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ROUNDUP 2: Rufe nach leichteren Impf-Gelegenheiten - Delta dominiert

·Lesedauer: 4 Min.

(Das Stück wurde durchgehend aktualisiert)

BERLIN (dpa-AFX) - Angesichts leicht nachlassenden Tempos bei den Corona-Impfungen werden Rufe nach unkomplizierten Angeboten und extra Anreizen lauter, um noch möglichst viele Bürger zu erreichen. "Mit Blick auf Herbst und Winter zählt jetzt jede Impfung", betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag bei Twitter. Ärzte und Politiker brachten verschiedene Vorschläge ins Spiel, um Impfungen auch ohne großes Kümmern um Termine in Impfzentren und Arztpraxen zu bekommen - in Wohngebieten, Unis oder Einkaufszonen. Mehr Impfungen werden auch wegen der ansteckenderen Delta-Variante angestrebt, die nun auch in Deutschland die dominante Virusform ist.

Mit knapp einer Million Impfungen am Mittwoch sei das Tempo weiter hoch, "geht aber zurück", erläuterte Spahn. Vollständig mit der meist nötigen zweite Spritze geimpft sind nun mehr als 40 Prozent aller Einwohner - nämlich 33,9 Millionen Bürger oder 40,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mindestens eine erste Spritze haben laut Robert Koch-Institut (RKI) 47,8 Millionen Menschen oder 57,6 Prozent aller Einwohner. Unter den Bundesländern hat Bremen mit 66,5 Prozent den höchsten Anteil Erstgeimpfter. Nur Sachsen hat die 50-Prozent-Marke nicht erreicht (49,1). Das Saarland hat mit 45,6 Prozent den höchsten Anteil an voll Geimpften, Brandenburg liegt mit 37,0 Prozent am Ende.

Insgesamt ließ das Impftempo nach RKI-Angaben zuletzt etwas nach. So seien in der vergangenen Woche bis inklusive Sonntag durchschnittlich 710 100 Dosen pro Tag gespritzt worden, heißt es im Situationsbericht von Mittwochabend - nach 800 500 Dosen pro Tag in der Woche zuvor.

Vor diesem Hintergrund rücken zusätzliche Impf-Angebote in den Blick. "Da ist etwas mehr Kreativität bei den lokalen Behörden gefragt", sagte die Vorsitzende des Ärzteverbands Marburger Bund, Susanne Johna, der "Rheinischen Post" (Donnerstag). "Wir müssen Menschen auch direkt ansprechen und nicht warten, bis sie ins Impfzentrum oder zum Hausarzt kommen." Die SPD-Gesundheitsexpertin Sabine Dittmar sagte der "Welt", man müsse sich auch in Fußgängerzonen, Wohnsiedlungen und bei Veranstaltungen impfen lassen können.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans sprach sich für extra Anreize aus. "Man könnte an eine Verlosung denken, bei der unter den Impfbereiten beispielsweise ein Fahrrad, ein Fremdsprachenkurs oder ein anderer schöner Preis ausgegeben wird", sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Mobile Teams und Sonderaktionen seien gerade in sozialen Brennpunkten nötig. Die FDP-Fachpolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus forderte mehr niederschwellige Angebote, um Unentschlossene zu überzeugen. "Mobile Impfteams müssen auch zu Studenten auf den Campus und in Einkaufsstraßen."

Der Vize-Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, betonte: "Der beste Schutz - auch vor der Delta-Variante

- ist eine vollständige Impfung." Die zuerst in Indien aufgetretene

Variante breitet sich rasant weiter aus. Sie dominiere erstmals mit einem Anteil von 59 Prozent, hieß es am Mittwochabend in der jüngsten RKI-Auswertung für die Woche vom 21. Juni. Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Christine Falk, riet dringend weiter zu Maskentragen und anderen Corona-Regeln. "Wenn wir nichts tun, geht uns das Ding durch die Decke", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Man könne schon jetzt den Schluss ziehen, dass die Variante dazu beitrage, dass sich wieder mehr Menschen anstecken.

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner liegt laut RKI bundesweit nun bei 5,2 - nach 5,1 am Vortag und 5,1 vor einer Woche. Die Diskussion über Lockerungen bei Schutzvorgaben geht weiter. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen gilt ab diesem Freitag eine neue Verordnung, die weitgehende Öffnungen vorsieht. Erlaubt sind dann wieder Diskotheken, Sportveranstaltungen, Musikfestivals und Volksfeste. Die Stufe greift, sobald Kreise oder Städte an fünf Tagen hintereinander höchstens zehn Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen aufweisen.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach kritisierte dies als verfrüht: "Wir sind in einer Phase, in der die Fallzahlen wieder steigen und sich der Impffortschritt verlangsamt. Der Zeitpunkt der Lockerungen hat mich überrascht, ich hätte einen späteren Zeitpunkt besser gefunden", sagte er im Radioprogramm WDR 2. Kassenärzte-Chef Andreas Gassen sagte dagegen: "Das ist der richtige und kontrollierte Weg zurück zu mehr Normalität, die wir alle nötig brauchen." Die aktuellen Zahlen ließen diese Entwicklungen auch zu.

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