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Sieben Punkte, die für Anleger heute wichtig sind

In vielen deutschen Bundesländern ist am Donnerstag Feiertag. Doch an der Börse wird gehandelt – und der Dax reagiert deutlich auf den Fed-Entscheid.

Nach langem Auf und Ab hat sich der Dax in der vergangenen Woche deutlich erholt. Foto: dpa

Der Dax wird nach der Sitzung der US-Notenbank Fed wohl deutlich im Minus starten. Auf außerbörslichen Handelsplattformen notiert der deutsche Leitindex am Donnerstagmorgen rund zwei Prozent im Minus. Bereits am Mittwoch hatte das deutsche Börsenbarometer 0,7 Prozent verloren und bei 12.530 Punkten geschlossen.

Da die Sitzung der US-Notenbank am Mittwochabend nach Handelsschluss war, reagiert der Dax erst heute auf die Ergebnisse der Fed-Sitzung. Fed-Chef Jerome Powell betonte, dass die Erholung ein langer Weg sei und dass die Politik proaktiv sein müsse – wobei die Zinsen bis 2022 nahe Null liegen würden.

„Während Powell sich zu diesem Zeitpunkt nicht zu neuen Maßnahmen verpflichtet hat, verstärkt sein Fokus auf das Abwärtsrisiko und Unsicherheit die Botschaft, dass die Fed wahrscheinlich bis September weitere Maßnahmen ergreifen werde“, kommentierten Wirtschaftswissenschaftler von JP Morgan seine Aussagen.

Die Wall Street hat bereits uneinheitlich auf diese Maßnahme reagiert. Während der Dow Jones und der S & P 500 ins Minus rutschten, ging die Rally der Technologiewerte weiter. Der Nasdaq schloss 0,7 Prozent im Plus und blieb über der 10.000-Punkte-Marke.

Impulse kommen heute auch von politischer Seite: Die Eurogruppe berät über weiter über ihre Krisenpolitik und Bundeskanzlerin Angela Merkelt telefoniert mit Chinas Ministerpräsidenten Li. Außerdem legt das DIW seine Sommerprognose vor.

1 – Vorgaben aus den USA

Die US-Börsen haben am Mittwoch nach einer Achterbahnfahrt uneinheitlich geschlossen. Auf die Stimmung der Händler schlug eine Konjunkturprognose der US-Notenbank. Die Federal Reserve erwartet, dass die Wirtschaftsleistung dieses Jahr um 6,5 Prozent einbrechen und 2021 um 5,0 Prozent zulegen wird. „Vor der Wirtschaft liegt ein sehr unsicherer Weg“, warnte Fed-Chef Jerome Powell. Erst in den nächsten Monaten werde sich herausstellen, wohin die Reise wirklich gehe.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging ein Prozent tiefer auf 26.989 Punkten aus dem Handel. Der technologielastige Nasdaq rückte dagegen 0,7 Prozent auf 10.020 Punkte vor. Am Vortag hatte das Börsenbarometer erstmals die Marke von 10.000 Zählern geknackt. Der breit gefasste S & P 500 büßte 0,5 Prozent auf 3190 Punkte ein.

2 – Handel in Asien

Die asiatische Aktien haben am Donnerstag nach der düsteren Konjunkturprognose der US-Notenbank (Fed) nachgegeben. „Vor der Wirtschaft liegt ein sehr unsicherer Weg“, warnte Fed-Chef Jerome Powell. Erst in den nächsten Monaten werde sich herausstellen, wohin die Reise wirklich gehe. Die Fed erwartet, dass die Wirtschaftsleistung dieses Jahr um 6,5 Prozent einbrechen und 2021 um 5,0 Prozent zulegen wird.

Dennoch waren die Aktienverluste angesichts des Ausmaßes ihres jüngsten Anstiegs bescheiden. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 1,1 Prozent tiefer bei 22.882 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,9 Prozent und lag bei 1611 Punkten. Die Börse in Schanghai lag unverändert. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Schanghai und Shenzen CSI300 verlor 0,3 Prozent. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans stieg um 0,6 Prozent.

3 – Fed hält an der Nullzinspolitik fest

Die US-Notenbank hat ihren Leitzins wie erwartet nicht angetastet. Er verharrt damit in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent, wie aus einer Mitteilung der Fed vom Mittwoch nach ihrer Zinssitzung in Washington hervorgeht. Volkswirte hatten einhellig mit dieser Entscheidung gerechnet. Bereits auf ihrer Sitzung Ende April hatte die Notenbank den Leitzins nicht verändert.

Die Fed hat ihn seit dem Übergreifen der Coronakrise auf die USA im März in zwei großen Schritten auf fast null Prozent gesenkt. Anfang März hatte der Leitzins noch zwischen 1,50 und 1,75 Prozent gelegen. Die bisherige Reaktion der Fed auf die Coronakrise ist beispiellos und stellt selbst ihr Eingreifen in der Finanzkrise in den Schatten. Neben Zinssenkungen wurden Wertpapierkäufe in bisher ungekanntem Ausmaß getätigt und zahlreiche Kreditprogramme zur Stützung der Wirtschaft aufgelegt.

