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So will die EU gewährleisten, dass Corona-Apps auch im Ausland funktionieren

Wer im EU-Ausland Kontakt mit einem Corona-Infizierten hatte, soll per App gewarnt werden. Doch die Länder verfolgen verschiedene Ansätze, was die Sache verkompliziert.

Handyanwendungen sollen bei der Verfolgung von Corona-Infektionsketten helfen – und das auch im Ausland. Foto: dpa

Reisen wird leichter: Die Grenzkontrollen innerhalb der Europäischen Union sollen schrittweise gelockert werden. Doch wie lässt sich das Coronavirus trotzdem unter Kontrolle halten? Die EU-Staaten wollen nun dafür sorgen, dass die Kontaktverfolgung von Corona-Infizierten per Smartphone-App auch im Ausland funktioniert.

Dafür haben die Vertreter der Mitgliedsländer nun konkretisiert, wie die so genannte Interoperabilität der unterschiedlichen nationalen Anwendungen gewährleistet werden kann. Die Tracing-Apps sollen die Nutzer auch im EU-Ausland warnen, wenn sie sich längere Zeit in der Nähe eines mit dem Virus Infizierten aufgehalten haben, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Dokument. Nutzer sollen auch sehen können, welche Folgemaßnahmen die dortigen Gesundheitsbehörden empfehlen.

Damit das funktioniert, müssen die Apps und Server auch die Identifikationsschlüssel der Nutzer austauschen. Wie sich das technisch umsetzen lässt, darüber schweigt sich das Dokument aber aus. Offenbar konnten sich die Staaten noch nicht einigen.

Die Tücke liegt im Detail, denn die EU-Staaten verfolgen bislang unterschiedliche Ansätze bei der Kontaktspeicherung. Deutschland, Italien und etliche andere EU-Staaten arbeiten an dezentralen Lösungen, bei denen die Schlüssel der Kontaktpersonen auf dem Handy selbst gespeichert werden.

Die App gleicht dann in regelmäßigen Abständen mit einem Server im Hintergrund ab, ob einer der gespeicherten Kontakte als infiziert gemeldet ist – und warnt in diesem Fall den Nutzer. Zentral gespeichert werden bei diesem Ansatz also nur die Schlüssel der Corona-Infizierten.

Einige andere Länder, darunter etwa Frankreich, verfolgen einen anderen Ansatz. Hier werden sämtliche erfassten Kontakte auf einem zentralen Server gespeichert, aber nicht die Schlüssel der Erkrankten. Wird ein Nutzer positiv getestet, informiert das System diejenigen, die sich über längere Zeit in dessen Nähe aufgehalten haben. Wie sich die beiden Ansätze vereinbaren lassen, wollen die EU-Staaten erst später beantworten.

Deutsche Corona-Warn-App soll im Juni starten

Ziel der Apps ist es, Infektionen schneller nachverfolgen zu können. In vielen Ländern waren Behörden damit überfordert, nach der Diagnose einer Corona-Infektion alle Menschen schnell zu kontaktieren, die sich angesteckt haben könnten. Dieser Prozess soll durch die Technologie beschleunigt werden.

In Deutschland soll die App Mitte Juni starten. Die Bundesregierung hat SAP und die Deutsche Telekom mit der Umsetzung betraut. Die Dax-Konzerne veröffentlichten in der Nacht auf Mittwoch ein Konzept für die Anwendung. Das Smartphone-Programm soll danach den Namen „Corona-Warn-App“ tragen.

Die Konzerne haben sich die Arbeit aufgeteilt: SAP entwickelte die eigentliche App und die Plattform. Die Telekom stelle „das Netzwerk und die Mobiltechnologie zur Verfügung und wird für den sicheren, skalierbaren und stabilen Betrieb des Backends der App sorgen“, heißt es im Konzeptpapier der Unternehmen. Der Programmcode alle Anwendungsteile soll öffentlich zur Verfügung gestellt werden, sodass ich Sicherheitsexperten unabhängig von der Funktionsweise der App überzeugen können.

Die App soll nicht nur Infektionsketten verfolgen, sondern auch Testergebnisse auf das Virus verwalten können. „Im Fall eines durchgeführten Tests auf eine SARS-CoV-2 Infektion kann der App-Nutzer über die App den digitalen Testinformationsprozess starten und damit über das ermittelte Testergebnis benachrichtigt werden“, heißt es in der Dokumentation der Unternehmen.

Noch ist allerdings unklar, wie groß der Nutzung der App bei der Verfolgung von Infektionsketten wirklich ist. So ist in Island seit einigen Wochen eine App im Einsatz: Rund 40 Prozent der Bevölkerung haben die Anwendung auf ihren Smartphones installiert – das ist mehr als in jedem anderen Land der Welt. Dennoch helfe die Technik kaum, sagte Gestur Pálmason vom isländischen Polizeidienst laut einem Bericht der MIT Technology Review.