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ROUNDUP: Zweiter Aussetzungsantrag im Wirecard-Prozess angekündigt

MÜNCHEN (dpa-AFX) -Im Münchner Wirecard-Prozess fordern nunmehr die Anwälte von zwei der drei Angeklagten den Stopp des Verfahrens. Nach der Verteidigung des früheren Vorstandschefs Markus Braun beantragte am Mittwoch auch die Anwältin des früheren Chefbuchhalters die Aussetzung des Prozesses. Verteidigerin Sabine Stetter warf der Staatsanwaltschaft München I rechtswidriges Vorgehen und schwere Ermittlungsfehler vor. Die Angeklagten hätten Anspruch auf ein faires und rechtsstaatliches Verfahren.

Stetter nannte drei Punkte: Die Staatsanwaltschaft soll demnach der Verteidigung die seit Monaten vorliegenden Aussagen wichtiger Zeugen beziehungsweise Beschuldigter vorenthalten haben. Außerdem hätten die Ermittler es versäumt, ein für das Verfahren wichtiges Mailpostfach zu sichern und sich einen Überblick über das private Gehaltskonto des Kronzeugen Oliver Bellenhaus zu verschaffen, sagte Stetter.

Dies ist für den Prozess von Bedeutung, weil insbesondere Ex-Vorstandschef Braun den Kronzeugen beschuldigt, Firmengelder in Millionenhöhe auf die Seite geschafft zu haben. Bellenhaus war bis zur Insolvenz im Sommer 2020 Geschäftsführer der Wirecard-Gesellschaft Cardsystems Middle East in Dubai.

Der ehemalige Chefbuchhalter, der frühere Dubai-Geschäftsführer und Braun sollen laut Staatsanwaltschaft seit 2015 die Bilanzen des Zahlungsdienstleisters gefälscht und kreditgebende Banken um 3,1 Milliarden Euro geschädigt haben. Im Falle einer Verurteilung wäre das der größte Betrugsschaden in Deutschland seit 1945.

Schon Brauns Verteidiger Alfred Dierlamm hatte vor Weihnachten die Aussetzung des Verfahrens beantragt, weil er der Staatsanwaltschaft gravierende Verstöße gegen rechtsstaatliche Prinzipien vorwirft.

Sowohl Braun als auch der frühere Chefbuchhalter sind im bisherigen Verlauf des Prozesses vom Kronzeugen Bellenhaus umfangreich beschuldigt worden. Braun hat über seine Anwälte eine Unschuldserklärung abgegeben und sieht sich selbst als Opfer. Der ehemalige Chefbuchhalter hat sich bislang weder persönlich noch über seine Anwälte zur Anklage geäußert.