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ROUNDUP 2/RKI: Hoffen auf die Trendwende - aber Fallzahlen noch immer zu hoch

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BERLIN (dpa-AFX) - Mehr als zwei Wochen nach Beginn des Teil-Lockdowns in Deutschland haben sich die Corona-Infektionszahlen aus Sicht des Robert Koch-Instituts (RKI) auf hohem Niveau stabilisiert. "Sie steigen aktuell nicht weiter. Das ist eine gute Nachricht", sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin. "Wir wissen aber nicht, ob das schon eine Trendwende ist." Das bleibe abzuwarten. Die Lage sei weiterhin sehr ernst, betonte er. "Die Fallzahlen sind insgesamt sehr hoch. Viel zu hoch."

Am Donnerstag meldete das RKI rund 22 600 nachgewiesene neue Infektionen innerhalb eines Tages. 13 370 Menschen sind nach den Daten in Deutschland seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben, zuletzt wurden bundesweit 215 Todesfälle binnen eines Tages erfasst.

Welche Maßnahmen zur Eindämmung wie lange bestehen bleiben müssten, vermöge er nicht zu sagen, betonte Wieler. Die Entscheidung treffe die Politik auf Basis des Infektionsgeschehens. Seit Anfang November gilt in Deutschland ein Teil-Lockdown. Er soll nach bisheriger Planung bis Ende des Monats dauern. Am kommenden Montag wollen Bund und Länder erneut beraten.

"Wir dämmen dieses Virus gemeinsam ein. Wir sind der Damm. Und in diesem Monat ist unser Damm besonders hoch. Und er beginnt zu wirken", sagte Wieler dazu. Logisch sei aber, dass die Grundpfeiler des ganzen Konzepts wie Abstand halten, Hygiene, Maskentragen und Lüften noch über Monate bestehen bleiben müssten. "Wir sind noch lange nicht über den Berg."

Sowohl bei den Ansteckungen als auch auf den Intensivstationen sind aktuell immer mehr ältere Menschen betroffen. Die Zahl der schweren Verläufe und auch der Toten im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion steige mit der bekannten Zeitverzögerung weiter, ergänzte Ute Rexroth, Leiterin des RKI-Lagezentrums. In dieser Woche werde es bundesweit wahrscheinlich mehr als 1000 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 geben.

Bundesweit entwickelt sich das Infektionsgeschehen nach Analyse des RKI unterschiedlich. Während sich die Lage zum Beispiel in den anfangs stark betroffenen Bundesländern wie Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen konsolidiere, sei in Berlin und Thüringen anders als früher eine stärkere Dynamik zu beobachten, sagte Rexroth. Dort sei die Plateauphase noch nicht erreicht. Es gebe aber auch kein exponentielles Wachstum. "Wir müssen das beobachten." Die positive Entwicklung werde sich hoffentlich auch in aktuell stark belasteten Bundesländern fortsetzen.

Eine Entwarnung ist das alles nicht. Von schweren Verläufen seien nicht nur Menschen mit Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Diabetes betroffen, berichtete Rexroth. Auch bei mildem Krankheitsverlauf könne es ernsthafte Spätfolgen geben wie etwa eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Lunge. Auch nach monatelanger Reha haben selbst jüngere Patienten mitunter Mühe, wieder einen normalen Alltag zu leben und in ihren Beruf zurückzukehren.

Für das RKI gilt es, die Infektionszahlen auf ein Niveau zu bringen, mit dem das Gesundheitswesen umgehen kann. Dieses Level zu erreichen, werde dauern, sagte Wieler. Manche Kliniken in Deutschland kämen an ihre Grenzen. Nicht mehr alle Patienten könnten überall optimal versorgt werden. In Schulen sei es aber möglich, das Infektionsgeschehen zu managen - wenn RKI-Empfehlungen auch umgesetzt würden.

Die bisherigen Nachrichten zu Impfstoffen als "Waffe" gegen die Pandemie nannte Wieler extrem ermutigend. Es sei aber noch unklar, ob die Impfstoffe zugelassen würden. Falls ja, sei Deutschland deutlich besser in der Lage, die Pandemie zu kontrollieren als jetzt.

Auch dass einige von deutschen Behörden geprüfte Antigen-Schnelltests besser würden, sei gut. Nach wie vor müssten positive Schnelltests aber mit der PCR-Methode im Labor bestätigt werden. "Aber wenn die Qualität der Schnelltests weiter zunimmt, ist das vielleicht irgendwann nicht mehr der Fall", sagte Wieler.

Optimist bleibt der RKI-Chef auch in seiner Einschätzung, dass die Fallzahlen in der nächsten Woche zurückgehen. "Aber versprechen kann ich das nicht." Auch einen Jojo-Effekt nach Lockerungen muss es für ihn nicht geben. Das hänge vom Verhalten aller ab. "Es gibt aber nur wenige, die nach wie vor Corona leugnen."