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Stillstand in Italien – Premier Conte: „Die ganze Welt schaut auf uns“

Italien legt das öffentliche Leben lahm und sieht sich damit als Modell für andere Länder. Der Premier verspricht: Weitere Einschränkungen wird es nicht geben.

12.03.2020, Italien, Mailand: Ein Obdachloser geht durch die verlassene Galleria Vittorio Emanuele II. Die italienische Regierung hat wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus die Sperrungen und die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit auf das ganze Land ausgeweitet. Foto: Luca Bruno/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa

Ein drastischer Schritt folgt in Italien auf den nächsten: Es war erst zwei Tage her, dass Premier Giuseppe Conte die Bewegungsfreiheit der Italiener beschränkt hatte. Am Mittwoch kündigte er zuerst ein Hilfspaket von 25 Milliarden Euro an und verschärfte dann die Maßnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus weiter. „Jetzt müssen wir einen weiteren Schritt machen“, sagte er in einer Facebook-Botschaft am späten Mittwochabend.

Nun sind in Italien alle Geschäfte geschlossen bis auf Lebensmittelläden, Apotheken, Tabakshops und Zeitungsstände. Der Erlass gilt bis zum 25. März.

Damit ist das öffentliche Leben praktisch zum Erliegen gekommen. Mit dem Regierungsdekret war gerechnet worden. Außerdem hatten viele Geschäftsleute ihre Läden schon seit Wochenbeginn von sich aus zugemacht, da die Kunden wegblieben, nachdem Conte die Italiener aufgefordert hatte, zu Hause zu bleiben. Der Premier warnte vor Hamsterkäufen. Die Versorgung wie auch der Nahverkehr seien gewährleistet. Banken, Post und Versicherungen bleiben geöffnet.

Die Börse reagierte an diesem Donnerstag morgen prompt: Der Mailänder Index fiel um sechs Prozent.  

Die Lombardei, in der die meisten Fälle von Corona-Infizierten behandelt werden, hatte den drastischen Schritt von der Regierung gefordert. Die Wirtschaft hatte dagegen protestiert, doch Conte blieb keine andere Wahl. Es sei grundlegend wichtig, sich so wenig wie möglich außerhalb des Hauses zu bewegen, sagte er.

In den Fabriken und Produktionsstätten könne gearbeitet werden, wenn alle Hygienevorschriften eingehalten würden. Dazu zählt etwa, dass Kollegen untereinander einen Meter Abstand halten. Wer könne, solle von zu Hause aus arbeiten.

Banken fordern Unterstützung

Conte stimmte seine Landsleute auf die neue Zeit ein. Ob die Maßnahmen Erfolg brächten beim Kampf gegen das Coronavirus, könne man nicht schon morgen sagen. Das brauche Wochen, sagte er. „Die ganze Welt schaut auf uns, wir sind das Land in Europa, das am stärksten getroffen ist vom Virus. Wir sind aber auch die, die mit größter Kraft reagieren und ein Modell für die anderen Länder sind.“

Weitere Einschränkungen werde es nicht geben, versprach Conte den Italienern. Das bedeutet: Die Produktion der meisten Unternehmen soll aufrechterhalten werden. 

Nach Angaben des Zivilschutzes in Rom sind mittlerweile 12.462 Menschen mit Corona infiziert, landesweit werden 1028 Menschen in den Intensivstationen behandelt, 151 mehr als am Tag zuvor, 820 sind gestorben.

Kritik gibt es an den harten Maßnahmen der Regierung nicht. Zu erschreckend ist die schnelle Ausbreitung des Virus. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind nicht abzuschätzen. Morgen will die Regierung im Detail festlegen, wie die Finanzhilfen in Höhe von 25 Milliarden Euro verwendet werden sollen. Die Regierung will zunächst zwölf Milliarden einsetzen.

Zu den geplanten Maßnahmen gehört, dass Familien Kreditzahlungen aussetzen können. Der Bankenverband bringt bereits staatliche Garantien ins Gespräch. Die Folgen von Kreditausfällen könnten die Banken nicht allein schultern, sagte der Präsident des Verbands, Antonio Patuelli, in einem Interview.