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Türkei droht durch höchste Arbeitslosenquote seit zehn Jahren eine Kettenreaktion

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Türkei droht durch höchste Arbeitslosenquote seit zehn Jahren eine Kettenreaktion

Die Arbeitslosigkeit in der Türkei steigt auf 14,7 Prozent. In Verbindung mit der hohen Inflation könnte das eine gefährliche Kettenreaktion in Gang setzen.


Die Konjunkturschwäche in der Türkei schlägt immer stärker auf den Jobmarkt durch: Die Arbeitslosenquote stieg zwischen Dezember und Februar auf 14,7 Prozent und damit den höchsten Stand seit fast einem Jahrzehnt, wie das nationale Statistikamt am Montag mitteilte.

In den drei Monaten bis Januar lag die Arbeitslosenquote noch bei 13,5 Prozent, zudem wuchs die Jugendarbeitslosigkeit mit 26,7 Prozent nun auf den höchsten Stand seit Beginn der Datenaufzeichnung 2005.

Außerhalb des Landwirtschaftssektors ist die Arbeitslosenquote sogar auf 16,8 Prozent angestiegen. Das entspricht einem Anstieg von 4,1 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Die Preissteigerungen für Agrarprodukte lagen zuletzt indes bei 27,3 Prozent.

Die hohe Arbeitslosigkeit könnte in Verbindung mit der hohen Inflation eine gefährliche Kettenreaktion in Gang setzen. Einerseits können die Lebensmittelhändler die Preissteigerungen nicht ständig an die Kunden weitergeben – erst recht nicht, wenn die Konsumenten aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit weniger Geld zur Verfügung haben. 

Gleichzeitig geraten Unternehmen auch aus anderen Sektoren unter Druck, wenn die Kunden die ständige Teuerung nicht mehr mitmachen und auf Einkäufe verzichten, etwa von Luxusgütern. Die Folge: Die Unternehmen verdienen weniger.


Viele von ihnen sitzen aber auf hohen Schulden, ein guter Teil davon in Fremdwährung. Schon jetzt kämpfen viele Konzerne mit der Schuldenlast und bitten die Banken um eine Restrukturierung ihrer Kredite.

Die letzte Folge in dieser Kettenreaktion: Den Banken geht irgendwann selbst das Geld aus. Der türkische Finanzminister Albayrak hatte Ende vergangener Woche bekanntgegeben, die staatlichen Banken mit umgerechnet 4,9 Milliarden US-Dollar unterstützen zu wollen. Die privaten Banken betonen, sie könnten ohne Hilfen auskommen – noch. 

Wirtschaft leidet unter Lira-Absturz

Die schwache Wirtschaft begleitet die Türkei schon seit dem vergangenen Jahr. Ende 2018 schrumpfte die türkische Wirtschaft so stark wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt sank zwischen Oktober und Dezember binnen Jahresfrist um drei Prozent. Die Wirtschaft litt vor allem unter den Absturz der heimischen Währung um 30 Prozent. Hintergrund sind auch Unsicherheiten wegen diplomatischer Spannungen mit den USA.

Im dritten Quartal 2018 war die Wirtschaft noch gewachsen. Von einer Rezession sprechen Fachleute, wenn die Wirtschaft zwei Quartale in Folge schrumpft. Sowohl Präsident Tayyip Erdogan als auch sein Schwiegersohn und Finanzminister Berat Albayrak haben erklärt, die Türkei habe die schlimmsten wirtschaftlichen Probleme hinter sich.

Türkei-Experte Tatha Ghose von der Commerzbank geht jedoch davon aus, dass die Arbeitslosenquote bis zu einem Anziehen der Konjunktur noch im Juli oder August weiter steigt. „Es wird schlimmer werden, bevor es besser wird.“

Mit Material von Reuters.