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Der Snap-Chef gewinnt im Vergleich zu Zuckerberg derzeit an Statur

Der Snap-Chef wehrt sich gegen die rassistischen Ausfälle des US-Präsidenten – und lässt seinen Erzrivalen Mark Zuckerberg schlecht aussehen.

Snapchats weltweit 229 Millionen Nutzer können Trump-Posts nur noch finden, wenn sie seine Seite aktiv ansteuern – was im Werben um junge Wähler durchaus schaden könnte. Foto: dpa

Evan Spiegel und Mark Zuckerberg sind Intimfeinde: Spiegel, Erfinder der populären Messenger-App Snapchat, lehnte einst mehrere Angebote des Facebook-Chefs ab, das Unternehmen Snap für drei Milliarden Dollar zu kaufen.

Als Zuckerberg daraufhin begann, Snapchat-Features in seinen eigenen Apps zu kopieren, bremste er Snapchats Wachstum so stark aus, dass das Unternehmen in ernste Schwierigkeiten geriet. „Wir fänden es toll, wenn Facebook uns auch beim Datenschutz kopierte“, giftete Spiegel später.

In den aktuellen Protesten gegen Rassismus in den USA gewinnt Spiegel als Unternehmensführer an Statur: Nachdem Donald Trump auf Twitter und Facebook Demonstranten mit Waffengewalt gedroht hatte, entschied der Snap-Chef, Beiträge des Präsidenten nicht mehr in der „Discover“-Funktion zu bewerben.

Snapchats weltweit 229 Millionen Nutzer können die Trump-Posts nur noch finden, wenn sie seine Seite aktiv ansteuern – was im Werben um junge Wähler durchaus schaden könnte. „Wir werden keine Stimmen durch kostenlose Werbung auf Discover verstärken, die rassistische Gewalt und Ungerechtigkeit anheizen“, schrieb Snap in einem Statement.

Ganz nebenbei lässt Spiegel damit auch Zuckerberg schlecht aussehen: Der Facebook-Chef hatte entschieden, selbst gegen gewaltverherrlichende Posts von Trump auf Facebook oder Instagram nichts zu tun, damit sich Nutzer selbst ein Bild machen können. Seitdem sind Hunderte seiner Mitarbeiter in offener Revolte, ein Mitarbeiter kündigte bereits öffentlich.

Zu unterstellen, dass Rache an Zuckerberg Spiegels Hauptmotiv ist, verkennt ihn aber: Sein Vater, ein bekannter Anwalt in Los Angeles, war Mitglied der Kommission, die nach einem Fall von Polizeigewalt den Rassismus in der US-Metropole aufarbeitete, wie Spiegel in einem persönlichen Brief an seine Mitarbeiter schrieb. Der 30-Jährige berichtete von seiner Zeit als Austauschstudent in Südafrika – und dem gewaltigen Privileg, als Weißer auf die Welt gekommen zu sein.