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Start-up macht Geniales aus weggeworfenen Avocado-Kernen

Julia Weiß
Freie Journalistin

Warum macht man eine natürliche Avocado zu Plastik, das im schlimmsten Fall im Meer landet? Ein Start-up aus Mexiko hat gute Gründe dafür.

Avocados restlos verwerten: Ein Start-up nutzt die Kerne der Frucht für seine Produkte. (Symbolbild: Getty Images)

Der Bundesstaat Michoacan in Mexiko ist einer der größten Avocado-Produzenten weltweit. Was von der Frucht meist nicht gebraucht wird: Ihr großer Kern. Der ist meist Abfall. Aber nicht für den Biochemiker Scott Munguia. Er gründete 2013 in Michoacan das Start-up Biofase und verwertet die weggeworfenen Avocado-Kerne jetzt weiter: für Plastikstrohhalme und Plastikbesteck.

Klingt für umweltbewusste Menschen erstmal strange: Avocado-Kerne kompostieren sich wenigstens – Plastik nie. Doch das spezielle Plastik von Munguia kann genau das: sich selbst biologisch abbauen. Zu 100 Prozent, nach etwa 240 Tagen, so das Start-up. Ein Win-Win im Kampf gegen Müllberge und Plastik im Meer.

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In 11 Länder verkauft Biofase seine Ware inzwischen. Kunden sind vor allem Restaurant-Ketten. Munguia hat sich sein Herstellungsverfahren für das biologisch abbaubare Plastik patentieren lassen. Wie die Produktion bei Biofase aussieht, kann man in diesem Video erahnen:


Mit seinem Biokunststoff kam er zur rechten Zeit um die Ecke: Die Belastung durch Plastikmüll steigt rasant. Inzwischen versuchen in vielen Staaten die Gesetzgeber, den Plastikgebrauch einzuschränken. In Mexiko war Querétaro 2017 die erste Gemeinde, die Plastiktüten verbot.


Die Nachrichtenagentur Reuters liefert einige Zahlen zum Plastik-Problem: Etwa acht bis 15 Millionen Tonnen Plastik werden der UN zufolge jedes Jahr ins Meer geworfen. Beobachter gehen davon aus, dass sich die Plastikproduktion in den kommenden 20 Jahren noch verdoppeln wird. Biokunststoffe machen bislang weniger als fünf Prozent davon aus.


Die Suche nach alternativen Kunststoffen wird deshalb intensiver,  es entsteht gerade eine ganze Branche. Von Kakteen über die Schalen von Meeresfrüchten bis hin zu menschlichen Fäkalien wird getestet, was sich zu biologisch abbaubarem Plastik machen lässt, so Reuters.

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Doch nicht alle Biokunststoffe, die es bereits auf dem Markt gibt, sind umweltfreundlich. Manche enthalten noch einen hohen Anteil an konventionellem Plastik, oder sind weder kompostierbar oder abbaubar. Selbst wenn eine Flasche oder Tüte also eine Art Öko-Siegel hat, wäre es ziemlich dumm, sie nun “mit gutem Gewissen” ins Meer zu werfen.

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