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Schwedischer Waffenhersteller Saab drängt auf den deutschen Markt

Der neue CEO will den Rüstungskonzern internationalisieren und setzt dabei auf Sensortechnik und moderne Waffensysteme. Auch der Bundeswehr will Saab Hochtechnologie anbieten.

Der schwedische Rüstungskonzern Saab will vor allem mit elektronischen Komponenten wachsen. Foto: dpa

Schwedens Rüstungskonzern Saab will sein Geschäft mit der Bundeswehr ausbauen. Micael Johansson, seit Oktober 2019 Vorstandschef, sieht den Waffenhersteller als ein „sehr schwedisches Unternehmen“, das gerade viele Großaufträge für die schwedische Armee abarbeitet – aber sich danach internationaler ausrichten soll. Deutschland, Großbritannien und die USA seien dafür die wichtigsten Zielländer, sagte Johansson im Vorfeld einer Reise zu Industriepartnern und Kunden nach Berlin im Juli.

Seit Saab seine Autosparte 1999 verkauft hat, ist der Konzern ausschließlich im Rüstungsgeschäft tätig. 2019 setzte er mit 17.400 Beschäftigten 35,4 Milliarden Kronen (3,4 Milliarden Euro) um.

Deutschland gilt als attraktiver Markt, seit die Rüstungsausgaben hierzulande wieder steigen: Der Verteidigungsetat stieg von 32 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf 45 Milliarden Euro in diesem Jahr. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) will das Arsenal der Bundeswehr modernisieren.

Johansson will der Bundeswehr vor allem Hochtechnologie anbieten, für elektronische Kriegsführung, Cybersicherheit und Sensortechnologien. „Es ist einfacher, wenn europäische Staaten in Kooperationen neue Technologien gemeinsam entwickeln, als wenn sie sich einen Konkurrenzkampf um den nächsten Panzer oder das nächste Kampfflugzeug liefern“, sagt Johansson.

Er setzt bei seiner Expansion auch auf den Europäischen Verteidigungsfonds EDF, der grenzüberschreitende Rüstungsprojekte fördert. „Wenn es zu einer Konsolidierung der Rüstungsindustrie in Europa kommen soll, dann könnte der EDF der Haupttreiber sein“, ist der 59-Jährige überzeugt.

In Deutschland hatte Saab 2012 in Nürnberg den Signaltechnik-Spezialisten Medav übernommen. Die Tochter in Nürnberg entwickelt laut Johansson heute für den Gesamtkonzern Systeme für den elektronischen Kampf.

„Auftritt in Deutschland ist vielfältig“

Seit Jahren produziert Saab zudem Lenkflugkörper gemeinsam mit Diehl und mit MBDA. Außerdem steckt Saab-Technik im Gefechtsübungszentrum Heer, und der Konzern betreibt Flugsimulatoren. „Unser Auftritt in Deutschland ist vielfältig“,  so Johansson. Er will die Partnerschaften ausbauen, möglicherweise der Bundeswehr aber auch eigenständige Angebote machen.

An eine große Konsolidierungswelle in Europa glaubt er bisher nicht. „Für uns alle ist es wichtig, die Fähigkeit zur Systemführerschaft zu behalten und nicht zum Unterauftragnehmer zu werden“, sagt Johansson.

Es gebe aktuell auch keine Gespräche mit Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) über deren U-Boot-Sparte. „Da würde sich zuerst die Frage stellen, ob die schwedische Regierung das unterstützt, und was die deutsche Regierung meint, welche Fähigkeiten TKMS halten sollte“, sagt er. 2014 hatte TKMS seine schwedische U-Boot-Tochter an Saab verkauft. Angesichts der Schwierigkeiten von Thyssen-Krupp gibt es auch immer wieder Spekulationen über die Marine-Schiffbau-Sparte.

Einfluss habe seine Firma auch nicht auf die Tornado-Nachfolgeentscheidung gehabt. „Wir hatten Diskussionen mit allen Seiten der Industrie über unser System für die elektronische Kampfführung für den Eurofighter, sagt er. Sie wüssten, was die Technik könne, die Saab in seinem Kampfflugzeug Gripen-E einsetzt. „Saab ist da aber nicht der Tier-1-Player“, sagt er.

Allerdings bedauert der Saab-Chef, dass sein Unternehmen keine Einladung für eine Beteiligung an der Entwicklung des neuen deutsch-französischen Kampfflugzeugsystems FCAS bekommen hat.

„Wir sind ein Unternehmen, das komplette Flugzeugsysteme liefert, einschließlich Systemintegration“, sagt er. „Es wäre für uns attraktiv gewesen, auf dieser Ebene mitzuarbeiten.“ Da es aber keine Einladung dafür gab, sei es für Saab jetzt sehr viel interessanter, am Tempest-Projekt von British Aerospace teilzunehmen.

Das bedeute aber nicht, dass man sich künftig nicht an Untersystemen des FCAS beteiligen wolle, „wenn wir gefragt werden“, so Johansson. Für die europäischen Steuerzahler ist es aus seiner Sicht gut, dass es Wettbewerb um das Kampfflugzeug der Zukunft gebe.

Johansson hofft, dass die Briten auch nach dem Brexit an europäischen Verteidigungsprojekten beteiligt bleiben, allein schon wegen ihrer militärischen Stärke. Außerdem würde die Zusammenarbeit zwischen EU und Nato und den USA sicher schwieriger, ohne die Briten als Verbindungsglied. „Es wäre traurig, wenn das nicht bewahrt werden könnte“, sagt Johansson.

Der CEO des schwedischen Rüstungskonzerns Saab möchte von einem steigenden Wehretat in Deutschland profitieren. Foto: dpa