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ROUNDUP: Überraschender Stimmungsdämpfer bei Europas Einkaufsmanagern

LONDON (dpa-AFX) - Die Unternehmensstimmung in der Eurozone hat sich im November überraschend eingetrübt. Wie das Institut Markit am Freitag in London mitteilte, fiel der von ihm erhobene Einkaufsmanagerindex im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Punkte auf 50,3 Zähler. Analysten wurden von der Entwicklung überrascht. Sie hatten im Mittel mit einem Anstieg auf 50,9 Zähler gerechnet.

Die Stimmung der Einkaufsmanager bleibt auf einem niedrigen Niveau. Im September war das Konjunkturbarometer auf 50,1 Punkte gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit etwa sechs Jahren. "In der Eurozone herrschte im November zum dritten Mal hintereinander Flaute", kommentierte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson die Daten.

Ausschlaggebend für den November-Dämpfer war ein Stimmungsrückgang im Bereich Dienstleistungen. Die Umfrageergebnisse hätten gezeigt, dass die tiefe Rezession in der Industrie "zunehmend auf den Servicesektor übergreift", sagte Chefvolkswirt Williamson.

Allerdings konnte sich der Stimmungsindikator für die Industrie der Eurozone verbessern. Er stieg von 45,9 Punkten im Oktober auf 46,6 Zähler im November. Der Indexwert liegt aber nach wie vor deutlich unter der Expansionsschwelle von 50 Punkten und deutet damit weiter auf ein Schrumpfen der Wirtschaftsaktivitäten hin.

Markit-Experte Williamson sprach von "zögerlichen Hinweisen" auf eine Belebung der Wirtschaftskraft in den Eurozone-Kernländern Frankreich und Deutschland. In Deutschland zeigte sich eine unerwartet starke Stimmungsverbesserung in der Industrie, wobei der entsprechende Indexwert aber nach wie vor deutlich unter der Expansionsschwelle liegt.

In Frankreich zeigte sich auch im Bereich Industrie eine unerwartet starke Stimmungsaufhellung. In den Firmen aus dem Dienstleistungssektor gab es hingegen keine Veränderung.

Volkswirte sprachen gemeinhin von Hinweisen auf Bodenbildung bei der Stimmung der Einkaufsmanager in den Industriebetrieben. "Die Stimmung in der Industrie ist nach wie vor nicht gut, bessert sich aber", kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank die Daten. Die schlechte Stimmung färbe sich aber bereits teilweise auf den Bereich Dienstleistungen ab.

Analyst Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg warnte vor zu viel Optimismus mit Blick auf die besseren Stimmungsdaten aus der Industrie: "Die Stolpersteine Brexit und Handelsstreit müssen unbedingt aus dem Weg, bevor es mit der Konjunktur nachhaltig nach oben geht."

Am Devisenmarkt reagierte der Euro zunächst mit Kursgewinnen auf die Stimmungsdaten aus Frankreich und Deutschland. Nachdem die Gemeinschaftswährung ein Tageshoch bei 1,1087 US-Dollar erreicht hatte, sorgten die enttäuschenden Indexwerte aus der gesamten Eurozone für Druck. Der Euro fiel auf ein Tagestief bei 1,1047 Dollar.

Die Daten im Überblick:

^Region/Index November Prognose Vormonat

EURORAUM

Gesamt 50,3 50,9 50,6

Verarb. Gew. 46,6 46,4 45,9

Dienste 51,5 52,4 52,2

DEUTSCHLAND

Verarb. Gew. 43,8 42,8 42,1

Dienste 51,3 52,0 51,6

FRANKREICH

Verarb. Gew. 51,6 50,9 50,7

Dienste 52,9 53,0 52,9°

(Angaben in Punkten)