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Steuerexperte und Hockey-Fan: Dieser Mann soll neuer russischer Ministerpräsident werden

Der russische Ministerpräsident Medwedew ist mit der gesamten Regierung am Mittwoch zurückgetreten. Sein potenzieller Nachfolger kommt aus der Steuerbehörde.

Die Duma dürfte für den Finanzexperten als neuen russischen Ministerpräsidenten stimmen. Foto: dpa

Russlands Regierungspartei hat sich einstimmig für Michail Mischustin als neuen Ministerpräsidenten ausgesprochen. Das teilte eine Mitarbeiterin des Parlamentspräsidenten am Donnerstag mit. Damit dürfte die Duma ebenfalls für Mischustin stimmen, da die Partei Vereintes Russland von Präsident Wladimir Putin dort eine Mehrheit hat. Die Abstimmung wird noch im Tagesverlauf erwartet.

Putin hatte am Mittwoch eine Verfassungsreform angekündigt, die ihm den Machterhalt sichern könnte. Der bisherige Ministerpräsident Dmitri Medwedew und sein Kabinett ebnete ihm mit ihren Rücktritten dafür den Weg. Putin schlug daraufhin Mischustin, bislang Chef der Steuerbehörde, als Ministerpräsidenten vor.

Politisch ist der 53-Jährige bisher kaum in Erscheinung getreten und für viele Beobachter kam seine Nominierung deshalb überraschend. Zehn Jahre lang stand Mischustin an der Spitze der russischen Steuerbehörde und hat Einnahmen für den Staat eingetrieben. Er hat die Behörde modernisiert und mit einem digitalen System versehen. Die Verwaltung habe sich dadurch „drastisch verbessert“, hieß es danach immer wieder anerkennend.

Der promovierte Ökonom Mischustin kennt wie kein Zweiter die Verwaltung und gilt als Mann der Zahlen. Seine Doktorarbeit schrieb er über die Vermögensbesteuerung im größten Flächenland der Erde. Er war von 1999 an fünf Jahre lang Vizeminister für Steuerfragen. Danach leitete er das oberste Katasteramt des Landes und war unter anderem für die Vermessung des Riesenreiches zuständig. Er kümmerte sich auch darum, dass in Russland Sonderwirtschaftszonen eingerichtet wurden.

Bei einem Ausflug in die Privatwirtschaft leitete Mischustin zeitweise auch ein Investment-Unternehmen. Er gilt als durchsetzungsstark, aber auch als Teamplayer.

Der Finanzexperte, der seinen Doktor in Wirtschaftswissenschaften gemacht hat, wurde am 3. März 1966 in Moskau geboren – und ist damit nur etwa sechs Monate jünger als Dmitri Medwedew, der als Ministerpräsident zurücktrat. Für seine „Verdienste um das Vaterland“ wurde Mischustin mit einem Orden ausgezeichnet.

Privat interessiert er sich für Hockey, eine beliebte Mannschaftssportart in Russland. Er ist auch Vorstandsmitglied im nationalen Eishockeyverband. Mischustin ist verheiratet und Vater von drei Söhnen.