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Renten am Morgen: Peripherie-Spreadeinengungen vor Fortsetzung

Dirk Gojny
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Am Freitag hat es nur sehr wenig Kursbewegung bei den Staatsanleihen aus dem Euroraum gegeben. Klare Favoriten ließen sich nicht ausmachen. Die Outperformance der italienischen Bonds gegenüber den Kernländern war gering. Die Rendite der 10-jährigen portugiesischen Staatsanleihen schaffte es erneut nicht, unter die Marke von null Prozent zu sinken.

In Anbetracht der anhaltenden Suche nach Rendite dürfte es weiterhin nur eine Frage der Zeit sein, wann diese Marke fällt und die Rendite für 10-jährige Papiere aus Portugal negativ wird.

Hinsichtlich der Veröffentlichung von aktualisierten Bonitätseinschätzungen gab es am Freitagabend keine Überraschungen. S&P Global bestätigte die Einschätzung von Irland mit AA- und einem stabilen Ausblick. Moody’s nahm keine Aktualisierung der Einstufung von Belgien vor.

Am Montagnachmittag wird die Europäische Zentralbank Daten zu den Bondankaufvolumina aus der abgelaufenen Berichtswoche veröffentlichten. Erneut bestand kein Anlass, besonders umfangreich in das Marktgeschehen einzugreifen, da sowohl Renditen als auch Spreads stabil waren. In der Vorwoche hatte die Ruhe an den Bondmärkte die EZB jedoch auch nicht davon abgehalten, in größerem Umfang aktiv zu werden.

Möglicherweise setzte sich das in der letzten Berichtswoche fort. Wegen dem Schwinden an Marktliquidität in den kommenden Wochen bis über Neujahr könnte die EZB ein paar vorgezogene Käufe getätigt haben. Außerdem dürften die jüngsten Fälligkeiten von Staatsanleihen aus dem Euroraum Spuren in den Daten hinterlassen haben.

Am Nachmittag trifft sich außerdem die Eurogruppe. Neben der Reform des ESM steht die Kenntnisnahme der Ergebnisse von zahlreichen Berichten auf der Agenda, die über ehemalige Programmländer erstellt worden sind. Zudem dürften die Mitglieder der Eurorgruppe auf Basis des Überwachungsberichts zu Griechenland entscheiden, ob weitere Schuldenerleichterungen gewährt werden. Sollte das der Fall sein, so dürfte das vom griechischen Bondmarkt positiv aufgenommen werden.

Die Vorgaben aus dem asiatischen Handel mit Kursverlusten der US-und europäischen Aktienfuture sowie wenig geänderten Renditen für Treasuries deuten auf einen gut behaupteten Wochenstart für die Kurse der Staatsanleihen aus den Kernländern des Euroraums hin.

Der Tag mit Bloomberg: Börsenfutures sinken nach November-Rally

Die Peripherie dürfte zumindest zu Handelsbeginn eine leichte Underperformance gegenüber den Kernländern in einem von Risk-off geprägten Umfeld aufweisen. Wegen der anhaltenden Suche nach Rendite dürften die Kurse der Peripheriebonds jedoch ebenfalls anziehen.

Unterstützung könnten die Peripheriebonds von einem Auftritt der EZB-Präsidentin Christine Lagarde am späten Vormittag erhalten. Sie dürfte die Gelegenheit vielleicht noch einmal nutzen, um die geldpolitische Lockerung vorzubereiten. Zudem könnte sie Wünschen nach Schuldenerlassen erneut eine Absage erteilen. Grundsätzliche dürfte die Peripherie im Hinblick auf eine geldpolitische Lockerung weiterhin gesucht sein, sofern die Investoren weiterhin von der Implementierung des Aufbaufonds ausgehen.

Konjunkturdaten

Erste Daten wurden mit den Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitenden und das Dienstleistungsgewerbe aus China am frühen Morgen bekanntgegeben. Beide Indikatoren weisen Werte über 50 Punkte auf. Die Zeichen stehen auf Expansion. Im Vergleich zum Vormonat legten beide Werte leicht zu, was auf eine ganz leichte Verstärkung der Aufschwungbewegung im November schließen lässt.

Im Euroraum werden weitere Schnellschätzungen für die Entwicklung der Konsumentenpreise im November veröffentlicht, so untere anderem aus Deutschland, Portugal, Spanien und Italien. Neue Erkenntnisse dürften sie nicht bringen. Der Preisauftrieb dürfte kaum positiv sein. Darauf deuten jedenfalls die Prognosen der Volkswirte hin.

Aufgrund der sehr expansiven Geldpolitik und sich längerfristig etwas aufhellenden wirtschaftlichen Perspektiven wegen der baldigen Verfügbarkeit von Impfstoffen legten die Inflationserwartungen für den Euroraum jüngst zu. Daher werden selbst sehr schwache Preisdaten den Kursen der Staatsanleihen aus dem Euroraum kaum weitere positive Impulse geben können.

Dem Chicagoer Einkaufsmanagerindex sowie dem Produktionsindikator der Dallas Fed jeweils für den November dürfte am meisten Aufmerksamkeit zu Teil werden. Verschlechterungen der Indexwerte werden erwartet. Treasury-Kurse sollten tendenziell gestützt sein.

Primärmarkt

Litauen eröffnet die Refinanzierungswoche am Kapitalmarkt mit der Emission einer neuen, bis Juni 2024 laufenden Anleihe. Aufgrund des zu erwartenden vergleichsweise geringen Emissionsvolumens werden die Investoren die Anleihen schnell aufnehmen.

Am Geldmarkt werden lediglich Deutschland und Frankreich aktiv. Die deutsche Finanzagentur wird Papiere mit einer Laufzeit von zwölf Monaten anbieten. Das geplante Emissionsvolumen liegt bei 2 Milliarden Euro. Aus Frankreich sind drei Kurzläufer zu erwarten. Sie haben Restlaufzeiten zwischen drei und elf Monaten. Das Emissionsvolumen liegt bei bis zu 7 Milliarden Euro.

Während die deutsche Platzierung ohne Unterstützung von Fälligkeiten auskommen muss, werden in der laufende Woche rund 6,5 Milliarden Euro an französischen Geldmarktpapieren zurückgezahlt. Das lässt zumindest reibungslose französische Platzierungen erwarten.

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