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So kommt die Anpassungsfähigkeit auf Trab

Berlin (dpa/tmn) - Veränderungen fallen uns oft schwer. Auch und besonders am Arbeitsplatz halten wir gerne an liebgewonnenen Routinen fest und wünschen uns, dass alles am besten für immer so bleibt, wie es ist. In Zeiten von New Work ist das aber meist Wunschdenken.

Nicht zuletzt während der Corona-Pandemie haben Berufstätige gemerkt: Arbeitsbedingungen können sich schnell ändern. Als «die wichtigste Zukunftskompetenz» betitelt der Wirtschaftspsychologe und Autor Carl Naughton die Anpassungsfähigkeit deshalb in seinem Buch. Im Interview erklärt er, warum die Fähigkeit so entscheidend ist und wie jeder und jede der eigenen Anpassungsfähigkeit auf die Sprünge helfen kann.

Frage: Anpassungsfähigkeit: Was heißt das eigentlich konkret?

Carl Naughton: Ich kann das an einem Beispiel verdeutlichen. Unternehmen stehen jetzt vor der Herausforderung, die Beschäftigten, die während der Pandemie überwiegend im Homeoffice gearbeitet haben, wieder zurück ins Büro zu holen. Viele wollen das aber nicht.

Es geht nun um zweierlei: Erstens, die Mitarbeitenden dazu zu befähigen, ihre Arbeitsprozesse selbst aktiv zu gestalten. Zweitens, den Führungskräften die Kompetenz zu vermitteln, Teams virtuell oder hybrid zu führen. Und die Fähigkeit, die hinter beidem steckt, ist die Anpassungsfähigkeit - nämlich die Fähigkeit, das eigene Verhalten an veränderte Situationen anzupassen, sich auf Veränderungen, die sich abzeichnen, proaktiv zuzubewegen.

Frage: Analog zum Intelligenzquotienten sprechen Sie in Ihrem Buch vom Anpassungsquotienten (AQ). Was genau zeichnet einen hohen AQ aus?

Naughton: Sich flexibel an sich schnell ändernde Situationen anpassen zu können, das wird ab jetzt immer entscheidender sein. Für diese oft radikalen, unvorhersehbaren und komplexen Veränderungen braucht es vor allem persönliche, soziale und methodische Kompetenzen.

Unsere Forschung zeigt, dass der AQ drei Cluster hat. Denken, Fühlen, Handeln. In jeder dieser Dimensionen gibt es verschieden starke Ausprägungen bei einem Menschen. Tatsächlich gibt es Menschen, die in allen drei Dimensionen stark sind.

Bei der kognitiven Facette geht es um die Gedanken und darum, sensibel zu werden für eine Veränderung, die sich abzeichnet. Das zweite ist die emotionale Facette. Hier gilt es, sich zu fragen: Kann ich das? Bin ich dafür gut genug? Und die dritte Facette betrifft das Verhalten. Es geht um die Frage: Wie schnell kann ich mein Verhalten anpassen? Wie kann ich meine Umwelt so gestalten, dass ich in ihr optimal arbeiten und leben kann?

Frage: Die Pandemie hat vielen vor Augen geführt, dass es wichtig ist, sich an neue Umstände zu gewöhnen: Haben denn noch immer viele Schwierigkeiten damit, sich anzupassen?

Naughton: Meiner Ansicht nach hat sich während der Pandemie gezeigt, wie notwendig Anpassungsfähigkeit ist. Menschen, die ohnehin offener für Veränderung sind, hatten weniger Probleme, sich schnell in ihrem Homeoffice einzurichten. Sie sind es gewohnt, Herausforderungen anzunehmen.

Die Menschen aber, die diese Persönlichkeitseigenschaft nicht haben, haben all das als große Herausforderung erlebt. Sie wurden genau da kalt erwischt, wo sie wenig mentale Ressourcen zur Verfügung hatten: Es fehlte die Struktur des Büro-Arbeitstages, das Büro als Logistikzentrum, die Kantine als Nahrungs-Strukturierer, sogar der Beginn und das Ende des Arbeitstages waren futsch. Vielfach ist also erst deutlich geworden, wie stark Anpassungsfähigkeit noch trainiert werden muss.

Frage: Und wie geht das?

Naughton: Jeder und jede Einzelne kann sich vornehmen, die eigene Anpassungsfähigkeit zu trainieren. Es gibt verschiedene Techniken aus der Persönlichkeitspsychologie, die dabei weiterhelfen.

Eine Technik ist zum Beispiel die Psychologische Distanz. Die Idee gibt es schon seit einigen Jahren. Im Kern geht es dabei um zwei Dinge: um uns als Person und um unsere Umgebung. Die psychologische Distanz beeinflusst die Art und Weise, wie wir Dinge mental repräsentieren. Entfernte Dinge werden relativ abstrakt dargestellt, während psychologisch nahe Dinge konkreter erscheinen.

Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie sehen die Erde vom Mond aus. Das Ziel ist es, dieses Gefühl der Losgelöstheit zu haben, weit entfernt zu sein. Diese doch recht große psychologische Distanz zu Ihrem Wohnort, Ihrem Homeoffice, Ihrer Firma versetzt Sie in einen abstrakten oder psychologisch entfernten Geisteszustand, der alle möglichen Auswirkungen auf Ihre Wahrnehmung der Welt hat. Er wirkt auf Ihre Einschätzung darüber, wie schwierig Dinge sind, oder auch darüber, wie Sie sich selbst sehen.

Frage: Wie kann ich als Berufstätiger rüberbringen, dass Anpassungsfähigkeit zu meinen Kernkompetenzen zählt?

Naughton: Ein proaktives Mitteilen ist meist gar nicht notwendig. Adaptives Verhalten zeigt sich ja permanent. Das merkt auch die Führungskraft. Was man als Einzelner aber machen kann: Man kann für die Fähigkeit werben. Etwa, indem man hingeht und sagt: Ich möchte in unserem Team Botschafter für Anpassungsfähigkeit werden.

Frage: Ist Anpassungsfähigkeit denn grenzenlos? Sprich: Muss ich jede Veränderung mitmachen?

Naughton: Ich verstehe die Frage, aber sie lässt sich nicht wirklich auf Anpassungsfähigkeit anwenden. Das ist ähnlich wie mit der Intelligenz. Die hat auch kein Limit im Sinne von: Jetzt höre ich auf zu denken.

Es geht natürlich nicht darum, bei jeder Veränderung oder neuen Situation zu sagen: «Yeah, da bin ich dabei.» Aber jemand, der keinen Anpassungsquotienten hat, sagt einfach immer nein. Die meisten bewegen sich auf der Skala aber eher irgendwo in der Mitte. Ideal wäre eine Position etwas rechts von der Mitte, so dass man in herausfordernden Situationen eine Reflexionsschleife starten und das Optimum der Situation für sich heben kann.

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