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Robinhood wappnet sich mit Kapitalspritze im GameStop-Kampf

Annie Massa, Misyrlena Egkolfopoulou, Michelle Davis und Matthew Monks
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Im Kampf David gegen Goliath an der Wall Street hat sich Robinhood Markets mit einer Kapitalspritze von einer Milliarde Dollar (826 Millionen Euro) stärken müssen, um Forderungen der zentralen Abwicklungsstelle nach zusätzlichen Sicherheiten zu erfüllen.

Die Plattform der Wahl für die Legionen von Kleinaktionären, die sich in den letzten Wochen mit Hedgefonds-Riesen angelegt haben, konnte dank dieser Unterstützung durch die Eigentümer am Freitag wieder in den Ring steigen. Damit dürfte die nächste Runde in diesem beispiellosen Kampf um Aktien wie GameStop eingeläutet sein.

Am Donnerstag hatte die Forderung des Clearing-Zentrums nach massiven zusätzlichen Sicherheiten wie eine Bombe eingeschlagen. Robinhood, eine gebührenfreie Handels-App, und andere Anbieter sahen sich gezwungen, ihr eigenes Risiko zu begrenzen und zeitweise bestimmte Transaktionen zu verbieten - und zogen damit den Zorn ihrer Kunden und selbst von U.S.-Politikern zu. Über Nacht gelang es Robinhood jedoch, seine Eigentümer zu mobilisieren und darüber hinaus Kreditlinien in Höhe von Hunderten von Millionen Dollar zu ziehen.

“Schauen Sie, es ist für uns nicht verhandelbar, dass wir unsere finanziellen Anforderungen und die notwendigen Einlagen bei der Clearingstelle erfüllen”, sagte Robinhood-Chef Vlad Tenev in einem Interview mit Bloomberg TV. “Das müssen wir tun.”

Die Kapitalspritze sei “ein starkes Zeichen des Vertrauens von Investoren, das uns helfen wird, unseren Kunden weiterhin zu Diensten zu sein”, erklärte ein Robinhood-Sprecher später per E-Mail. Mit dem Geld könne das Unternehmen “weiterhin in Rekordwachstum investieren”.

Nach der Wiederzulassung des Handels einschlägiger Aktien durch Robinhood stieg Gamestop im vorbörslichen Handel prompt wieder um über 100% an. Am Donnerstag waren die Aktien, auch aufgrund der Handelsbeschränkungen, um 44% gefallen. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 928% gewonnen.

Robinhood, mit dem selbsterklärten Ziel “Finanzen für alle zu demokratisieren”, ist seit Wochen die Hauptplattform für die aktivistischen Kleinanleger, die einigen Hedgefonds-Riesen in einer Art populistischem Kreuzzug Milliardenverluste zugefügt haben - indem sie Aktien, auf deren Fallen diese Fonds gewettet hatten, in schwndelerregende Höhen trieben.

Mit den Handelsbeschränkungen machte sich Robinhood am Donnerstag wenig Freunde - außer vielleicht ein paar Hedgefonds. Selbst Intimfeinde aus der Politik wie die linke Galionsfigur im US-Kongress, Alexandria Ocasio-Cortez, und Republikaner-Rechtsaußen Ted Cruz fanden sich plötzlich in ihrer Kritik an der Plattform auf derselben Seite der Barrikade.

Im Zentrum der Auseinandersetzung fand sich eine jener wenig bekannten Institutionen, die im Hintergrund wirken und nicht zuletzt katastrophale Finanzcrashs verhindern sollen: die Depository Trust & Clearing Corp. Dort müssen Broker Sicherheiten hinterlegen, die sicherstellen sollen, dass die Transaktionen ein paar Tage später auch abgewickelt werden können. An volatilen Tagen können diese Sicherheiten plötzlich erheblich werden, so auch am Donnerstag, als Gamestop untertags von 483 Dollar auf bis zu 112 Dollar fiel.

Die DTCC hob ihre Forderung gegenüber der Gesamtheit aller Broker im Tagesverlauf auf 33,5 Milliarden Dollar an, gut ein Viertel mehr als zuvor, sagte ein Sprecher, der die Forderungen gegenüber einzelnen Häusern nicht spezifizieren wollte. Robinhood war wohl nicht der einzige Betroffene; andere Onlinebroker wie TD Ameritrade, Interactive Brokers Group Inc. und Morgan Stanleys E*Trade schränkten in den letzten Tagen ebenfalls den Handel mit Aktien wie GameStop und AMC Entertainment Holdings Inc. ein.

Einige Kunden werfen Robinhood Verrat und Einknicken vor der Finanzelite vor. Douglas Bray, ein Programmierer aus Connecticut, der Robinhood seit etwa fünf Jahren verwendet, plant, etwa 100.000 Dollar abzuziehen. “Ich bin enttäuscht, dass ich mein Geld nicht wie jeder institutionelle Investor in GME behalten konnte”, sagte der 32-Jährige Bray unter Verweis auf das Tickersymbol von GameStop. “Die Hedgefonds stehen kurz vor einem massiven Short-Squeeze und scheinen jetzt nach der gesamte Kavallerie zu rufen. Und die Broker tun so als würden sie die Kunden ‘schützen’, dabei wollen sie nur ihre institutionellen Unterstützer beruhigen. Die ganze Community ist empört.”

Überschrift des Artikels im Original:Robinhood Raises $1 Billion in Dash for Cash After Trader Revolt

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