Deutsche Märkte öffnen in 1 Stunde 11 Minute

Smartphones im Baum: Bizarrer Wettbewerb von Amazon-Fahrern

Sandra Alter
·Freiberufliche Journalistin
·Lesedauer: 2 Min.

In der Nähe von Amazon-Logistikzentren dürfte sich derzeit mancher die Augen reiben: In den Bäumen hängen Smartphones. Dabei geht es um knallhartes Geschäft.

Es geht um knallhartes Geschäft. (Symbolbild: Getty)
Es geht um knallhartes Geschäft. (Symbolbild: Getty)

Bestellte Ware so schnell wie möglich an die Kunden zu liefern, hat bei Amazon oberste Priorität. Damit das möglichst reibungslos klappt, wird ein enormer logistischer Aufwand betrieben. Für die Auslieferung sind neben der Versandart über den Postweg auch viele externe Amazon-Paketboten zuständig.

Und die liefern sich derzeit in Chicago, einer der größten Städte in den USA, einen erbitterten Konkurrenzkampf, der auf den ersten Blick äußerst skurril anmutet: Die Fahrer hängen ihre Smartphones in Bäume, die in der Nähe von Amazons Verteilerzentren und der zu Amazon gehörenden Whole-Foods-Supermarktfilialen stehen.

Technischer Trick

Dahinter steckt ein technischer Trick, mit dem die Kuriere an mehr Aufträge kommen wollen, wie die US-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Demnach verteilt Amazon die Auslieferungsaufträge über die App Amazon-Flex. Den Zuschlag bekommt der Kurier, der dem Verteilerzentrum oder einem Whole Foods am nächsten ist.

Lesen Sie auch: Amazon testet bald Lieferungen per Drohne in den USA

Die Fahrer hängen ihre Smartphones deshalb in Bäume, die nur ein paar Meter vom Auftraggeber entfernt sind. So wird der Eindruck erweckt, als würden sie bereits vor den Toren warten. Das im Baum hängende Smartphone leitet die Anfrage dann an ein weiteres Smartphone weiter, das der Fahrer bei sich hat. So kann eine Tour bestätigt werden, obwohl ein Fahrer nicht in der Nähe ist.

Mittelsmänner fangen Aufträge ab

Bloomberg berichtet in diesem Zusammenhang sogar über Mittelsmänner. Die verkaufen Aufträge an Kuriere weiter, die kein Flex-Vertragspartner werden können, weil sie etwa keinen gültigen Führerschein besitzen.

Lesen Sie auch: 6 Monate Corona-Rally: Sind die Märkte nun reif für den Ausverkauf?

Der Mittelsmann akzeptiert die Route, die mit 18 US-Dollar bezahlt wird, behält 8 US-Dollar und zahlt einer anderen Person 10 US-Dollar, damit sie den Auftrag ausführt.

Das Vorgehen verstößt klar gegen die Richtlinien des Online-Versandhauses. Auf Anfrage von Bloomberg erklärte Amazon, dass man die Angelegenheit untersuchen werde. Eine offizielle Stellungnahme zu den Ergebnissen werde es aber nicht geben.

Im Video: Amazon geht gegen Fake-Rezensionen vor