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Renten am Morgen: Risikoaversion spielt Kernländern in die Hände

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Bis zum Handelsschluss am Freitag haben die die Staatsanleihen aus dem Euroraum zusammen mit den Treasuries ihre Kursgewinne überwiegend eingebüßt. Letztlich schlossen sie kaum geändert zum Vortag. Als Ursache für die Bewegung bis zum Handelschluss war unter anderem der unerwartet deutliche Anstieg des Wertes der Schnellschätzung des Indikators der Uni Michigan auszumachen. Sowohl Lage- als auch Erwartungskomponenten legten zu.

Trotz ausbleibenden weiteren Konjunkturprogramms und anhaltend hoher Arbeitslosigkeit scheinen die Amerikaner optimistischer in die Zukunft zu blicken. Aufgrund der Bedeutung des privaten Verbrauchs für das US-Wachstum waren das gute Nachrichten, die ein wenig auf die Bondkurse drückten.

Eine leichte Underperformance gegenüber den Kernländern zeigten die Staatspapiere von der iberischen Halbinsel. Bei den spanischen Staatsanleihen dürfte das vor allem den Aktualisierungen der Bonitätseinschätzung des Landes durch Moody’s und S&P Global geschuldet gewesen sein.

Während Moody’s das Rating und den Ausblick für die spanische Bonität am Freitagabend nicht änderte und das Baa1 mit stabilem Ausblick beibehielt, versah S&P Global den Bonitätsausblick mit negativ. Das A-Rating wurde beibehalten. Die Analysten von S&P Global glauben zwar, dass der wirtschaftliche Druck auf Spanien die Chancen für den Beschluss eines Haushalts für 2021 im Herbst erhöht und dass ein Konsens für die wachstumsfördernden Maßnahmen aus dem nationalen Reformprogramm gefunden wird.

Gleichzeitig sehen sie jedoch auch das Risiko, dass der Haushalt nicht verabschiedet wird und sich die wirtschaftliche Schwäche in 2021 und 2022 fortsetzen wird. “Der negative Ausblick spiegelt unsere Ansicht wider, dass die politische Reaktion Spaniens auf die wachsenden wirtschaftlichen und fiskalischen Herausforderungen durch politische Fragmentierung und Reformmüdigkeit gefährdet ist”, führten die Analysten am Freitagabend aus.

Zu berücksichtigen ist bei der Einschätzung jedoch, dass S&P Global neben DBRS Morningstar das beste Rating für Spanien vergibt. Zugleich machten die Einlassungen von S&P Global deutlich, wie wichtig sowohl die Unterstützung durch die Anleihekäufe durch die EZB als auch der noch nicht beschlossene Aufbaufonds für das Land sind. Nichtsdestoweniger könnten die spanischen Staatsanleihen zu Handelsbeginn ihre Underperformance gegenüber ihren Peers fortsetzen, auch wenn der überwiegende Teil der Nachricht einer Senkung des Ausblicks auf negativ bereits verarbeitet sein sollte.

Die Ratings von Belgien, Portugal und der Europäischen Union wurden von den Bonitätswächtern inklusive Ausblick bestätigt.

Ab dem Nachmittag werden sich die Investoren dem Ergebnis der Regionalwahlen sowie dem Ausgang der Abstimmung über die Verkleinerung des Parlaments in Italien widmen. Um 15 Uhr schließen die Wahllokale, so dass wenig später mit den ersten Tendenzen gerechnet werden kann. Die Investoren blieben bisher sehr gelassen.

Es scheint sie zurzeit nicht zu schrecken, dass sich die Mehrheitsverhältnisse in den Regionen ändern könnten. Die Anleger gehen demnach von einem Bestand der Regierung in Rom aus, auch wenn sie bei den Regionalwahlen Niederlagen hinnehmen müssten. Die Regierung dürfte es sich kaum nehmen lassen, von den Mitteln aus dem Aufbaufonds zu profitieren.

Am Nachmittag berichtet die Europäische Zentralbank über die Anleiheankäufe in der Vorwoche. Aufgrund der anhaltenden Stabilität der Spreads und der weiterhin wenig volatilen Renditen dürften sich die Eingriffe der EZB erneut in Grenzen gehalten haben. Die Ankaufvolumina an öffentlichen Anleihen in beiden Programmen - PSPP und PEPP - werden nicht sonderlich hoch ausgefallen sein.

