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Spitzenbankerin Blessing macht bei JP Morgan eine steile Karriere

Die Starbankerin Dorothee Blessing wird bei JP Morgan zur Co-Chefin fürs Europa-Geschäft. Vom Umbau bei der US-Bank profitiert noch ein zweiter deutscher Top-Manager.


Eine Frau setzt sich in der Männerwelt des Investmentbankings durch. Starbankerin Dorothee Blessing steigt bei der US-Großbank JP Morgan auf und wird Co-Chefin für das Geschäft in Europa, Afrika und dem Nahen Osten (EMEA), wie eine Sprecherin dem Handelsblatt bestätigte. Sie profitiert vom Umbau der oberen Führungsebene im Investmentbanking. Dazu gehören neben Brückenkrediten etwa auch Aktien- und Anleihetransaktionen.

Blessing wird den Bereich zusammen mit Conor Hillery leiten. Die 52-Jährige bleibt zudem Deutschlandchefin von JP Morgan und ist außerdem noch für die Länder Österreich, Schweiz, Irland, Israel und Skandinavien zuständig. Sie kam 2014 von Goldman Sachs zu JP Morgan Chase.

Blessing zählt zu den deutschen Spitzenbankerinnen neben Ingrid Hengster und Carola von Schmettow. Hengster hatte als ehemalige Deutschlandchefin der Royal Bank of Scotland den Absprung von dem Institut rechtzeitig geschafft. Die Briten bauten massiv Personal ab und verloren stark an Gewicht und Marktanteilen. Die Österreicherin Hengster sitzt heute im Vorstand der staatseigenen KfW. Mit von Schmettow, Sprecherin des Vorstands von HSBC Deutschland, befindet sich eine weitere Frau in den Topetagen der hiesigen Banken.

Blessing war 2013 bei Goldman Sachs in Deutschland völlig überraschend ausgestiegen, wo sie als Co-Chefin das Investmentbanking mitgeleitet hatte. Das Verhältnis zum damaligen Goldman-Chef Alexander Dibelius war bei ihrem Ausstieg offenbar völlig abgekühlt, wie es in Finanzkreisen hieß. Außerdem habe ihr das Bankgeschäft in der schwierigen Phase der Industrie keinen Spaß mehr gemacht.

Bei Blessing steckt das Bankgeschäft im Blut eines Großteils ihrer Familie. Ihr Mann ist Martin Blessing, langjähriger Vorstandschef der Commerzbank, der zuletzt in der Schweiz seine Karriere bei der UBS fortgeführt hatte. Gleichzeitig kommt sie selbst aus einer angesehenen Bankerdynastie.

Der Vater galt als Sanierer

Ihr Vater, Paul Wieandt, war unter anderem Chef der Frankfurter Sparkasse und machte sich als Sanierer von Instituten wie der ehemaligen Gewerkschaftsbank BfG und der Landesbank Rheinland-Pfalz einen Namen, die er beide aus einer schwierigen Phase herausführte.

Ihr Bruder Axel Wieandt arbeitete unter anderem für die Deutsche Bank, wo er einstmals als Wunderkind angesehen wurde. Bekannt wurde er als Chef des in der Finanzkrise verstaatlichten Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate. Nach einem Streit mit der Politik verließ er allerdings die Bank und führte zeitweise die Valovis Bank.

Dorothee Blessing machte nach dem Goldman-Engagement bei JP Morgan ihren Weg. Geholt wurde die Firmenbankerin, damit das Geschäft in Deutschland noch besser läuft. Und es sieht gut aus in einer Zeit, in der die Branche in Deutschland in der Paradedisziplin Fusionen und Übernahmen zu kämpfen hat. Bei den Gebühreneinnahmen im deutschen Investmentbanking steht JP Morgan nach der Deutschen Bank auf Platz zwei im Jahr 2019. Der Abstand zum Platzhirsch ist ungewöhnlich klein.

Mit 175,7 Millionen Euro Gebühreneinnahmen liegt JP Morgan nur kurz hinter der Deutschen Bank, die nach Berechnungen des Informationsdienstleisters Refinitiv im Jahr 2019 181 Millionen Euro eingenommen hat. Die Deutsche Bank muss sich vorsehen, dass sie nicht vom ersten Platz verdrängt wird, und sie darf sich keinen Fehler erlauben. Doch Fehler der Deutschen Bank kämen Dorothee Blessing sicherlich gerade recht.

Im Rahmen der Neustrukturierung von Managementposten ernannte JP Morgan Chase Viswas Raghavan und James Casey zu den Leitern des globalen Investmentbankings, wie Insider berichten. Darüber hinaus gäben einige Topmanager künftig Führungsverantwortung ab und würden als sogenannte „Rainmaker“ versuchen, große Aufträge von Kunden an Land zu ziehen. Mit diesen Maßnahmen will JP Morgan Chase dem zunehmenden Wettbewerb in dem Geschäft begegnen.

Neben Blessing profitiert ein zweiter deutscher Topmanager vom Umbau bei JP Morgan. Dirk Albersmeier, der bisher Co-Chef Fusionen und Übernahmen in Europa gewesen ist, steigt neben Anu Aiyengar zum weltweiten Leiter der M & A-Sparte auf. Albersmeier hat in Deutschland bei Unternehmen einen hervorragenden Ruf und war bei großen Deals wie dem viele Milliarden schweren Kauf des Immobilienkonzerns Gagfah durch den Konkurrenten Deutsche Annington im Jahr 2015 mit dabei. Er ist auch intimer Kenner der M & A-Szene in China sowie den USA.