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Staatsanwaltschaft erhebt neue Vorwürfe gegen Ex-Wirecard-Chef Braun

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Markus Braun war laut der Münchner Staatsanwaltschaft der führende Kopf beim Bilanzbetrug. Er soll in der Gruppe die „Kontroll- und Steuerungsinstanz“ gewesen sein.

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Braun persönlich vor dem Untersuchungsausschuss in Berlin an diesem Donnerstag aussagen muss. Foto: dpa
Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Braun persönlich vor dem Untersuchungsausschuss in Berlin an diesem Donnerstag aussagen muss. Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft München I erhebt neue Vorwürfe gegen den ehemaligen Wirecard-Chef Markus Braun. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen habe Braun „innerhalb der Bande als Kontroll- und Steuerungsinstanz“ fungiert, schreibt die leitende Staatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl wie „Spiegel“ und „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) am Dienstagabend berichten. Das Schreiben richtet sich an den parlamentarischen Untersuchungsausschuss in Berlin, der die politischen Hintergründe des Bilanzskandals untersucht.

Der Ex-CEO soll ein System aufgebaut haben, das nach dem Prinzip „teile und herrsche“ funktioniert hat, und von einem „militärisch-kameradschaftlichem Korpsgeist und Treuschwüren untereinander“ geprägt gewesen sei, heißt es in dem Schreiben. Braun habe „strategische Weisungen und konkrete Geschäftsaktionen“ vorgegeben, berichtet die „SZ“. Brauns Anwalt weist laut „Spiegel“ alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück.

Wirecard hatte Ende Juni Insolvenz angemeldet. Der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München soll jahrelang seine Bilanzen gefälscht haben. Insgesamt 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhandkonten in Asien liegen sollten, sind nicht auffindbar.

Das Schreiben steht im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung um die Vorladung Brauns vor den Untersuchungssauschuss für kommenden Donnerstag. Der frühere Wirecard-Chef, der in Augsburg in Untersuchungshaft sitzt, hatte sich gerichtlich gegen eine Befragung in Berlin gewehrt und es unter anderem mit der Corona-Pandemie begründet. Er wollte stattdessen sich per Video vernehmen lassen. Doch der Bundesgerichtshof entschied am Dienstag, dass Braun persönlich in Berlin vorstellig werden muss.

Neben Braun sollten auch die zwei weiteren Untersuchungshäftlinge im Fall Wirecard vor dem Ausschuss aussagen. Allerdings hat die Staatsanwaltschaft laut dem Schreiben „Sicherheitsbedenken“ für den Kronzeugen, den ehemaligen Geschäftsführer einer Tochterfirma in Dubai. Er soll nun per Video von den Politikern befragt werden.

Kronzeuge habe Braun „erheblich belastet“

Der Kronzeuge habe die anderen beiden Wirecard-Manager mit seinen Aussagen „erheblich belastet“, schreibt Staatsanwältin Bäumler-Hösl laut „SZ“ und „Spiegel“. Ein jeder Kontakt bei einem Aufeinandertreffen im Untersuchungsausschuss, und sei es nur ein „Blickkontakt“, wäre gefährlich für die Ermittlungen. Für Braun und den ebenfalls inhaftierten Ex-Finanzmanager von Wirecard sei der Kronzeuge ein „Verräter“, führt die Staatsanwaltschaft München weiter aus.

Die Staatsanwaltschaft sieht in Braun einen Hauptverantwortlichen für „gewerbsmäßigen Bandenbetrug“, bei dem Wirecard über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben soll. Banken und Investoren sollen um bis zu 3,2 Milliarden Euro geprellt worden sein. Außerdem wird Braun Untreue, unrichtige Darstellung und Marktmanipulation in mehreren Fällen vorgeworfen.

Er war im Sommer wie weitere Manager des inzwischen insolventen Zahlungsdienstleister in Untersuchungshaft genommen worden. Nach dem ehemaligen Vorstandsmitglied Jan Marsalek fahndet die Polizei weiterhin.

Mit Agenturmaterial.