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Sewings Kümmerer: Stefan Hoops steigt zum DWS-Chef auf

(Bloomberg) -- Vor sechs Jahren erregte Stefan Hoops bei der Deutsche Bank AG die Aufmerksamkeit von Christian Sewing mit seinem kühlen Kopf und proaktivem Krisenmanagement.

Die Möglichkeit eines milliardenschweren Vergleichs mit der US-Justiz stand damals im Raum und verunsicherte Investoren und Kunden. Der junge Manager griff mit einigen anderen Bankern zum Hörer und startete einen Rundruf, um Zweifler zu beruhigen.

Sewing ist inzwischen Vorstandschef und setzt erneut auf Hoops in der Hoffnung, die Greenwashing-Krise bei seiner Fondstocher meistern zu können.

Mit der Beförderung zum Chef der DWS übernimmt der 42-jährige Hoops, der bislang wenig Erfahrung in der Vermögensverwaltung hat, die Leitung eines der größten europäischen Fondmanager. Die Firmenkundenabteilung, die im Zentrum von Sewings Sanierungsplan stand, erlebte unter Hoops Leitung in diesem Jahr einen Aufschwung, nachdem sie lange Zeit mit negativen Zinssätzen zu kämpfen hatte. Bei der börsennotierten DWS steht er vor der Herausforderung, ein bis vor kurzem gut laufendes Geschäft in Schwung zu halten und gleichzeitig nach dem Rücktritt seines Vorgängers Asoka Wöhrmann das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen.

“Sie haben sich für eine gute Führungskraft entschieden, die bleiben wird”, statt für eine Interimslösung, sagt Ingo Frommen, Analyst bei der Landesbank Baden Württemberg. Langfristig bringe der Schritt Hoops auch als möglichen künftigen Vorstandschef der Bank ins Spiel, so der Analyst.

Unter Wöhrmann wuchs das verwaltete Vermögen der DWS auf über 900 Milliarden Euro, unter anderem durch die Vermarktung vieler ihrer Fonds als besonders fokussiert auf hohe Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards (ESG). Doch die Vorwürfe, das Unternehmen habe seine ESG-Angaben geschönt, erschütterten die DWS und führten zu Ermittlungen in den USA und Deutschland.

Wöhrmann ist langjähriger Vertrauter von Sewing und leitet die DWS seit 2018, dem Jahr ihres Börsengangs. Am Mittwochmorgen kündigte er seinen Rücktritt an, wenige Stunden nach einer Razzia bei der DWS und der Deutschen Bank. Hoops, der an der Universität Bayreuth in Wirtschaftswissenschaften promoviert hat, übernimmt ab dem 10. Juni. Seine ersten Monate dürften geprägt werden durch die strafrechtlichen und aufsichtlichen Ermittlungen zu dem sogenannten Greenwashing. Die könnten kostspielig werden und chaotisch ablaufen.

Hoops wird sich vor allem darauf konzentrieren, aufzuräumen und einen Schlussstrich unter dieses Kapitel zu ziehen. Dafür wird er wohl auch Führungskräfte entlassen müssen, so mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft erklärte, die Razzia am Dienstag richte sich gegen unbekannte Mitarbeiter und Manager der DWS.

Hoops wird womöglich auch die Strategie der DWS anpassen, aber nicht grundlegend ändern. Der Fokus auf ESG dürfte bleiben, sagten die Personen, die nicht namentlich genannt werden wollten. Die DWS hat genug Geld und gute Fortschritte bei den Kosten gemacht, so dass sie auch durch Übernahmen wachsen könnte, so die Analysten von Bloomberg Intelligence.

Bloomberg Intelligence meint:

Die DWS könnte durch Übernahmen an Größe gewinnen, da sie über 2 Milliarden Euro an freien Mitteln verfügt und gute Fortschritte bei den Kosten macht. Amundi hat mit der Übernahme von Lyxor die DWS als zweitgrößten europäischen ETF-Anbieter überholt, was die DWS zusätzlich anspornt, ihren Marktanteil zu verteidigen. Asien bietet gute Wachstumschancen, aber Führung und Kontrolle durch die Deutsche Bank könnten die Möglichkeiten einschränken.