Die Financial Times berichtete, dass die EZB ihr PEPP überprüfe. Dabei soll es darum gehen, wie lange es laufen und ob die Flexibilität auf andere Programme übertragen werden soll. Eine offizielle Stellungnahme durch die EZB steht dazu noch aus. Gerade eine Ausdehnung der Flexibilität auf andere Anleiheankaufprogramme dürfte von den geldpolitischen Falken im EZB-Rat kritisch gesehen werden. Möglicherweise wird die EZB-Präsidentin, Christine Lagarde, dazu am Nachmittag etwas sagen.

Die Vorgaben aus dem asiatischen Handel sowie nachgebenden US- und europäischen Aktienfutures deuten auf einen Tagestart im Risk-off-Modus hin. Der Treasury-Future konnte im Vergleich zum Freitagsschluss ebenfalls leicht zulegen. Aufgrund von Feiertagen liegen heute und Dienstag keine Spot-Notierungen vor.

Der Tag mit Bloomberg: EZB-Programmprüfung, HSBC-Kurstief

Die Staatsanleihen aus den Kernländern dürften mit Kursgewinnen in den Tag starten. Die geplante Verschuldung des Bundes in 2021 von 96,2 Milliarden Euro dürfte erneut keine Rolle spielen. Bislang ist es den Euroländern ja mehr oder weniger problemlos gelungen, ihren Finanzbedarf auch Dank Mithilfe der EZB zu decken.

Bei der Peripherie dürfte zu Handelsbeginn die Vorsicht überwiegen. Die Kurse der Bonds von der iberischen Halbinsel sollte zumindest zu Handelsbeginn leicht nachgeben. Bei den italienischen Staatspapieren werden die Anleger ebenfalls vor dem Wahlausgang doch etwas Vorsicht walten lassen, was ebenfalls zu etwas schwächeren Notierungen führen dürfte.

Konjunkturdaten

Datenseitig sieht es am Montag so aus wie in der vergangenen Woche. Konjunkturdaten, die die Bondmärkte bewegen könnten, sucht man vergebens. Der Chicago Fed Indikator ist nämlich noch für den August, während inzwischen einige regionale Fed-Indikatoren bereits für den September veröffentlicht wurden. Die Relevanz für die Treasuries ist entsprechend gering.

Primärmarkt

Bereits am Montag wird es mit geplanten Emissionen am Kapitalmarkt gedrängt zugehen. Belgien, Litauen und die Slowakei werden emittieren.

Belgien wird drei Anleihen mit Laufzeiten Juni 2025, Juni 2031 und April 2033 um insgesamt bis zu 2 Milliarden Euro aufstocken. Die Konzentration auf das längere Ende der Zinskurve dürften trotz des überschaubaren Emissionsvolumen dazu führen, dass die belgischen Bonds bis zum Abschluss der Platzierung gegen OATs underperformen werden.

Litauen wird eine im Februar 2032 fällige Anleihe aufstocken. Das Volumen der Transaktion dürfte sich im niedrigen zweistelligen Millionenbereich bewegen. Darauf deuten jedenfalls der Umfang der Erstemission sowie der letzten Aufstockung hin. So ein Betrag wird sich problemlos bei den Anleger absetzen lassen.

Aus der Slowakei ist die Anhebung des umlaufenden Volumens von vier Anleihen mit Fälligkeiten Juni 2024, April 2030, Oktober 2030 und Oktober 2047 zu erwarten. Der Schwerpunkt liegt als auf langen Laufzeiten, was die Emission ebenso etwas erschweren dürfte, wie die negativen Renditen, die die Bonds abgesehen von der 2047-er Laufzeit aufweisen.

Alle Emissionen müssen ohne Fälligkeiten als unterstützenden Faktor auskommen.

Außerdem werden von Deutschland, Frankreich und den Niederlanden wieder Geldmarktpapiere angeboten. Die deutsche Finanzagentur wird bis zu 8 Milliarden Euro mit Restlaufzeiten von fünf und elf Monaten offerieren. Aus den Niederlanden sind bis zu vier Milliarden Euro mit Fälligkeiten in fünf und neun Monaten zu erwarten. Frankreich wird drei Laufzeiten von drei bis zwölf Monaten und einem Volumen von 5,9 Milliarden Euro anbieten.

Fällig werden lediglich französische Papiere mit einem Volumen von 10,2 Milliarden Euro. Das hohe Volumen an Rückzahlungen dürfte durchaus hilfreich für die anderen Platzierungen an Geldmarktpapieren sein.

Am Abend wird das Treasury T-Bills anbieten, die Laufzeiten von drei und sechs Monaten haben. Damit sollen 105 Milliarden Dollar erzielt werden, soviel wie in der Vorwoche.

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