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ROUNDUP: Gastwirte und Kaufleute nach einem Jahr Corona in Not

·Lesedauer: 2 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - Ein Jahr nach den ersten Schließungen von Geschäften, Restaurants, Kneipen und Hotels droht sich die gewohnte Auswahl für die Kunden zu verändern. Viele Betriebe sehen sich in großen Schwierigkeiten. Jedes vierte Unternehmen ziehe in Erwägung aufzugeben, teilte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) mit. Der Handel fürchtet die Schließung Tausender Geschäfte infolge der Corona-Krise.

Wie viele Inhaber möglicherweise faktisch schon aufgegeben haben, lässt sich demnach noch nicht beziffern, weil die Pflicht zum Insolvenzantrag für viele bis Ende April ausgesetzt ist. Im Gastgewerbe gab es im Jahr 2020 bis November 18 Prozent weniger Insolvenzverfahren als im Vorjahreszeitraum. Der Dehoga geht aber davon aus, dass die Schließungen verheerende Folgen haben werden.

Wegen der Corona-Ausbreitung musste der Einzelhandel am 18. März 2020 erstmals bundesweit schließen, Gaststätten am 21./22. März. "Verzweiflung und Existenzängste nehmen im Gastgewerbe dramatisch zu", sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges. Besonders die getränkegeprägten Betriebe seien betroffen, Clubs, Diskos, Kneipen und Bars. Hotels fehlen neben Urlaubern und anderen Geschäftsreisenden die Messe- und Kongressbesucher.

Wer weniger in den Urlaub fährt und weniger feiert, kauft sich auch seltener neue Kleidung. Das spürt der Handel. Während es im Online- und Lebensmittelhandel sehr gut läuft, bleiben die Schuh- und Bekleidungsgeschäfte der Innenstädte auf der Winterware sitzen. Dass seit Kurzem wenige Kunden mit Termin in die Läden können, hilft da wenig.

Zwar sind die Umsatzeinbußen nun geringer, wie der Handelsverband Mitte März mitgeteilt hatte. Sie liegen nach einer Umfrage unter 1000 Mitgliedern aber noch immer bei 25 bis 30 Prozent verglichen mit März 2020, als Corona ohnehin schon Spuren in den Bilanzen hinterlassen hatte. "Die zaghaften Öffnungsperspektiven bieten Händlern keinen Ausweg aus ihrer Existenznot. Sie sind ein Verlustgeschäft", betonte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Die Verbände beider Branchen erwarten von der nächsten Runde der Regierungsspitzen von Bund und Ländern die Aussicht auf eine Öffnung. "Die Politik muss weg von der Symbolpolitik der Ladenschließungen", forderte Stefan Genth, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands. Das Infektionsrisiko in Geschäften sei gering.

Kein Betrieb dürfe länger als gesundheitspolitisch geboten geschlossen bleiben, meinte Dehoga-Geschäftsführerin Hartges. Es müsse schneller gehen mit dem Impfen und Testen. "Der Endlos-Lockdown ist keine Lösung - nicht für die Unternehmer, nicht für die Beschäftigten." Zudem müssten die Hilfen für alle Unternehmen vollständig zur Auszahlung kommen und Förderungslücken geschlossen werden.