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Sparen statt verprassen: Ihr Fintech soll ein Gegenentwurf zum Klarna-Prinzip sein

Etwas andere Fintech-Gründer: Christian Schneider, Martin Granig, Jean-Yves Bitterlich (v.l.n.r.). - Copyright: Victor Malyshev
Etwas andere Fintech-Gründer: Christian Schneider, Martin Granig, Jean-Yves Bitterlich (v.l.n.r.). - Copyright: Victor Malyshev

Für Fintechs könnten die Zeiten schlechter kaum sein. Steigende Zinsen, Inflation, geopolitische Konflikte – das alles belastet die Branche seit dem Frühling 2022 und führt zu Kurseinbrüchen und Bewertungsrückschlägen, Massenentlassungen und bei einigen gar zur Insolvenz.

Und dann ist da Monkee. Auch ein Fintech, aber ein anderes. Das hat seinen Sitz nicht in Berlin, Hamburg, Frankfurt oder München, sondern in Innsbruck, Hauptstadt des Bundeslandes Tirol, etwas mehr als 300.000 Einwohner, eingerahmt von österreichischen Alpenspitzen. Bei Monkee geht es nicht um Investments, sondern um Vermögensaufbau mittels einer altbekannten und äußerst bewährten Methode: sparen. Als App hilft Monkee seinen Nutzern Sparpläne zu erstellen und Sparziele zu definieren. Schlicht nach dem Motto: Was man nicht ausgibt, hat man noch. Oder wie die Gründer es sagen: „Save now, pay later“ – als verantwortungsvolle Alternative zum „buy now, pay later“-Prinzip.

Beides, die Lage und die überhaupt nicht neue Idee hinter dem Startup, trägt dazu bei, dass man sich bei Monkee aktuell denken kann: Krise? Welche Krise?

Wachstum dank Skipisten und Almhütten in der Nähe

Erst gestern, erzählt Martin Granig, einer der drei Gründer, hätten sie ein Teammeeting auf einer Almhütte abgehalten. Kein Kitsch: „Wir machen viel draußen und finden es wichtig, die Umwelt mit einzubeziehen.“ Für das Startup ist der Standort Innsbruck ein Asset im Kampf um die Talente, um Data Scientists und Entwickler, die ihr bald 16-köpfiges Team ausmachen, erzählt sein Mitgründer Christian Schneider. Snowboarden, Freeriden, Mountainbiken – das alles geht hier direkt vor der Haustür. Beruf und Freizeit ließen sich in der „Lifestyle-Kapitale Innsbruck“, wie Schneider sagt, gerade für das „outdoor loving Team“ von Monkee bestens vereinbaren. Und mit diesem Gesamtpaket hätten sie schon einige Talente aus Deutschland angelockt, denen Fintechs in Berlin deutlich mehr hätte zahlen müssen.

Granig und Schneider sind alte Freunde, sie kommen beide von hier und haben bei einem der größten und im wahrsten Sinne des Wortes schillerndsten Arbeitgeber der Region ihre Karriere gestartet: Beim Kristallglashersteller Swarovski waren beide fünfzehn Jahre lang in unterschiedlichen Managementpositionen tätig. Zuletzt verantworteten sie das Thema digitale Innovationen. Dabei, erzählt Granig, hätten sie sich unter anderem mit Gamification beschäftigt und mit „Nudging“, einer Strategie, Menschen zur Veränderung ihres Verhaltens zu bewegen, spielerisch, ohne Zwang und Regeln. Irgendwann wuchs die Idee in den beiden Tirolern, diesen Ansatz auf den Bereich Personal Finance anzuwenden und sich damit selbstständig zu machen.

Erste Idee verworfen

Ihre Ursprungsidee war nichts komplett Neues: Granig, Schneider und der dritte Gründer im Bunde, Jean-Yves Bitterlich, planten eine App für Microinvestments, die es Nutzern ermöglichen sollte, möglichst bequem Kleinstbeträge in ETFs und dergleichen anzulegen. Davon gibt es mittlerweile einige, alle hadern derzeit damit, dass den Nutzern die Lust am Anlegen vergeht, wenn alle angezeigten Aktienkurse rot leuchten und nach unten gehen.

Gut also, dass sie das damals nicht gemacht haben. Lag aber nicht daran, dass die Ex-Swarovski-Manager in einer Kristallkugel die Zukunft hatten sehen können. Sondern an den ersten Feldversuchen: „Wir haben beim Testen unserer ersten Clickdummies festgestellt, dass viele Menschen noch sehr große Berührungsängste beim Thema Investieren haben.“ Sicher, darüber wird viel geredet und da sind die Stars, die viel Werbung machen, Trade Republic, Revolut – aber wenn Lieschen Müller und Otto Normalbürger ihr sauer verdientes Geld dann in Aktienfonds und ETfs investieren sollen, online, allein und ganz ohne ihren Bankberater? Nein, lieber nicht.

„Also haben wir gesagt: Lass uns einen Schritt zurückgehen und erstmal beim Thema Sparen ansetzen“, erzählt Schneider. Und da war auch noch reichlich Platz: „Im klassischen Sparsegment, in dem sich die meisten Deutschen und Österreicher wiederfinden, die eine größere Risikoaversion an den Tag leben, hat es bisher nichts gegeben.“ Keine Spar-Innovationen, nirgends: „Wenn ich zur Sparkasse gehe und frage, was die mir anbieten kann, um zu sparen, bekomme ich die gleichen Vorschläge wie meine Eltern vor 20 Jahren.“ Mittlerweile haben laut der Gründer rund 190.000 Menschen die Spar-App Monkee heruntergeladen, der Gesamtwert von deren Sparzielen belaufe sich auf 150 Millionen Euro.

Corona befeuert Lust am Sparen

Eigentlich ist Sparen natürlich immer im Trend. Trotzdem war das Timing bei der Gründung von Monkee ungeplant günstig. Corona hatte einen doppelten Effekt auf das Sparverhalten der Menschen: Kurzarbeit und Sorge vor wirtschaftlichen Einbrüchen ließ viele ihr Geld erstmal zusammenhalten. Zugleich war aber auch die Ausgabenseite beeinträchtigt: Restaurants zu, keine Konzerte, kein Urlaub – fast automatisch blieb etwas zum Sparen übrig.

Interessant sei es zu beobachten, wofür die Leute sparen, berichtet Granig. Denn so funktioniert Monkee: Nutzer können in der App unterschiedliche Sparziele anlegen. Was wollen sie sich leisten, wie viel kostet das und wann wollen sie das kaufen? Dann bestimmt der Nutzer, ob er oder sie wöchentlich automatisch einen Betrag dafür vom Girokonto abziehen lassen und hierfür sparen möchte, oder ob sogenannte „Smart Money Regeln“ gelten sollen: Kommt Gehalt an, gehen direkt X Prozent davon auf das Spartkonto für Anschaffung Y. Oder: Wird Geld für Konsumgüter ausgegeben (das erkennt die App am Zahlungsempfänger, die mittels API mit dem Konto der Nutzer verknüpft ist), gehen X Prozent dieses Betrages auf das Monkee-Sparkonto.

Sparen für was man möchte - und was man braucht

Während im ersten Lockdown besonders oft auf E-Bikes und Fahrräder gespart wurde, ging es im zweiten häufig um Küchengeräte, beobachteten die Monkee-Gründer. Als die Lockerungen absehbar waren, sparten die meisten Nutzer für Urlaub. Jetzt sähen sie immer öfter, dass Geld für Energie- und Betriebskostennachzahlungen zurückgelegt wird.

„Es gibt da eine Verschiebung von Wünschen und Träumen hin zu Bedürfnissen und Notwendigkeiten“, sagt Schneider. Erst sparte man auf Dinge, die man gerne hätte, nun eher auf das, was man braucht. „Das Gute ist: Der Kunden profitiert mit uns in beiden Fällen durch wachsende Ersparnisse und wir monetarisieren in beiden Welten.“

Und zwar so: Unter dem Namen „FutureBoost“ haben die Tiroler ein Loyality-Programm geschaffen und dafür Partnerschaften mit rund 340 großen Unternehmen geschlossen, die Monkee-Nutzern Rabatte und Vergünstigungen anbieten, darunter Rewe, Booking.com, Douglas, Tchibo, Lieferando, Flixbus, Mediamarkt und etliche mehr. Das ist im Grunde das Geschäftsmodell der App, damit verdient das Startup Geld. Es ist aber auch für die Nutzer sinnvoll, denn damit ist Monkee mehr als eine reine Cash-Back-Lösung. Im Grunde wirken die Rabatte wie Zinsen auf Erspartes.

„Wir haben uns nie als klassische Fintech-Gründer empfunden, sondern sehen uns und unser Produkt eher an der Schnittstelle von Fintech und Consumertech“, sagt Christian Schneider. Das zahlt sich, wie ein Notgroschen und Erspartes, spätestens jetzt für die Tiroler aus.