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ROUNDUP 2: Mercedes wird vorsichtiger und kauft mehr Aktien zurück - Dax-Spitze

(neu: Aussagen Management, weitere Analystenstimmen, Kurs, Elektroambitionen bis 2030)

STUTTGART (dpa-AFX) - Der Autobauer Mercedes-Benz DE0007100000 geht wegen Belastungen in der Lieferkette und höheren Investitionen von weniger lukrativen Geschäften im neuen Jahr aus. Schon 2023 schlug die hohe Inflation trotz Entlastungen bei Rohstoffen zu Buche und sorgte für weniger Gewinn. Konzernchef Ola Källenius will die Investoren aber dank der guten Kassenlage mit einem neuen milliardenschweren Aktienrückkauf, der Aussicht auf weitere solche Programme und einer leicht höheren Dividende bei Laune halten. Die Aktie der Stuttgarter zog am Donnerstag deutlich an.

Das Papier hatte sich bereits seit November einigermaßen von der schwachen Entwicklung die Monate zuvor erholt. Am frühen Nachmittag legte es an der Dax DE0008469008-Spitze um 5,7 Prozent auf 71,96 Euro zu. Damit liegt die Aktie auf einem Hoch seit August. Kurstreiber sei der neue Aktienrückkauf, schrieb Analyst Daniel Schwarz von der Investmentbank Stifel.

Mercedes will künftig regulär nicht nur wie bisher rund 40 Prozent des Nettogewinns als Dividende ausschütten. Falls der in einem Jahr erzielte Finanzmittelzufluss (Free Cashflow) des Industriegeschäfts - also ohne die Finanzdienstleistungen gerechnet - darüber hinaus geht, sollen diese zusätzlichen Mittel regelmäßig in einen Aktienrückkauf gesteckt werden. Finanzchef Harald Wilhelm begründete das Programm mit der Absicht, den Gewinn je Aktie und die Dividende kontinuierlich steigern zu wollen.

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Die neue Leitlinie von Mercedes für Dividenden und Aktienrückkäufe sei kühn, stehe aber auch im Einklang mit dem Werben des Konzerns um luxusorientierte Anleger, schrieb Jefferies-Experte Philippe Houchois. Untermauert werde sie durch den stabilen Mittelzufluss, den Mercedes erwirtschafte. Die künftige Ausrichtung bei Aktienrückkäufen sei attraktiv, bewertete UBS-Fachmann Patrick Hummel die Ankündigung.

Bereits vergangenes Jahr hatte das Unternehmen einen Rückkauf über bis zu 4 Milliarden Euro beschlossen. Davon sind 2,1 Milliarden ausgegeben, bis zum dritten Quartal könnte das Programm abgeschlossen werden. Danach würde der neue Rückkauf starten.

Aktienrückkäufe sind zur Kurspflege beliebt: Über eine zusätzliche Nachfrage des Unternehmens werden Aktien eingezogen, was den Anteil der übrigen Aktien am zu verteilenden Gewinn rechnerisch erhöht. Das sorgt in aller Regel bei Ankündigung für ein Kursplus. Kritiker werfen Managern hingegen vor, dass sie offenbar keine rentable Verwendung für das erwirtschaftete Geld mehr finden. Zudem könnten Investitionen vernachlässigt werden, um die Kasse zu schonen und Rückkäufe finanzieren zu können.

Mercedes hatte in den vergangenen Jahren deutlich davon profitiert, dass Lieferengpässe die Produktion der gesamten Branche störten: Bei hoher Nachfrage trieb das die Preise von Neuwagen und Gebrauchten aus dem Leasing-Rücklauf nach oben. 2023 etwa lag der durchschnittliche Verkaufspreis je Auto in der Pkw-Sparte um 46 Prozent über demjenigen von 2019. Zudem griffen Kostensenkungen, die Konzernchef Källenius bei den Pkws eingeleitet hatte. Die Zahl der Mitarbeiterstellen (Vollzeitäquivalente) sank in der Zeit um 7 Prozent auf rund 129 900.

Mit der schwächeren Wirtschaftslage hatten Branchenkenner bereits erwartet, dass die Schwaben den sehr guten Lauf nicht aufrechterhalten können. In der wichtigsten Sparte mit dem Pkw-Bau rechnet Källenius dieses Jahr mit einer um Sondereffekte bereinigten Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von 10 bis 12 Prozent vom Umsatz bei einem Pkw-Absatz auf Vorjahresniveau. Die Stuttgarter hatten im vergangenen Jahr 12,6 Prozent operative Marge erzielt - das waren zwei Prozentpunkte weniger als 2022. Analysten hatten zuvor im Schnitt eine Marge von gut 11 Prozent für das neue Jahr auf dem Zettel.

Källenius will neben Belastungen aus höheren Löhnen und aus den derzeit markanten Problemen bei der Belieferung mit 48-Volt-Batterien dieses Jahr mehr Geld in Sachinvestitionen für die neue MMA-Plattform stecken. Das ist die Elektroauto-Architektur für Kompakt- und Mittelklasseautos, auf der allerdings auch noch Verbrenner gebaut werden können.

Weil der Konzern zudem die Produktplanung für die mittelgroßen und großen Elektroautos auf der Plattform MB.EA vorzieht, wird es nun 2025 noch nichts mit dem mittelfristigen Ziel, die Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Sachanlagen gegenüber 2019 um ein Fünftel zu senken. Das dürfte jetzt erst in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts gelingen.

Källenius hatte zuletzt die nach wie vor hohen Wachstumserwartungen für Elektroautos gedämpft. Nun fasste der Konzern auch seinen strategischen Ausblick dahingehend neu: So sollen elektrifizierte Autos in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts einen Anteil von bis zur Hälfte des Gesamtabsatzes erreichen. Bisher hatte Mercedes deutlich offensiver formuliert, bis 2030 für 100 Prozent Elektroautoanteil bereit sein zu wollen, wo immer die Nachfrage das hergebe. Mercedes bleibe aber bei den geplanten Investments in die E-Antriebe, stellte Finanzchef Wilhelm klar.

Auch in der zuletzt sehr erfolgreichen Lieferwagensparte rechnet der Konzern dieses Jahr mit weniger Profitabilität. Hier soll die operative Marge zwischen 12 und 14 Prozent landen nach 15,1 Prozent im sehr starken Vorjahr. Bei den Finanzdienstleistungen und Mobilitätsangeboten dürfte die bereinigte Eigenkapitalrendite ebenfalls etwas zurückgehen. Insgesamt geht Mercedes davon aus, dass sich der Umsatz im Konzern auf Vorjahresniveau bewegen wird, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern aber leicht sinkt.

Rund 91 000 Mercedes-Beschäftigte in Deutschland sollen auch in diesem Jahr eine Prämie bis zu 7300 Euro erhalten, unabhängig von der Entgeltstufe. Mit dem Entgelt im April sollen die Beschäftigten den Bonus erhalten.