BR". Er sehe in der Praxis schwere Verstöße gegen den Datenschutz.

"Totale Überwachung"

Der Vorsitzende des Lieferando-Gesamtbetriebsrates für Deutschland, Semih Yalcin, sagte dem "BR": "Aus unserer Sicht liegt hier totale Überwachung vor. Wir halten es für völlig unverhältnismäßig." Die Fahrer würden unzureichend über die Funktionsweise der App aufgeklärt. Aktuell erarbeite der Betriebsrat Verbesserungsvorschläge für die App.

Stefan Brink, Datenschutzbeauftragter des Landes Baden-Württemberg, hat die App untersucht, nachdem sich ein Fahrer beschwert hatte. Dem BR sagte Brink: "Es handelt sich um eine sehr engmaschige Überwachung im Beschäftigungsverhältnis, die dort stattfindet." Die Weitergabe des Standorts der Fahrer in Abständen von 15 bis 20 Sekunden führe zu Tracking, einer "dauerhaften Überwachung der Arbeitsleistung", die nach Sicht von Brink "klar rechtswidrig" sei, wie er dem "BR" sagte.

Lieferando sagte dem BR auf Anfrage: "Die Fahrer-App entspricht den geltenden Datenschutzbestimmungen und die ermittelten Daten (wie Zeiten und Orte) sind unerlässlich, damit der Lieferservice ordnungsgemäß funktioniert." Außerdem würden erhobene Daten "nicht für unerlaubte Leistungs- oder Verhaltenskontrolle genutzt" und die Fahrer würden darüber informiert, "wie und zu welchem Zweck wir die Daten nutzen".

Stefan Brink, der Datenschutzbeauftragte aus Baden-Württemberg, hat seine Untersuchung jedenfalls an die niederländische Datenschutzbehörde weitergeleitet. Diese ist für den Mutterkonzern von Lieferando, "Just Eat Takeaway", mit Sitz in Amsterdam, zuständig. "Es handelt sich in diesem Fall um einen Maximalverstoß", sagte Brink dem "BR". Er rechne mit einer möglichen Strafe "in einer zweistelligen Millionenhöhe".