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RKI-Chef Wieler über neue Virus-Varianten: Corona ist „insgesamt gefährlicher geworden“

Waschinski, Gregor
·Lesedauer: 2 Min.

Das Robert Koch-Institut sieht eine zunehmende Verbreitung von ansteckenderen Corona-Varianten. Für Behördenchef Wieler spricht das gegen vorschnelle Lockerungen.

Angesichts sinkender Infektionszahlen wächst der Druck auf Bund und Länder, bei ihren Beratungen am Mittwoch Vorschläge für eine Lockerung der Corona-Maßnahmen zu machen. Das Robert Koch-Institut (RKI) sieht allerdings noch keinen Grund zur Entwarnung: „Die Situation ist noch lange nicht unter Kontrolle“, sagte RKI-Chef Lothar Wieler.

Wieler verwies an diesem Freitag in einer Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, auf die Gefahr durch ansteckendere Virusmutationen. Diese würden das Infektionsgeschehen in Deutschland zwar noch nicht dominieren, ihre Bedeutung für die Neuinfektionen nehme aber offenbar zu.

Einem RKI-Bericht zufolge sei der Anteil der Corona-Varianten „nach den bisher vorliegenden Daten in den letzten Wochen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen“. Die Daten könnten zwar noch keine statistisch belastbare Aussage liefern, doch es könne auf eine stärkere Verbreitung der Variante B.1.1.7 geschlossen werden, die Ende des vergangenen Jahres zuerst in Großbritannien nachgewiesen wurde.

Wieler sagte, der Anteil der Variante B.1.1.7 an den Gesamtinfektionen in Deutschland liege nun bei knapp sechs Prozent. Diese Mutation sei inzwischen in 13 der 16 Bundesländer nachgewiesen.

„Wir dürfen jetzt nicht nachlässig werden, weil diese Varianten sich weiter ausbreiten“, sagte der RKI-Chef. Das Virus sei „insgesamt gefährlicher geworden“. Nicht abschließend geklärt ist, wie stark die Mutationen die Wirkung der verfügbaren Impfstoffe einschränken könnte. Es gebe „Hinweise, dass man mit der UK-Variante ganz gut fertigwerden kann, mit der Südafrika- und Brasilien-Variante schwerer“, sagte PEI-Chef Chichutek.

Sieben-Tage-Inzidenz unter 80

Auch Spahn warnte: „Wenn wir diesen Mutationen die Möglichkeit zur Ausbreitung geben würden, riskierten wir einen erneuten Anstieg der Infektionszahlen.“ Zugleich wies der Gesundheitsminister darauf hin, dass die Zahl der akuten Corona-Fälle erstmals seit drei Monaten unter die Marke von 200.000 Infizierten gesunken sei.

Nach Angaben des RKI liegt die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz im bundesweiten Schnitt mit 79,9 erstmals seit Oktober wieder unter 80. Dieser Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich binnen sieben Tagen nachweislich angesteckt haben. Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, die Sieben-Tages-Inzidenz unter 50 zu drücken.

„Wir sind auf dem Weg raus aus der Pandemie“, sagte Spahn. Bei Lockerungen müsse man aber weiter vorsichtig sein. Der Minister machte deutlich, dass man bei den Lockerungen zunächst Schulen und Kindergärten in den Blick nehmen werde.

Bislang ist der Lockdown bis Mitte Februar beschlossen. Über das weitere Vorgehen beraten in der nächsten Woche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder.