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Gostudent, Smava, Urban Sports Club: In diesen Startups gab es zuletzt Massenentlassungen

Die zahlreichen Krisen in der Vergangenheit verunsichern auch Risikokapitalgeber, die nun strenger mit ihrem Geld umgehen. Startups tragen die Konsequenzen. - Copyright: Compassionate Eye Foundation/Martin Barraud/OJO Images Ltd
Die zahlreichen Krisen in der Vergangenheit verunsichern auch Risikokapitalgeber, die nun strenger mit ihrem Geld umgehen. Startups tragen die Konsequenzen. - Copyright: Compassionate Eye Foundation/Martin Barraud/OJO Images Ltd

Nachdem 2021 noch das goldene Jahr der Einhörner war, scheint 2022 für die Startup-Szene zum Jahr der Massenentlassungen zu werden. Das betrifft auch deutsche Firmen und deutsche Startup-Angestellte. Zahlreiche Unternehmen wie der Essens-Lieferdienst Gorillas, der Konkurrent Getir aus Istanbul oder der schwedische Payment-Anbieter Klarna gaben bekannt, sich von großen Teilen der eigenen Belegschaft zu trennen.

Eine Übersicht über Massenentlassungen in Startups, die in den letzten Tagen Schlagzeilen machten:

Gostudent

Die E-Learning-Firma Gostudent ist das Vorzeige-Startup aus Österreich. Jetzt teilte der CEO des Unicorns, Felix Oswald, in einem Interview mit Trending Topics mit, dass man die Mitarbeiterzahl bis Jahresende von 1800 auf 1600 verringern werde. Gleichzeitig reduzierte Oswald die Wachstumsprognose für sein Unternehmen von ursprünglich 250 Prozent auf nunmehr 80 Prozent im kommenden Jahr. Gostudent wolle stattdessen im Jahr 2023 profitabel werden. Weiteres Sparpotenzial sieht das Unternehmen in seinen Märkten, so werde sich das Startup teilweise aus den USA zurückziehen und die US-Geschäfte aus Kanada heraus leiten. Die neuen Kernmärkte sind damit DACH, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien.

Urban Sports Club

Das Berliner Startup hatte während Corona mit sinkender Nachfrage nach seiner Sport-Mitgliedschaft zu kämpfen und setzte danach auf Wachstum. Doch mit Marktschwierigkeiten wie steigender Inflation und der Energiekrise drehte man den Kurs vor einigen Monaten auf Profitabilität. Da die selbst gesetzten Profitabilitätsziele nicht erreicht wurden, entließ das Startup als Konsequenz Ende August 15 Prozent der Belegschaft. Das entspricht 55 Mitarbeitenden. Urban Sports Club will nun bis Jahresende profitabel werden.

Smava

Die Entlassungswelle der vergangenen Monate hatte zu Beginn vor allem Fintechs getroffen. Diese Entwicklung scheint sich fortzuschreiben: Wie das Portal Finanz-Szene berichtet, trennt sich das auf die Vermittlung von Verbraucherkrediten spezialisierte Berliner Vergleichsportal Smava von einem Zehntel seiner Mitarbeiter. Den Angaben zufolge waren zuletzt knapp 1.000 Personen bei Smava beschäftigt. Praktisch alle Bereiche sollen betroffen sein – von der IT bis zum Marketing. Auf mehrfache Nachfrage von Gründerszene war Smava nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Update: Nach Veröffentlichung schreibt Smava: „Grundsätzlich kommentieren wir Blogbeiträge über unser Unternehmen nicht.“

Tier Mobility

Tier Mobility war zuletzt auf Expansionskurs, jetzt muss das Berliner Mobilitäts-Startup kräftig auf die Bremse treten. 180 Angestellte verlassen das Unternehmen, dies entspricht etwa 16 Prozent der Belegschaft. CEO und Mitgründer Lawrence Leuschner machte die Massenentlassungen über das Karrierenetzwerk Linkedin bekannt und warb gleichzeitig für die Mitarbeiter, die er gehen lassen muss: Über eine sogenannte Alumni-Seite will er ihnen helfen, neue Jobs zu finden. Der E-Scooter-, E-Bike- und E-Moped-Verleiher leidet wie so viele andere Startups unter dem derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld. Zuvor hatten die Berliner die Firmen Makery, Wind Mobility, Nextbike, Spin und Fantasmo Studios übernommen. Nun will die Firma auf Profitabilität setzen. Erst im Oktober waren die Berliner nach einer Finanzspritze von Softbank und Mubadala Capital noch auf einen Wert von zwei Milliarden US-Dollar geschätzt worden.

Artnight

Ende August wurden 26 Personen bei dem Event-Startup Artnight gekündigt, wie Gründerszene aus Unternehmenskreisen erfahren hat. Die Gründerin Aimie-Sarah Carstensen bestätigte die Entlassungen auf Nachfrage von Gründerszene. Das Team umfasst nun noch 46 Angestellte, der Stellenabbau betrifft damit mehr als ein Drittel der gesamten Belegschaft. Die Unternehmerin begründet die Entscheidung mit der makroökonomischen Situation. „Aktuell fragen sich viele, wofür sie ihr Geld ausgeben sollen“, so Carstensen. Es sei gut möglich, dass Verbraucher am ehesten an Freizeitaktivitäten wie etwa der Teilnahme an einer Artnight verzichten, befürchtet die Gründerin. Man wolle vorsorgen und sich deshalb „schlanker aufstellen“.

McMakler

Die Berliner Immobilienplattform McMakler präsentiert sich gerne selbstbewusst. Allerdings musste auch dort eine größere Zahl an Mitarbeitern gehen. Wenige Tage nach der Firmenfeier im Juli hatte es bei McMakler eine Massenentlassung. Mindestens 90 Angestellte, vor allem im HR- und Finanzbereich, waren nach Gründerszene-Informationen betroffen. Zudem wurden Verträge, die demnächst auslaufen, nicht verlängert und Praktikantenstellen gekürzt. Insider sprachen von insgesamt 120 Personen.

McMakler-Gründer Felix Jahn.
McMakler-Gründer Felix Jahn.

Trade Republic

Trade Republic hat im Sommer Entlassungen im Unternehmen angekündigt. Zuletzt waren nach eigenen Angaben mehr als 700 Personen bei dem Berliner Startup angestellt. Eine Sprecherin bestätigte die Kündigungen auf Gründerszene-Anfrage, wollte aber keine genauen Zahlen zu den gestrichenen Stellen geben. Die betroffenen Personen, die in den sozialen Netzwerken über die Kündigungen sprechen, arbeiten etwa im Recruiting, in der Software-Entwicklung und im Kundensupport. Auch die Assistentin von CEO Hecker gehört eigenen Angaben auf Linkedin zufolge dazu. Erst vor einer Woche sammelte die App für Aktienhandel weitere 250 Millionen Euro im Rahmen der Series C ein. Seine Bewertung konnte das Unicorn trotz des schwierigen Marktumfelds minimal auf fünf Milliarden Euro erhöhen.

Bereits im späten Frühjahr hatte es weitreichende Entlassungen in der deutschen Startup-Szene gegeben. Unter anderem bei:

Felmo

Das Berliner Startup Felmo bietet eine mobile Tierarztpraxis an. Die Firma beschäftigt Tiermediziner, die zu den Kunden nach Hause kommen. Nun hat Felmo 26 Arbeitskräfte "im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung und internen Umstrukturierung" entlassen, wie die Gründer Lars Giere und Philip Trockels bestätigen. Nach Gründerszene-Informationen arbeiten etwa 140 Personen in der Zentrale und weitere 430 als tiermedizinisches Personal, das deutschlandweit verteilt ist. Gemessen an Bürokräften werden also 18 Prozent der Stellen gestrichen. Die betroffenen Personen hätten sich vor allem um die Expansion, den Kundenservice und den Operations-Bereich gekümmert, so Giere und Trockels. "Tierärzte oder Mitarbeiter aus anderen Abteilungen sind nicht betroffen."

Kry

Schwedischen Medien zufolge will das Stockholmer Telemedizin-Startup Kry etwa zehn Prozent seiner Stellen streichen, das entspricht rund 100 Mitarbeitern. Eigenen Angaben zufolge beschäftigt die Tech-Firma mehr als 1000 Personen sowie 6000 Mediziner. Am Berliner Standort sitzen laut Linkedin rund 50 Personen, wovon "eine kleine Anzahl" betroffen sei, so Deutschlandchef Lukas Hauser zu Gründerszene. Konkrete Zahlen nennt er nicht. Einem Unternehmenssprecher zufolge will Kry das Personal in der Zentrale kürzen, aber weiterhin in Ärzte investieren.

Sumup

Auch das Payment-Startup Sumup hat einem Bericht von Finance Forward und Finanz-Szene zufolge einer größeren Zahl an Beschäftigten gekündigt. Demnach seien rund 100 Mitarbeiter am Standort Brasilien betroffen. Gründer Marc-Alexander Christ bestätigt die Kündigungen, aber nicht die Stellenzahl. Er führt die wirtschaftliche Instabilität in Brasilien als einen Grund an, die Angestelltenzahl zu verringern. Insgesamt beschäftigt Sumup laut dem Karrierenetzwerk Linkedin weltweit rund 3.000 Mitarbeiter.

