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Siemens strebt Verkauf von Flender an – Finanzinvestor Carlyle Favorit für Zuschlag

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Ursprünglich wollte Siemens seine Getriebetochter an die Börse bringen. Doch dazu wird es wohl nicht mehr kommen.

Der Milliardendeal von Siemens rückt näher: Die Getriebetochter Flender wird aller Voraussicht nach an einen Finanzinvestor verkauft. Der ursprünglich angekündigte Börsengang werde immer unwahrscheinlicher, hieß es am Sonntagabend in Finanzkreisen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg steht der Finanzinvestor Carlyle kurz davor, für rund zwei Milliarden Euro den Zuschlag für das Unternehmen aus Bocholt am Niederrhein zu bekommen. Er habe sich gegen den verbliebenen kanadischen Mitbewerber Brookfield Asset Management durchgesetzt.

Die Entscheidung über den möglichen Verkauf soll nach Informationen des Handelsblatts spätestens auf der Aufsichtsratssitzung am 11. November verkündet werden. Dies könne aber auch schon früher passieren.

Die Grundsatzentscheidung für die Veräußerung sei gefallen, weil der Münchener Technologiekonzern die Gebote für ausreichend hoch erachte, sagte eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Bei einem Kaufpreis von zwei Milliarden Euro würde Flender laut Finanzkreisen etwa mit dem Neunfachen des operativen Gewinns bewertet.

Siemens wollte die Marktspekulationen nicht kommentieren. Der Konzern hatte im Frühjahr einen Börsengang von Flender angekündigt. Der offizielle Fahrplan sieht vor, dass die Siemens-Aktionäre auf der Hauptversammlung im Februar den IPO im Zuge eines Spin-offs beschließen. Diesen Weg war Siemens bereits bei der Abspaltung von Siemens Energy gegangen.

Vier Bieter in der engeren Wahl

Allerdings könnte Siemens den Prozess mit einem Direktverkauf deutlich vereinfachen. Beim direkten Verkauf an einen Investor könne man sich organisatorisch „einigen Aufwand sparen“, sagte ein Branchenkenner. Daher hatte sich der Konzern auch weitere Optionen offengehalten.

Dies rief einige Finanzinvestoren auf den Plan, die Interesse an Flender zeigten. Darauf engagierte Siemens Investmentbanken, die die Chance für einen direkten Verkauf ausloten und konkrete Angebote einholen sollten. In die engere Wahl waren laut Finanzkreisen vier Bieter gekommen, die jeweils zwischen 1,5 und 2,0 Milliarden Euro zahlen wollten.

Flender stellt unter anderem Getriebe für die Windkraftindustrie her. Vor wenigen Wochen wurde zudem die Einheit Siemens Wind Energy Generation in das Unternehmen integriert, die auf elektrische Antriebskomponenten wie Generatoren spezialisiert ist. Flender kommt nun auf etwa zwei Milliarden Euro Umsatz und hat 8500 Mitarbeiter.

Das Geschäft mit den Generatoren für Windkraftanlagen gilt als besonders attraktiv, auch weil Flender hier von einem langfristigen Liefervertrag mit der Siemens-Energy-Tochter Gamesa profitiert. Das Unternehmen stellt aber auch große Getriebe und Kupplungen für Kräne, Schiffe oder die Öl- und Gasförderung her.

Die operative Performance Flenders war lange unbefriedigend, zudem passt das Unternehmen nach der Abspaltung der Energieaktivitäten nicht mehr so recht in die neue Siemens AG. Diese konzentriert sich auf Digitalisierung und Automatisierung der Industrie, auf die Intelligente Infrastruktur rund um Gebäudetechnik und die Bahntechniksparte Mobility.

Der Verkauf von Flender schließt den radikalen Portfolioumbau von Siemens ab. Der scheidende Konzernchef Joe Kaeser hatte die Medizintechnik als Healthineers an die Börse gebracht. Vor wenigen Wochen folgte die Energietechnik, bei der Siemens auch die Mehrheit abgab. Der künftige Konzernchef Roland Busch hat signalisiert, dass er die verbliebene Siemens AG nun nicht weiter aufspalten, sondern vor allem durch organisches Wachstum wieder ausbauen will.

Mit Agenturmaterial.

Mehr: Auch ein anderer Getriebehersteller wurde von einem Finanzinvestor übernommen.