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ROUNDUP/Aktien Frankfurt Eröffnung: Corona-Sorgen schicken Aktien in den Keller

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt ist am Montag auf Talfahrt gegangen und hat damit seine bereits Ende letzter Woche erzielten Verluste deutlich ausgeweitet. Der Leitindex Dax <DE0008469008> büßte im frühen Handel 2,30 Prozent auf 12 814,19 Punkte ein und fiel damit auf das Niveau von Anfang September zurück. Für den MDax der mittelgroßen Börsenwerte <DE0008467416> ging es um 2,17 Prozent auf 26 916,72 Punkte nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> stand 2,1 Prozent tiefer.

Neue Sorgenfalten bezüglich der Beziehungen zwischen den USA und China und die Nachwirkungen der Enttäuschung über die US-Notenbank hatten am Freitag bereits die tonangebende Wall Street geschwächt. In den Technologiewerten setzte sich der Rückschlag mit neuen Nasdaq-Tiefs seit Ende Juli fort. Zudem wirft die nahende US-Präsidentschaftswahl ihre Schatten voraus.

Laut Marktanalyst Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader werden die steigenden Corona-Infektionszahlen in Europa nun zum nächsten Störfaktor für die bereits ins Stocken geratene Aktienrally. Damit trübe sich die Stimmung auf dem Börsenparkett zunehmend ein. Hierzulande erreichte die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen einen Höchststand seit knapp fünf Monaten.

Im Dax gab es am Montag fast nur Verlierer. So knickten die als sehr konjunkturanfällig geltenden Aktien des Triebwerksbauers MTU <DE000A0D9PT0> um rund fünf Prozent ein.

Am Index-Ende sackten die Papiere der Deutschen Bank <DE0005140008> um mehr als fünf Prozent ab. Auch europaweit verzeichnete der Sektor <EU0009658806> herbe Einbußen. Im Kampf gegen internationale Geldwäsche gibt es nach Recherchen des internationalen Journalisten-Netzwerks ICIJ nach wie vor erhebliche Defizite. Demnach offenbaren die am Sonntagabend bekannt gemachten Informationen aus einem Datenleck des US-Finanzministeriums, dass Banken aus aller Welt über Jahre hinweg Geschäfte mit hochriskanten Kunden abgewickelt und trotz strenger Regularien mutmaßliche Kriminelle als Kunden akzeptiert und für diese Überweisungen in Milliardenhöhe ausgeführt hätten. In dem Datenleck geht es nach Angaben des Recherche-Netzwerks auch um Fälle bei der Deutschen Bank.

Bei Deutschlands größtem Geldhaus hieß es am Sonntag auf Anfrage, das ICIJ habe über eine Reihe historischer Themen berichtet. Soweit sie die Deutsche Bank beträfen, seien diese den Aufsichtsbehörden bekannt. Die Themen seien untersucht, es habe Einigungen mit Behörden gegeben. "Wo nötig und angemessen, haben wir Konsequenzen gezogen. Die Bank hat massiv in die Verbesserung der Kontrollen investiert, und wir konzentrieren uns mit Nachdruck darauf, unseren Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen nachzukommen", sagte ein Sprecher.

Der Streit über die Kosten zur Nutzung des Mobilfunknetzes von Telefónica Deutschland (O2) <DE000A1J5RX9> durch den Konkurrenten 1&1 Drillisch <DE0005545503> ließ die Aktien von 1&1 Drillisch um mehr als ein Viertel einbrechen. Die Anteilscheine des Mutterkonzerns United Internet <DE0005089031> verzeichneten Verluste in ähnlicher Größenordnung. 1&1 und United Internet werfen der Tochter des spanischen Konzerns Telefónica <ES0178430E18> vor, die Kosten für die Nutzung des Mobilfunknetzes bereits ab Juli vor Abschluss der laufenden Verhandlungen erheblich erhöht zu haben. Telefóncia Deutschland weist den Vorwurf zurück und sieht die Preiserhöhung durch Verträge und Vereinbarungen gedeckt.

Da 1&1 und United Internet offenbar nicht mit der Preiserhöhung gerechnet haben, mussten beide Unternehmen am Samstag die Prognose für das operative Ergebnis im laufenden Jahr senken. Sie sehen zudem die Gefahr weiterer Gewinnrückgänge in den kommenden Jahren. Die Anteilsscheine von Telefónica Deutschland standen zuletzt mehr als zwei Prozent im Minus.