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ROUNDUP/Trotz US-Sanktionen: Moskau will Nord Stream 2 fertig bauen

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MOSKAU (dpa-AFX) - Russland will die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 trotz US-Sanktionen zu Ende bauen. Moskau beabsichtige, "die kontinuierliche Arbeit an der Fertigstellung dieses Projekts fortzuführen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax. Russland bedauere das Vorgehen der Vereinigten Staaten. "Dieses internationale Projekt ist weiter mit grobem, gesetzwidrigem Druck vonseiten der USA konfrontiert", beklagte Peskow.

Die US-Botschaft in Berlin hatte die Bundesregierung darüber informiert, dass die USA am Dienstag Sanktionen wegen Nord Stream 2 verhängen wollen. Die Strafmaßnahmen sollen das am Bau der Leitung beteiligte russische Verlegeschiff "Fortuna" betreffen.

Über die Lage sprachen auch Kremlchef Wladimir Putin und der Chef des russischen Gasmonopolisten Gazprom <US3682872078>, Alexej Miller. Zu den Inhalten des Gesprächs machte der Kreml zwar keine Angaben. Die russische Staatsagentur Tass zitierte aber aus einem Papier für Investoren, nach dem Gazprom erstmals wegen des politischen Drucks ein "komplettes Scheitern" des Projekts nicht mehr ausschließe.

In einigen Regionen gebe es politische Veränderungen, zitierte Tass aus dem Schreiben. Dadurch komme es zu Spannungen zwischen Ländern, zu Änderungen von Standpunkten bei Geschäftspartnern und bei Regulierungsbehörden, hieß es. "In einigen Fällen können diese Änderungen dazu führen, dass die Umsetzung von Projekten unmöglich oder unzweckmäßig wird, das heißt, zu einem Stopp oder zu einem Aus des Projekts führt", zitierte Tass aus dem Schreiben.

Wegen der drohenden US-Sanktionen war das Milliardenprojekt Ende 2019 kurz vor der Fertigstellung gestoppt worden. Durch die beiden Leitungsstränge sollen künftig jedes Jahr zusätzlich 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland gepumpt werden. Die USA laufen Sturm gegen die Gas-Pipeline, weil sie eine zu große Abhängigkeit ihrer Partner in Europa von Russland sehen. Kritiker werfen den USA hingegen vor, nur ihr Flüssiggas in Europa besser verkaufen zu wollen. Im vergangenen Monat waren die Bauarbeiten wieder aufgenommen worden.