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Softbank nimmt das Milliardenrennen mit Google auf

Die japanische Investorenlegende Masayoshi Son liebt Roboter in jeder Form. Seit Jahren plaudert der Kommunikationsroboter Pepper von Sons Konzern Softbank in Japan mit Kunden. Vierbeinige Transportroboter nahm der Milliardär voriges Jahr in sein Imperium auf, als er Google-Mutter Alphabet den Roboterentwickler Boston Dynamics abkaufte. Nun steigt Softbank sogar mit einem Überraschungscoup in die Entwicklung von Roboterautos ein.

Insgesamt 2,25 Milliarden US-Dollar (rund 1,9 Milliarden Euro) wird der Investitionsarm Softbank Vision Fund in GM Cruise investieren, eine Tochtergesellschaft des amerikanischen Autobauers General Motors für die Entwicklung autonomer und vernetzter Autos. Das wären immerhin 19,6 Prozent an GMs Start-up.

Die erste Tranche von 900 Millionen Euro wird sofort fällig, der Rest, wenn die Roboterautos marktreif sind. GM wird 1,1 Milliarden Dollar zusätzlich in sein Unternehmen stecken.


Die Nachricht belebte das Investoreninteresse an dem amerikanischen Autohersteller schlagartig. In den letzten zwei Handelstagen voriger Woche trieben sie den Aktienkurs von GM um sage und schreibe 14,2 Prozent auf 43,20 Dollar in die Höhe.

Denn nach Softbanks Einstieg müssen sie nicht nur das Start-up Cruise mit über elf Milliarden rund drei bis vier Mal höher bewerten als bisher. Damit dürfte die Kritik an GMs Entscheidungen verstummen, vor zwei Jahren eine Milliarde Dollar für Cruise hingelegt zu haben.

Mit dem 100 Milliarden Dollar schweren Softbank Vision Fund gewinnt GM auch den größten Technikinvestor der Welt sowie dessen Autorufdienste wie Uber als Partner im Wettrennen um diesen Zukunftsmarkt. Und da konkurriert GM nicht nur mit globalen Autoherstellern aus Deutschland und Japan, sondern auch die Google-Schwester Waymo.

Waymo unterstrich am Freitag seinen Status als Pionier der Roboterautos am Freitag. 62.000 Autos will das Unternehmen von Fiat Chrysler in den kommenden Jahren kaufen und zu selbstfahrenden Vehikeln umzubauen, kündigte Waymo an.


Damit beschleunigen die Mobilitätstochter der Google-Holding Alphabet ihre Pläne. Im März hatte Waymo bereits angekündigt, ab kommendem Jahr 20.000 Jaguar I-Pace aufzurüsten und damit ihre Fahrer arbeitslos zu machen.

Hardware und Software aus einer Hand

Doch Softbank traut GM offenbar zu, Googles Softwareingenieuren Paroli zu bieten. GM habe bedeutende Fortschritte dabei gemacht, den Traum vom vollständig automatisierten Fahren zu verwirklichen, sagte Michael Ronen, Managing Partner von Softbank Investment Advisers, die Sons Vision Fund leitet. So erhöhen die Amerikaner das Entwicklerteam von 40 auf 800 Ingenieure.

Besonders schätzt Son demnach an GM Cruise, dass die Amerikaner die Hard- und Software von Beginn an integrierten, während Waymo Autos anderer Hersteller umbauen muss. Das gebe Cruise einen „einzigartigen Wettbewerbsvorteil“, meinte Ronen. Softbank sei „begeistert, Cruise und GM dabei zu unterstützen, die historische Verwandlung der Autoindustrie anzuführen.“

Auf den ersten Blick passt der Einkauf perfekt zu der Mission des 61-jährigen Japaners Son. Mit seinem Softbank Vision Fund will er seinen Konzern zum dominierenden Spieler im Zeitalter Künstlicher Intelligenz, vernetzter Maschinen und Menschen sowie von Robotern aufbauen.


Ein zweiter Fonds ähnlicher Größe ist bereits in Planung. Und einer von Sons erstens Pfeiler für sein neues Imperium sind Autoruf-Apps, die die Welt der Mobilität revolutionieren könnten.

