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ROUNDUP: Sensorhersteller AMS hält an Zeitplan für Osram-Übernahme fest

PREMSTÄTTEN (dpa-AFX) - Der österreichische Sensorhersteller AMS <AT0000A18XM4> will die angepeilte Übernahme des angeschlagenen Lichtkonzerns Osram <DE000LED4000> weiter bis Ende des laufenden zweiten Quartals abschließen. Das Vorhaben verlaufe planmäßig, derzeit würden die noch erforderlichen Freigaben für die Transaktion eingeholt, teilte AMS am Mittwoch bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal in Premstätten mit.

Am Kapitalmarkt kamen die Nachrichten und die vorgelegten Quartalszahlen sehr gut an. Die an der Schweizer Börse Six notierte AMS-Aktie lag am Vormittag rund 17 Prozent im Plus. Im laufenden Jahr haben die Papiere im Zuge des Corona-Crashes aber rund zwei Drittel verloren.

AMS geht laut Mitteilung davon aus, zum Zeitpunkt des Übernahme-Abschlusses rund 68,2 Prozent der Osram-Anteile zu halten. Wie der Konzern weiter bekanntgab, schreiten die Vorbereitungen für die Integration von Osram voran. Die Österreicher hatten Ende 2019 nach einem monatelangen Übernahmekampf mit US-Finanzinvestoren die Mindestannahmeschwelle im zweiten Anlauf überschritten und wollen nun einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Osram schließen.

AMS ist deutlich kleiner als das Traditionsunternehmen aus München, stark verschuldet und will den 4,6 Milliarden Euro teuren Deal weitgehend auf Pump finanzieren. Aber auch eine kürzlich trotz des wegen der Corona-Krise schwierigen Umfeldes abgeschlossene, 1,65 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung soll dazu beitragen. Die Kurseinbrüche von AMS und Osram im Sog der Corona-Krise hatten Zweifel am Erfolg der Kapitalerhöhung aufkommen lasse. Der Osram-Kurs liegt mit aktuell rund 37,70 Euro zwar immer noch klar unter dem AMS-Angebot von 41 Euro je Aktie, hatte sich zuletzt aber wieder deutlich erholt.

Osram hat ein verlustreiches Jahr hinter sich und steckt tief in der Krise. Der Leuchtenhersteller musste zudem wegen der Corona-Krise erst kürzlich seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr zurückziehen und verschärfte sein Sparprogramm.

AMS-Chef Alexander Everke, ein früherer Siemens <DE0007236101>-Manager, verspricht sich vom Zusammenschluss dennoch eine Menge. Er will mit Osram einen europäischen Weltmarktführer für Sensorik und Photonik schmieden und sieht große Synergieeffekte. Trotz aller anfänglichen Skepsis und gegen die Widerstände durch den Osram-Betriebsrat und die IG Metall hat er die Übernahme konsequent vorangetrieben.

Mit Blick auf das abgelaufene erste Jahresviertel konnte der Sensorspezialist den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum vor allem dank gut laufender Geschäfte mit Sensoren für Smartphones um rund ein Drittel auf gut 501 Millionen US-Dollar (rund 462 Mio Euro) steigern. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) konnte mit 101 Millionen Dollar mehr als vervierfacht werden. Die positiven Zahlen seien auch deshalb erzielt worden, da AMS die Folgen der Corona-Pandemie bislang gut bewältigt habe, hieß es. Allerdings stand unter dem Strich ein Minus von rund 16 Millionen Dollar. AMS begründete dies mit Kosten im Zusammenhang mit der Osram-Übernahme.

Ungeachtet dessen gibt sich AMS auch für das zweite Quartal zuversichtlich und erwartet trotz der Corona-Krise eine "erfreuliche Geschäftsentwicklung". Der Einfluss von Covid-19 soll demnach begrenzt sein. Die Erlöse sollen zwischen 440 und 480 Millionen Dollar liegen, zudem erwarten die Österreicher eine bereinigte operative Ebit-Marge von 17 bis 20 Prozent. Auch dies sorgte an der Börse für gute Stimmung.