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ROUNDUP 2: Proteste nach Schüssen auf Schwarzen bei Polizeieinsatz in USA

·Lesedauer: 3 Min.

(neu: weitere Details zu Protesten, Reaktionen James und Cabello)

KENOSHA (dpa-AFX) - Schüsse in den Rücken eines Schwarzen bei einem Polizeieinsatz im US-Bundesstaat Wisconsin haben Entsetzen und Protest ausgelöst. In der Nacht zum Dienstag gab es erneut Ausschreitungen und brennende Autos in der Stadt Kenosha, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Medienberichten zufolge standen auch einige Gebäude zeitweise in Flammen. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein.

Auf einem am Sonntag im Internet verbreiteten Video war zu sehen, wie der Mann zu seinem Auto geht, während ein Polizist ihm folgt und dabei auf den Rücken zielt. Als der Mann die Fahrertür öffnet und sich hinein beugt, fallen mehrere Schüsse. Der von der Familie des Mannes engagierte Anwalt sagte im Sender CNN, dass im Auto die Kinder des Mannes im Alter von drei, fünf und acht Jahren saßen.

Der Mann, der nach Angaben des Anwalts Jacob Blake heißt, lag am Montagabend (Ortszeit) weiter auf der Intensivstation.

Unklar blieb zunächst, was vor dem auf Video aufgezeichneten Geschehen passiert war. Die Polizei erklärte, die Beamten seien wegen eines "häuslichen Zwischenfalls" gerufen worden. Der Anwalt Ben Crump sagte, Blake habe einen Streit geschlichtet. Dann hätten die Polizisten ihre Waffen auf ihn gerichtet. Zunächst sei Blake von einer Elektroschockpistole getroffen worden. Als er im Auto nach seinen Kindern habe sehen wollen, sei ihm mehrfach in den Rücken geschossen worden. Auf dem Video sind sieben Schüsse zu hören.

Die beteiligten Beamten wurden nach Angaben des zuständigen Justizministeriums vom Montag beurlaubt. Die Ermittlungen laufen noch. Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden forderte eine sofortige, umfassende und transparente Aufklärung. Aus dem Weißen Haus hieß es, Justizminister William Barr habe den Fall im Blick.

Infolge des Polizeieinsatzes kam es in der Stadt Kenosha zu Protesten und Ausschreitungen. Fotos zeigten ausgebrannte Autos und Müllwagen. Auch einige Bauwerke in der Stadt mit rund 100 000 Einwohnern standen in der Nacht zum Dienstag zeitweise in Flammen. Darunter soll Medienberichten zufolge neben Geschäften auch ein Gebäude des Justizvollzugsministeriums des Bundesstaats gewesen sein. Mitglieder der Nationalgarde waren demnach auf den Straßen unterwegs, nachdem Wisconsins Gouverneur Tony Evers deren Einsatz erlaubt hatte, um örtliche Einsatzkräfte zu unterstützen. Für die Nacht von Montag auf Dienstag wurde eine Ausgangssperre verhängt. Tagsüber gab es unter anderem in New York Protestdemonstrationen mit Hunderten Teilnehmern.

Ende Mai hatte der Tod des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in der Stadt Minneapolis im Bundesstaat Minnesota landesweite Massenproteste gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Die Debatte spielt auch im US-Wahlkampf eine zentrale Rolle.

Biden erklärte dazu: "Das Land wacht wieder einmal mit Trauer und Empörung auf, dass ein weiterer schwarzer Amerikaner Opfer übermäßiger Gewalt geworden ist." Seine Vize-Kandidatin, Senatorin Kamala Harris, meinte auf Twitter: "Jacob Blake sollte gerade nicht um sein Leben kämpfen." Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, erklärte: "Wir sind es Jacob, seinen Kindern und allen schwarzen Amerikanern schuldig, der Rassenungerechtigkeit und der Polizeigewalt ein Ende zu setzen."

Auf Twitter machten einige Prominente ihrer Empörung Luft. "Und Ihr fragt euch alle, warum wir sagen, was wir über die Polizei sagen!! Kann mir bitte jemand sagen, was zum Teufel das ist????!!! Noch ein weiterer schwarzer Mann wird zur Zielscheibe", schrieb Basketball-Star LeBron James. Sängerin Camila Cabello forderte weitreichende Veränderungen und die Festnahme der Polizisten. "Wir fordern eine neue Welt", schrieb die 23-Jährige auf Twitter. "Wir brauchen ein Zeichen, dass diese Regierung genug Einfühlungsvermögen hat und sich genug um Menschlichkeit sorgt, um etwas dagegen zu unternehmen."

Das Justizministerium des Bundesstaats Wisconsin als leitende Ermittlungsbehörde kündigte an, binnen 30 Tagen einen Bericht vorlegen zu wollen.