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ROUNDUP: Scout24 profitiert von Maklergeschäft und Premium-Abos - Aktie fällt

MÜNCHEN/BERLIN (dpa-AFX) - Das Kerngeschäft mit Maklern und der Vertrieb von sogenannten Plus-Mitgliedschaften haben dem Online-Immobilienmarktplatz Scout24 (Immoscout24) im zweiten Quartal erneut zu einem Umsatzsprung verholfen. Dabei entwickelten sich vor allem Premium-Abos überdurchschnittlich stark. Weil die Dynamik anhalten dürfte, geht der Vorstand selbstbewusst in das zweite Halbjahr: Insgesamt dürften die Geschäfte 2022 besser als erwartet laufen, weswegen die Jahresziele erst vergangene Woche erhöht wurden. An der Börse blieb die Reaktion nach anfänglichen starken Kursschwankungen verhalten. Gegen Mittag trat der Kurs auf der Stelle.

Der deutsche Immobilienmarkt sei derzeit unter anderem aufgrund von steigenden Zinsen, weniger Nachfrage sowie höheren Energiekosten im Wandel, hieß es in einer Unternehmenspräsentation. Scout24 sei aber widerstandsfähig gegen konjunkturelle Unsicherheiten und sieht gar Produkte, um einen entsprechenden Bedarf am Markt zu decken.

Der Erlös stieg im Vorjahresvergleich um 14,4 Prozent auf knapp 110 Millionen Euro, wie das im MDax <DE0008467416> notierte Unternehmen am Dienstag in München und Berlin mitteilte. Damit bestätigte Scout24 in der Vorwoche vorgelegte Eckdaten.

Absolut gesehen macht Scout24 nach wie vor den Löwenanteil seines Umsatzes im Geschäftskundenbereich. Während hier unter anderem die Vermittlung von Verkaufsmandaten deutliches Umsatzwachstum erzielte, profitierte Scout24 im Privatkundenbereich vor allem vom Erlös mit sogenannten Plus-Produkten: Nutzern werden dabei Privilegien bei der Suche eingeräumt, sodass sie etwa vorrangig Kontakt mit dem Verkäufer oder Vermieter aufnehmen können.

Das Geschäft gilt als lukrativ und hatte zuletzt deutlich zugelegt. Allein im zweiten Quartal sprang der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) durch Mandate für Vermietungen oder Verkäufe von Privatpersonen um mehr als die Hälfte auf 15,4 Millionen Euro. Neben einem starken Wachstum im Werbegeschäft hätten sich vor allem Skaleneffekte bei Plus-Produkten bemerkbar gemacht, hieß es.

Goldman-Sachs-Analystin Lisa Yang kommentierte, dass das Privatkundensegment besser abgeschnitten habe als erwartet. Das Segment "Professional" hinke aber etwas hinterher, schrieb sie weiter. Dieses legte im selben Zeitraum um 3,6 Prozent auf 43,6 Millionen Euro zu. Allerdings nimmt der Vorstand in dem Segment weiter Geld für Wachstumsinvestitionen für die Tochter vermietet.de in die Hand. Seit Jahresbeginn unterteilt Scout24 seine Segmente in "Professional", "Private" und "Media and Other".

Insagesamt legte das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von April bis Juni - wie bereits bekannt - um 12,5 Prozent auf 62 Millionen Euro zu. Nach Steuern blieben 26,8 Millionen Euro, was einem Plus von mehr als einem Fünftel entspricht. Experte Adam Berlin von der Schweizer Großbank UBS attestierte Scout24 eine etwas höhere Profitabilität als erwartet.

Bereits in der Vorwoche hatte der Vorstand die Jahresprognose erhöht und erste Eckdaten vorgelegt. 2022 soll der Konzernumsatz nun um 13 bis 15 Prozent zulegen. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) dürfte um 10 bis 12 Prozent steigen. Zuvor hatte das Unternehmen bei den Erlösen das obere Ende eines Zuwachses von elf bis zwölf Prozent angepeilt und beim Wachstum des bereinigten Ebitda das obere Ende der Spanne von 6 bis 8 Prozent im Visier.

Dabei hofft der Vorstand, dass sich das zweite Halbjahr ähnlich entwickeln wird wie zuletzt. So sollen im operativen Geschäft weiter Skaleneffekte die Profitabilität erhöhen. Dies sei aber nur gegeben, sofern sich nichts an den gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändert.