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So wirkt sich die EZB-Entscheidung für Sie aus

Hamburg (dpa/tmn) - Um die anhaltend hohe Inflation im Euroraum in den Griff zu bekommen, hat die Europäische Zentralbank (EZB) erst jüngst erneut nachgesteuert. Angehoben wurden sowohl der Leitzins als auch die Einlagefazilität. Doch was bedeutet das überhaupt? Und wie wirkt sich das auf Sparprodukte und Kredite aus?

Leitzins und Einlagefazilität

Mit dem Leitzins legt die EZB fest, zu welchem Zinssatz sich Kreditinstitute bei ihr Geld leihen können, erklärt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Den Leitzins hat die EZB 2022 schon mehrfach erhöht, zuletzt Ende Oktober um 0,75 Prozentpunkte. Damit liegt er derzeit bei 2,0 Prozent.

Die EZB kann zudem die Einlagefazilität verändern - das ist der Zinssatz, den Banken bekommen oder zahlen müssen, wenn sie kurzfristig nicht benötigtes Geld bei der EZB parken. Nach der jüngsten EZB-Entscheidung liegt der jetzt bei 1,5 statt zuvor -0,5 Prozent. «Mit der Folge, dass die Banken nun keine Strafzinsen mehr zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken wollen», sagt Duygu Damar, wissenschaftliche Referentin beim Institut für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg.

Die Hoffnung ist, dass die Banken die Zinserhöhung an Kunden weitergeben. Für Verbraucher bedeutet das, dass die Zinsen für Spareinlagen wie Tagesgeld und Festgeld wieder steigen werden. Nachdem viele Jahre die Sparzinsen praktisch bei Null lagen, werden nun durch steigende Zinsen neu angelegte Zinsanlagen wie Tagesgeld, Festgeld oder Sparbriefe tendenziell rentabler, so die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

«Wie schnell und in welchem Umfang die Anpassung passiert, hängt jedoch auch von der Geschäftspolitik der jeweiligen Banken ab - sprich, ob sie derzeit Neukunden gewinnen wollen oder nicht», sagt Damar. Und davon, wie konkrete Vereinbarungen zwischen Altkunden und Banken aussehen. Die Empfehlung der Verbraucherschützer: Geben Banken die Einlagenzinsen nicht oder nur langsam weiter, sollten Kunden sich über die Geschäftspolitik beschweren, etwa bei Kontrollorganen oder der Geschäftsführung.

Zinssätze für Spareinlagen liegen unterhalb der Inflationsrate

Derzeit liegen die Zinssätze für sichere Spareinlagen trotz Zinswende noch deutlich unterhalb der Inflationsrate - das angelegte Geld vermehrt sich, wird aber real trotzdem weniger wert.

Was das bedeutet, zeigt eine Beispielrechnung der FMH-Finanzberatung: Ein Mann überlegt, ein teures Fahrrad für 5000 Euro zu kaufen. Sein aktuelles Fahrrad ist noch gut, deshalb verschiebt er den Kauf ins Folgejahr. Das Fahrrad würde dann rund 5400 Euro kosten, wenn man als Jahresdurchschnitt acht Prozent Inflation unterstellt. Würde der Mann die 5000 Euro auf das derzeit bestverzinste Festgeldkonto anlegen, um die Preissteigerung auszugleichen, würden auf seinem Konto zum Kauftermin laut FMH-Finanzberatung jedoch nur 5125 Euro liegen. Denn für das Geld bekäme er höchstens 2,5 Prozent Zinsen.

Folgen für Kreditnehmer

Wie hoch monatliche Kreditraten ausfallen, hängt erheblich vom Zinsniveau ab. Insbesondere kurzfristige Kredite reagieren empfindlich auf die Zinsanpassungen der EZB. Duygu Damar zufolge haben Kreditnehmer die Zinserhöhungen in den vergangenen Monaten kräftig zu spüren bekommen. Die iff-Mitarbeiterin geht davon aus, dass der Trend anhält.

Bauzinsen hingegen orientierten sich weniger am Leitzins als vielmehr an dem Preis, den Anleger für Pfandbriefe bereit sind zu akzeptieren. Und dieser wiederum orientiere sich an der zehnjährigen Bundesanleihe, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Und dennoch sind die Bauzinsen seit Anfang des Jahres stark gestiegen - von knapp einem Prozent im Januar auf mittlerweile über 3 Prozent.

Betroffen davon sind Immobilienkäufer, aber auch Menschen, die ein bereits aufgenommenes Darlehen umschulden wollen oder bald eine Anschlussfinanzierung brauchen, weil ihre Zinsbindung ausläuft, heißt es von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Die Zukunftsprognose

Im September lag die Teuerungsrate in Deutschland und in der Euro-Zone bei rund zehn Prozent - ein Rekordhoch. Das Preisniveau ist also im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zehn Prozent gestiegen. Bis die Inflation wieder dauerhaft niedrig ist, könnte es noch Jahre dauern.