Lento Tang, Bankenanalyst. Für die gesamte Analyse hier klicken.

Wöhrmann war ein Befürworter der Konsolidierung in der Vermögensverwaltung, aber für Hoops ist dies ein neues Geschäft.

Hoops ist seit 2003 bei der Deutschen Bank und begann im Bereich Structured Sales. 2008 wechselte er in den Bereich Credit Trading in New York und hatte seitdem verschiedene Führungspositionen in den Bereichen Vertrieb, Handel und Strukturierungen in den USA und Deutschland inne, unter anderem als Leiter des institutionellen Vertriebs weltweit. Im Oktober 2018 wurde er Leiter der Globalen Transaktionsbank, seit Juli 2019 leitet er die Unternehmensbank der Deutschen Bank. Auch bei Lehman Brothers Holdings Inc. war er kurz tätig.

Im Jahr 2016 erschütterte ein drohender 14-Milliarden-Dollar-Vergleich mit dem US-Justizministerium wegen der Emission von jenen hypothekarisch besicherten Anleihen, die zur Finanzkrise beigetragen hatten, das Vertrauen in die Deutsche Bank und führte dazu, dass sich Kunden abwandten. Sewing, damals Vorstand für den Bereich Privatkunden und Vermögensverwaltung, war dem Vernehmen nach beeindruckt, wie sich Hoops in dieser Situation am Telefon um institutionelle Kunden kümmerte und sie davon abbrachte, ihre Gelder abzuziehen.

Nachdem Sewing Vorstandschef geworden war, machte er Hoops 2018 zum Leiter des Bereichs Transaktionsbanking, ein überraschender Schritt. Doch die Erfahrungen, die er dort sammelte, legten das Fundament für seine Beförderung zum Leiter der gesamten Firmenkundensparte, intern nun Unternehmensbank genannt, die Sewing im folgenden Jahr neu aufsetzte.

In diesem Bereich waren die Erträge drei Jahre in Folge nicht gestiegen, da die negativen Zinsen das Kreditgeschäft belasteten. Hoops reagierte, indem er Gebühren für Einlagen verlangte und die Kosten im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 um 15% senkte. Mit den Zinserhöhungen der Zentralbanken haben sich die Aussichten für das Geschäft verbessert - die Erträge stiegen im ersten Quartal um 11% gegenüber dem Vorjahr.

Kollegen loben Hoops scharfen Verstand, seinen Umsetzungs- und Führungsstärke. Auch sein Kommunikationsstil, der digitale Plattformen wie LinkedIn einbezieht, gefällt. Kritiker sagen, er sei zuweilen übertrieben selbstbewusst, unter Bankern keine ungewöhnliche Eigenschaft. Hoops hat früher erfolgreich Basketball gespielt und ist Fan der Golden State Warriors.

Auch bei Kontroversem stößt man auf seinen Namen. 2018 spielte er eine Rolle bei der Gründung eines Joint Ventures, an dem der Geschäftsmann Daniel Wruck beteiligt war. Dessen Verbindungen zu Führungskräften der Bank wird inzwischen von den deutschen Behörden untersucht.

Frommen von der LBBW sagt, es sei noch zu früh zu sagen, ob Hoops zum nächsten Chef der Deutschen Bank aufgebaut werden soll. Er hat in Spitzenpositionen in der Investmentbank und der Unternehmensbank gearbeitet, aber der Chefsessel bei der DWS könnte ihm nun die Art von Erfahrung vermitteln, welche auch die Bankenaufsicht gerne sieht.

“Ich glaube nicht, dass Sewing ihn jetzt schon ins Rampenlicht stellen will, denn Sewing hat nicht signalisiert, dass er zurücktreten will”, so Frommen. “Aber Hoops wird einmal Erfahrung in den drei wichtigsten Zukunftsgeschäften der Deutschen Bank haben.”

Überschrift des Artikels im Original:

Deutsche Bank CEO’s Fixer Hoops Takes Another Leap as DWS Chief

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