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So will der Bund die schwierige Suche nach einem Corona-Impfstoff fördern

Am Montag kündigte die Bundesforschungsministerin ein 750-Millionen-Euro-Programm zur Suche nach einem Corona-Impfstoff an. Foto: dpa

Forschungsministerin Karliczek hat ihr 750-Millionen-Euro-Programm für die Erforschung eines Corona-Impfstoffes erklärt. Doch zugleich dämpft sie die Erwartungen.

Die Bundesregierung fördert die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19 in Deutschland ab sofort mit 750 Millionen Euro. Zwei Drittel des Geldes sollen in die entsprechenden Studien fließen, ein Drittel soll die Sicherung und den Ausbau von Produktionskapazitäten finanzieren, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) nach dem Kabinettsbeschluss am Montag. Zugleich dämpfte sie aber die Erwartungen. Denn die Suche nach einem Impfstoff gegen das Virus könnte viele Jahre dauern.

Das Förderprogramm des Bundes startet ab sofort. Das Geld stammt aus dem allgemeinen Haushalt.

„Anders als die USA“ werde Deutschland jedoch nicht gezielt einzelne Unternehmen fördern, sagte Karliczek mit Verweis auf das US-Unternehmen Moderna. Der amerikanische Biotechkonzern hatte Mitte März die weltweit erste klinische Studie gestartet. In Deutschland könnten sich alle Unternehmen um die Mittel bewerben.

In Deutschland erhielt die Mainzer Firma Biontech im April als erstes Unternehmen die Zulassung, einen von ihr entwickelten Impfstoff an Menschen zu testen. Das Tübinger Unternehmen Curevac will seinen Impfstoff zum Sommerbeginn in die klinische Erprobung am Menschen bringen. Weltweit zählt die WHO mehr als 100 Impfstoffprojekte. 

Die Forschungsministerin hält die Sicherung und Ausweitung von Herstellungskapazitäten für dringend notwendig. Denn die Produktionsanlagen seien in der Regel ausgelastet und könnten nicht so schnell ausgebaut werden, wie das nun nötig ist, sagte Karliczek. Im Förderprogramm gehe es jedoch noch nicht um die spätere Produktion eines fertigen, zugelassenen Impfstoffes. Ziel ist die Herstellung von genügend Impfstoff für umfassende klinische Studien.

Gedämpfte Erwartungen

Um bei den Studien schneller Fortschritte zu machen, seien mehr Teilnehmer nötig als üblich, so Karliczek. So könne man von Anbeginn an genügend Vertreter bestimmter Sondergruppen in die klinischen Tests einbeziehen. Gemeint sind damit etwa Pflegepersonal, aber auch Risikogruppen wie alte Menschen oder solche mit Vorerkrankungen. Mit dem Geld sollen auch benötigtes Material und Zusatzstoffe finanziert werden. Zudem sollen Verträge mit Abfüllern für Impfstoffe geschlossen werden, da die Abfüllung in der Regel nicht durch die Pharma-Unternehmen selbst geschieht.

Karliczek warnte jedoch erneut vor zu großen Erwartungen: Selbst wenn es im kommenden Jahr einen Impfstoff geben sollte, wäre das „wahnsinnig schnell“ – bei anderen Impfstoffen habe die Entwicklung mitunter zehn Jahre gedauert. Auch müsse man sich darauf einrichten, dass ein Impfstoff dann nicht alle Erwartungen erfüllt, sondern „vielleicht nur gegen eine schwere Erkrankung hilft oder immer wieder aufgefrischt werden muss“. 

Branchenexperten weisen darauf hin, dass Unternehmen schon Produktionskapazitäten aufbauen müssen bevor klar ist, ob ihre Impfstoffkandidaten auch wirksam und sicher sind. Die Kapazitäten werden also aufgebaut, während die klinischen Tests noch laufen – zumindest dann, wenn sehr schnell sehr viel Impfstoff gebraucht wird. Das könne vor allem für kleinere Entwickler aus dem Biotechbereich oder auch akademische Forschungsinstitute eine große Hürde sein.

Aber auch für die großen Impfstoffhersteller sei es nicht ohne Weiteres zu schaffen. Die Investitionskosten dürften sich durchweg bei mehreren Hundert Millionen Dollar bewegen. Der US-Konzern J & J etwa hat für seinen Covid-Impfstoff Investitionen von einer Milliarde Dollar vorgesehen.

Es sei auch nicht einfach, kurzfristig bestehende Anlagen umzurüsten, zumal diese Kapazitäten für das bestehende ganz normale Impfstoffprogramm gebraucht werden. Daher werden für neue Impfstoffe in der Regel auch neue, eigens darauf zugeschnittene Produktionen gebaut.