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Staat steuert Elektroautos in den Graben: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Elisabeth Behrmann über wirtschaftspolitische Illusionen. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages und erhalten Sie Sonntags das Hauptstadtgeflüster direkt in Ihre Mailbox.

Weitere Artikel von Bloomberg auf Deutsch:

Frühjahrs-Vollbremsung

Die schwächelnden Elektroauto-Verkäufe in Europa verstetigen sich. Im März, traditionell ein verkaufsstarker Monat, ging die Nachfrage um ganze 11% zurück und zog den gesamten Markt mit nach unten. Die trüben Zahlen beweisen einmal mehr, dass sich Stromer ohne Preisnachlässe oder andere Vorteile nur schwer an den Mann bringen lassen.

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Selbst in fortgeschrittenen Märkten sackt die Nachfrage jedes Mal ab, wenn es keine staatliche Förderung mehr gibt. Keine Spur von Hockey Sticks oder Tipping Points, also Punkten in der Marktentwicklung, nach denen es quasi von allein steil nach oben geht und die neue Technologie fix die alte ersetzt.

Selbst in Schweden, wo reine Batteriefahrzeuge letztes Jahr fast 35% der Neuverkäufe ausmachten — verglichen mit einem europaweiten Schnitt von ungefähr 15% — platzte die Blase, sobald es keine Kaufvergünstigung mehr gab. Im ersten Quartal knickte die Nachfrage um fast ein Fünftel, im März sogar um ein Drittel ein. Keine Spur von Erholung auch in Deutschland, wo es seit dem plötzlichen Subventions-Aus im Dezember ähnliche Einbrüche gibt.

Klar ist, dass Europa seine ambitionierten Klimaziele nur erreichen kann, wenn es mehr Batteriefahrzeuge gibt. Klar ist auch, dass flächendeckende Subventionen die knappen Haushalte der Länder sprengen, insbesondere auf Dauer. Die Litanei (Ladeinfrastruktur, zu kostspielige Modelle) der notwendigen Verbesserungen kennen wir schon.

Aus Frankreich und Italien kommen allerdings ganz gute Ansätze. Macron’s vergünstigte Leasingangebote für Geringverdiener fanden reißenden Absatz. Und Italien stellt Prämien von mehr als 10.000 Euro für den Eintausch der größten Dreckschleudern in Aussicht, ebenfalls für Leute mit schmalem Verdienst.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Rainer Bürgin, Alexander Kell und Stephan Kahl: Rotstift, Stärke durch Schulden, Entwarnung, Deals, und in Treue fest.

Rotstift

Die UBS plant dem Vernehmen nach eine weitere Runde von Personalabbau. Mehr als hundert Stellen in der globalen Investmentbank dürften betroffen sein, berichten darüber informierte Kreise. Auch in den Sparten Wealth Management und Markets sei mit Stellenabbau zu rechnen. Durch die staatlich eingefädelte Notübernahme der Credit Suisse stieg die Zahl der UBS-Mitarbeiter weltweit um rund 45.000 auf etwa 120.000. Verwaltungsratschef Colm Kelleher warnte im November, das Jahr 2024 werde im mehrjährigen Prozess der Credit-Suisse-Integration eines der schwierigsten. Grund dafür seien die “klebrigen” Kosten, die vor der rechtlichen Fusion der beiden Finanzinstitute anfallen. Die Wall-Street-Bank Morgan Stanley beginnt in dieser Woche mit der Streichung von rund 50 Stellen im chinesischen Investmentbanking. Auch HSBC setzt bei der Belegschaft im asiatischen Geschäftssegment den Rotstift an. Ganze 1.200 Stellen sollen indessen beim Fleischkonzern Danish Crown wegfallen. In Reaktion auf den Rückgang der dänischen Schweinezucht macht er einen Schlachthof dicht.