4 – Eurogruppe berät über Krisenpolitik

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise beschäftigen am Donnerstag (ab 15.30 Uhr) erneut die Eurogruppe. Die 19 Finanzminister der Währungszone prüfen zum einen die Auswirkungen auf die vor Jahren in der Schuldenkrise geretteten Staaten Zypern, Spanien und Griechenland, die wegen der Pandemie einen Rückschlag einstecken müssen. Zum anderen wollen die Eurostaaten gemeinsam mit den übrigen EU-Partnern die düsteren Wirtschaftsprognosen und die Pläne für die wirtschaftliche Erholung erörtern.

Aber auch um eine wichtige Personalie wird es bei der Videokonferenz gehen: Eurogruppenchef Mario Centeno gibt sein Amt ab und wird offiziell um Bewerbungen um seine Nachfolge bitten. Sein Mandat endet am 13. Juli. Die Wahl soll voraussichtlich kurz vorher stattfinden.

5 – DIW legt Sommerprognose vor

Das deutsche Wirtschaftswachstum wurde durch die Coronakrise jäh ausgebremst. Doch ob und wie schnell es zu einer Erholung kommt, ist unklar. Am Donnerstag will das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) seine Konjunkturprognose für 2020/21 abgeben. Darüber hinaus wollen die Wirtschaftsforscher in einer Videokonferenz erklären, welche Investitionen sie für nötig halten, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

6 - Tausende Stellen bei Lufthansa auf der Kippe

Die von der Corona-Krise hart getroffene Lufthansa hat deutlich mehr Personal zu viel an Bord als bisher bekannt. Der Personalüberhang belaufe sich auf 22.000 Vollzeitstellen oder 26.000 Mitarbeiter, erklärte eine Lufthansa-Sprecherin nach einem Tarifgipfel mit den Gewerkschaften UFO, Verdi und Vereinigung Cockpit am Mittwoch in Frankfurt. Bisher war offiziell von deutlich mehr als 10.000 Stellen die Rede.

Das Unternehmen will deshalb mit den Gewerkschaften noch vor der außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni Vereinbarungen über Teilzeitlösungen und andere Wege der Personalkostensenkung erzielen. Das sei notwendig für eine Zustimmung der Aktionäre zum neun Milliarden Euro schweren staatlichen Rettungspaket für die Lufthansa, hatte Vorstandschef Carsten Spohr gesagt.

Die Flugbegleitergewerkschaft UFO erklärte, die Luftfahrt brauche einen erfolgreichen Neustart. „Wir werden daher weiterhin alles versuchen, um bis zur außerordentlichen Hauptversammlung eine Lösung erreichen zu können“, sagte UFO-Geschäftsführer Nicoley Baublies. Allerdings müsse die Lufthansa einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen erklären. Die Lufthansa teilte mit, möglichst viele Arbeitsplätze erhalten zu wollen.

7 – Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA

In den USA wird am Nachmittag (14.30 Uhr) die wöchentliche Statistik veröffentlicht, wie viele US-Bürger zuletzt einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt haben. Weiter sinkende Erstanträge würden die Hoffnung untermauern, dass der größte Schock am Arbeitsmarkt überwunden ist. In der Vorwoche hatten besser als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten die Erholungsrally am deutschen Aktienmarkt weiter angetrieben.

Termine Unternehmen am 11. Juni

  • 10:00 Uhr, Deutschland: Tradegate AG Wertpapierhandelsbank, Hauptversammlung (online)
  • 13:00 Uhr, Deutschland: Berliner Effektengesellschaft, Hauptversammlung (online)
  • 22:05 Uhr, USA: Adobe, Q2-Zahlen

Termine Konjunktur am 11. Juni

  • 06:30 Uhr, Niederlande: Verbraucherpreise 05/20
  • 09:00 Uhr, Deutschland: DIW Berlin Pressegespräch (online) zu Konjunkturprognose 2020/21 und Investitionsprogramm
  • 10:00 Uhr, Italien: Industrieproduktion 04/20
  • 11:00 Uhr, Griechenland: Arbeitslosenquote Q1/20
  • 14:30 Uhr, USA: Erzeugerpreise 05/20
  • 14:30 Uhr, USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)

Sonstige Termine am 11. Juni

  • 10:00 Uhr, Deutschland: Oberlandesgericht Düsseldorf verhandelt über die Einsprüche von drei Kölsch-Brauereien gegen Bierkartell-Bußgelder der Kartellamtes
  • 09:30 Uhr, Luxemburg: EuGH-Urteil zur Unabhängigkeit der slowakischen Regulierungsbehörde für Gas und Strom
  • 09:30 Uhr, Luxemburg: EuGH-Urteil zu kostenloser Abgabe von Arzneimittelmustern an Apotheker
  • 10:00 Uhr, Deutschland: Pk mit Bundesumweltministerin Svena Schulze (SPD) zur Zwischenbilanz Corona: Umwelt und Digitalisierung
  • 11:00 Uhr, Deutschland: Videokonferenz Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und chinesischer Ministerpräsident Li Keqiang
  • 15:30 Uhr, Europa: Videokonferenz der Eurogruppe – Die Finanzminister der 19 Staaten der gemeinsamen Währungszone beraten zunächst über den Ausbau der Bankenunion sowie die wirtschaftliche Entwicklung in Zypern, Spanien und Griechenland nach den Rettungsmaßnahmen in der Eurokrise vor zehn Jahren. Alle 27 EU-Staaten gemeinsam beraten anschließend über Maßnahmen zum Wiederaufbau nach der Coronavirus-Pandemie

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