Softbank hat sich sowohl bedeutende Minderheitsanteile am US-Riesen Uber gekauft wie auch an Chinas Marktführer Didi Chuxing, Grab in Südostasien sowie eine Reihe weiterer lokaler Größen. Und Son sieht dies nicht nur als Finanzinvestition. „Softbanks Ziel ist, sie zu den führenden regionalen Plattformen zu entwickeln“, sagt Mitsunobu Tsuruo, Analyst der Citigroup in Japan.

Son will dabei beileibe nicht nur den Markt der Fahrdienste dominieren. Es geht ihm auch um geschäftliche Synergien seiner Firmen. So begradigt sie nicht nur regional Fronten. Uber will beispielsweise seinen Vorstoß in Südostasien abbrechen und sich stattdessen an Grab beteiligen. Mehr noch: „Softbanks Firmen werden damit zu einem bedeutenden Einkäufer im Bereich autonomer, verbundener Autos“, sagt Tsuruo.

Mit ihrer kombinierten Masse können sie nicht nur in Verhandlungen mit Autoherstellern besser die Preise drücken. Tsuruo sieht auch die Möglichkeit, dass Softbank damit besser die Diskussionen um Normen, Standards und gesetzliche Regeln für die neuen Roboterautos beeinflussen kann.

Doch so naheliegend das Engagement bei GM auch scheint, so überraschend ist es eigentlich. Denn bisher hat Son das Kapital seiner Partner im Softbank Vision Fund nicht in Hardware für Endkunden investiert, da dort generell nur schmale Gewinnmargen winken. Stattdessen steckte er das Geld in Geschäfte mit höheren Ertragschancen, die am Beginn und am Ende der Wertschöpfungskette stehen.


Auf der einen Seite sind dies die Ermöglicher smarter Hardware wie der britische Chipdesigner ARM oder der Grafikkartenhersteller Nvidia, dessen Prozessoren Anwendungen künstlicher Intelligenz dominieren. Am anderen Seite konzentriert sich Sons Fonds auf die Anwender smarter Dienste wie eben Uber oder Anbieter für die Infrastruktur für die vernetzte Welt wie das Startup One Web, das mit Satelliten weltumspannend schnelles Internet anbieten will.

Da Son sich noch nicht persönlich zu seinem GM-Deal geäußert hat, kann über seine Ziele bisher nur spekuliert werden. Doch vielleicht will er sich mit dem Einstieg bei GM schlicht nur das Angebot an autonomen Autos für seine Fahrdienste sichern.

Viele Autobauer arbeiten an eigenen Angeboten

Denn andere große Autobauer wie Mercedes und BMW in Deutschland oder Toyota und Nissan in Japan hegen die Hoffnung, mit eigenen Mobilitätsdiensten Softbanks Autoruf-Konsortium Kunden abzujagen. Sie könnten daher zögern, ihre Rivalen ausreichend mit Autos zu versorgen.

Nissan hat beispielsweise im März seinen Robotertaxi-Dienst „Easy Ride“ getestet, den der Autobauer mit der Mobile-Gaming-Plattform DeNA entwickelt. Toyota werkelt ebenfalls mit Hilfe seiner Experten für Künstliche Intelligenz im Toyota Research Institute an eigenen Lösungen, die in der ersten Hälfte des kommenden Jahrzehnts auf den Markt kommen könnten.

Doch Softbanks Investition bleibt derzeit eine Wette auf die Zukunft. Denn noch ist noch nicht klar, wann autonome Autos wirklich in größeren Stückzahlen auf die Straße kommen. Sie werden wahrscheinlich zuerst in einigen kleineren Regionen losgelassen, die vollautonome Autos bereits zulassen. Der Massenmarkt wird in jedem Land erst dann folgen, wenn die dortigen Gesetzgeber die Haftungsregeln für autonome Autos erlassen haben.

Sons Heimat Japan hegt dabei große Pläne. Bis 2020 will die Regierung Haftungsregeln für autonome Autos schaffen und damit die Grundlage für einen Boom legen. Dies sieht der Entwurf einer nationalen Wachstumsstrategie vor, die Japans Regierung diesen Monat verabschieden wird.

Bis 2030 soll der Anteil autonomer Autos in Japan dann 30 Prozent übersteigen. Softbank und GM tun mit ihrer Partnerschaft wie andere Wettbewerber gut daran, sich frühzeitig in eine vorteilhafte Startposition zu manövrieren.