Stärke durch Schulden

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat sich bei ihrem Besuch in Washington anlässlich der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank die rosarote Brille aufgesetzt. Nach einer mehr als einjährigen Phase der Beinahe-Stagnation nähere sich die Eurozone dem Ende ihrer wirtschaftlichen Durststrecke, erklärte sie dort. “Wir sehen eindeutig Anzeichen einer Erholung”, sagte die Top-Währungshüterin, die Zinssenkungen ab Juni in den Raum gestellt hat. Beschäftigung und Arbeitsmarkt seien “phänomenal”. All der Optimismus kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die EU seit der vollmundigen Ankündigung des Rats vor 24 Jahren, der wettbewerbsfähigste Wirtschaftsraum der Welt werden zu wollen, permanent zurückfällt. Jetzt soll ein “Paradigmenwechsel” den Niedergang stoppen, und natürlich spielt die Schuldenvergemeinschaftung dabei eine große Rolle. Wie üblich wird diese von den südlichen EU-Mitgliedern ins Spiel gebracht, die schon die Hauptprofiteure des NextGenerationEU-Corona-Konjunkturprogramms waren. Nun soll sie der Rüstungs- und Klimapolitik dienen. Berlin könnte seinen Widerstand aufgeben, raunte es aus Kreisen beim Frühjahrstreffen in Washington. Appetit auf die deutsche Einlagensicherung gibt es auch.

Entwarnung

Es steht außer Frage, dass die deutschen Landesbanken zu den größten Finanzierern von Gewerbeimmobilien gehören. Auf zusammen rund 200 Milliarden Euro beläuft sich das Engagement von LBBW, Helaba, BayernLB und NordLB. Weil angesichts gestiegener Zinsen viele Kreditnehmer unter Druck stehen, mussten die Landesbanken hohe Risikovorsorge für das Segment Immobilienfinanzierungen bilden. Auf die Ratings haben die aktuellen Entwicklungen aber offenbar kaum Auswirkungen. Nachdem Fitch in der vergangene Woche das langfristige Rating der Helaba bestätigt hatte, sehen nun auch die Bonitätswächter von Morningstar DBRS keinen Grund, etwas an der Einstufung der LBBW zu ändern. Beide Agenturen verweisen in ihren Kommentaren allerdings schon darauf, dass es Gegenwind im Immobiliengeschäft gibt. Aber offenbar sind sie der Meinung, dass die Landesbanken die Turbulenzen gut aushalten können.

Deals

Die Schweizer Partners Group erwägt informierten Kreisen zufolge den Ausstieg bei der taiwanesischen Formosa Solar Renewable Power. Ein Deal könnte den Solaranlagen-Betreiber mit einem Eigenkapitalwert von 300 bis 400 Millionen Dollar bewerten. Die Investmentfirma aus Baar verwaltet ein Anlagevermögen von rund 147 Milliarden Dollar. Bei Formosa Solar ist sie seit 2016 einer der Hauptinvestoren. Der Gebäudeausstatter Arbonia verkauft seine Klimatechnik an eine Tochter des chinesischen Konglomerats Midea. Die Erlöse sollen zum einen das Türengeschäft des Unternehmes vom Bodensee stärken. Zum anderen ist eine Ausschüttung an die Aktionäre vorgesehen. In Bezug auf das 13 Milliarden Dollar schwere Investment von Microsoft in OpenAI derweil wird es keine förmliche Untersuchung durch die Kartellwächter in Brüssel geben. Ausschlaggebend war dem Vernehmen nach die Einschätzung, dass Microsoft die Richtung von OpenAI nicht kontrolliert, zumal es sich nicht um eine Übernahme handelt.

In Treue fest

Der Besuch von Bundeswirtschaftsminister Habeck samt Wirtschaftstross in Kiew wurde heute von Luftalarm begleitet. “Deutschland steht auch im dritten Jahr des brutalen und völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs fest an der Seite der Ukraine”, erklärte der Minister laut Pressemitteilung. Damit der allfällige Wiederaufbau “gelingt”, sei er über die ihn begleitende Wirtschaftsdelegation froh. “Sie demonstriert, dass auch die deutsche Wirtschaft die Zukunft der Ukraine in Europa fest im Blick hat”, so Habeck. Unterdessen bereitet sich Russland darauf vor, mehr Berufssoldaten zu rekrutieren, um beim weiteren Vorrücken zumindest vorerst eine weitere Masseneinberufung zu vermeiden. Mit bis zu 30.000 neuen Rekruten pro Monat könnte Russland die Armee in diesem Jahr um 300.000 Mann verstärken. Höchst fraglich ist, ob der graduelle Zustrom ausreichen würde, um Charkiw, Saporischschja oder gar Odessa zu erobern. Dennoch wächst in westlichen Sicherheitskreisen die Sorge, dass Russland in den kommenden Wochen die überlasteten ukrainischen Linien durchstoßen und große Fortschritte machen könnte. Am Samstag könnte feststehen, ob die Ukraine weitere US-Militärhilfe in Form eines Kredits erhält.

Was sonst noch passiert ist

  • Mandats-Orthodoxie

  • Entspanntes Homeoffice

  • Cash für Flink

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