Gorillas

600 Personen arbeiteten zuletzt für den Berliner Schnell-Lieferdienst in der Zentrale, in den „Global Offices“ wie das bei dem Unternehmen heißt. Von den Entlassungen ist die Hälfte des globalen Teams betroffen, also rund 300 Angestellte. Das berichtete zuerst das Manager Magazin. Der Grund für die Massenentlassungen: Das Unternehmen muss Kosten sparen, um wieder attraktiver für Investoren zu werden. Zuletzt soll die Firma große Probleme gehabt haben, eine aktuelle Finanzierungsrunde abzuschließen.

Die Kündigungen betreffen fast alle Abteilungen in dem Unternehmen – doch besonders viele Entlassungen soll es in der Personalabteilung geben, erfuhr Gründerszene aus Unternehmenskreisen. Lieferfahrer und die Angestellte in den Warenlagern seien vorerst nicht betroffen, so die Firma. Doch das kann noch kommen: Denn aktuell prüft das Unternehmen außerdem die Möglichkeit, sich aus mehreren europäischen Ländern zurückzuziehen, darunter Dänemark, Italien und Spanien.

Klarna

Das schwedische „Buy-Now-Pay-Later“-Unternehmen plant zehn Prozent seiner Belegschaft zu kündigen. Von insgesamt 7000 Mitarbeitern dürften damit rund 700 Arbeitsplätze betroffen sein. Auch vielen Angestellten aus Deutschland droht der Jobverlust. Dem Portal Finanz-Szene zufolge beschäftigt die schwedische Firma rund 1000 Mitarbeiter in Deutschland, Berlin ist mit rund 800 Beschäftigten einer der größten Klarna-Standorte weltweit. Welche Abteilungen von dem Stellenabbau genau betroffen sind, gab die Firma bisher nicht bekannt.

Getir

Auch der Gorillas-Konkurrent Getir trennt sich nach eigenen Angaben von insgesamt 14 Prozent seiner gesamten Belegschaft. In Zahlen sind das 4480 Mitarbeiter – bei insgesamt 32.000 Angestellten in neun Ländern. Laut dem Online-Portal Techcrunch könnten allein in Deutschland 400 Stellen gestrichen werden. Nach Anfrage von Gründerszene will sich Getir zu dieser Zahl nicht äußern. Angesichts der Tatsache, dass in der Bundesrepublik bis dato nur rund 150 Personen für das Headquarter arbeiteten, erscheint diese Zahl jedoch recht hoch.

Wie die Lebensmittelzeitung berichtet, bleibt die Stelle des Deutschland-Chefs dabei weiterhin vakant. Aktuell teilen sich die Rolle Interims-mäßig drei Personen auf: Turancan Salur, bislang General Manager in Großbritannien, Karthikeyan Srinivasan Harith, zuvor Head of Expansion in London, und Alexander Steinbrecher, Anwalt und Head of Legal.

Kontist

Das Berliner Fintech Kontist entlässt ebenfalls Mitarbeiter, wie das Portal Finance Forward zuerst berichtete. Insgesamt 50 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden, das betrifft rund ein Viertel des gesamten Teams aus. Der Grund für die Entlassungen sei eine organisatorische Umstrukturierung, so das Startup in einem Statement. Die Firma bietet ein KI-gestütztes Steuerberechnungstool für Freelancer an. Mit der Umstrukturierung will das Unternehmen ab sofort einen stärkeren Fokus auf das Thema Steuerberatung legen.

Nuri

Die Berliner Neobank Nuri (ehemals Bitwala) wechselt ebenfalls in den Sparmodus. Das kündigte Nuri-Chefin Kristina Walcker-Mayer in einem Blogeintrag an. Darin begründet sie die Massenentlassungen mit der zunehmenden Verknappung von Risikokapital. „Um jetzt und in naher Zukunft Finanzmittel zu erhalten, müssen die Unternehmen zeigen, dass sie sich auf den Zielgeraden zur Rentabilität befinden“, schreibt sie. Von den derzeit 200 beschäftigten Arbeitnehmern sollen rund 45 Angestellte entlassen werden.

Zapp

Zapp, ein britisches Lebensmittel-Startup, das ebenfalls in wenigen Minuten Obst, Toilettenpapier oder Konserven vor die Haustür liefert, entlässt zehn Prozent seiner Mitarbeiter. Das Techportal Techcrunch schätzt, dass es sich dabei zwischen 200 und 300 Entlassungen handelt. Hinter dem Sofort-Lieferdienst steckt unter anderem der langjährige Rocket-Internet-Vorstand Alexander Kudlich mit seinem VC-Fonds 468 Capital, Rocket-Internet-Manager Joseph Falter sowie der Erfinder der Berliner App Gobutler, Navid Hadzaad.

Habt ihr Hinweise über weitere Entlassungen? Dann schreib uns an redaktion@gruenderszene.de