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Renten am Morgen: Lockdownsorgen versus Stimmungsaufhellung

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Letztlich haben sich die Kurse der Staatsanleihen aus dem Euroraum der Sogwirkung der Treasuries am Mittwoch nicht vollständig entziehen können. Die Hoffnung der Investoren auf ein kleines US-Konjunkturpaket sorgte für eine Zunahme der Risikofreude und schickte die Renditen der Treasuries gen Norden. Zusätzlich belastete die Aufstockung der 10-jährigen T-Notes, so dass sie kurzzeitig mit einer Rendite von 0,8% flirteten.

Aufgrund der zwischen den USA und dem Euroraum erwarteten Wachstumsdifferenzen zogen die Renditen der Kernlandbonds deutlich weniger an als ihre US-amerikanischen Pendants. Die Spreadausweitung zwischen 10-jährigen T-Notes und Bundesanleihen setzte sich fort.

Dabei bleibt es unwahrscheinlich, dass sich die Demokraten auf das vom US-Präsidenten ins Spiel gebrachte Mini-Konjunkturprogramm einlassen werden, obwohl die Mehrheitsführerin im Repräsentatntenhaus, Nancy Pelosi, Offenheit für einen Gesetzentwurf zur Entlastung von Fluggesellschaften signalisierte. Die Anleger sollten sich vielmehr darauf einstellen, dass die USA bis auf weiteres ohne umfangreiche zusätzliche fiskalische Unterstützung auskommen müssen.

Die Forderung der US-Notenbanker nach zusätzlichen fiskalischen Maßnahmen fand sich - wenig überraschend - auch im Protokoll über die letzte Tagung des FOMC wieder. Ob die Fed eine Lücke, die das Fehlen von zusätzlichem fiskalischen Stimulus auftun könnte, füllen wird, ist offen.

Zumindest deutet das Protokoll der letzten Tagung des FOMC darauf hin, dass es Diskussionen über die Zukunft der Anleihekäufe der Fed geben könnte. Weiteres dürfte auf der nächsten Tagung am 4. und 5. November diskutiert werden. Konkreter wurden die Notenbanker dazu jedoch nicht. Immerhin scheinen sich die Fed-Vertreter vorstellen zu können, das sie die Geldpolitik durch Änderungen bei den Anleihekäufen zusätzlich lockern.

Die Peripherie konnte am Mittwoch ihre Outperformance gegenüber den Kernländern behaupten, auch wenn die Renditen am langen Ende der Zinskurve leicht anzogen. Der Spread, den die Peripherie immer noch bietet, dürfte weiterhin verlockend bleiben, obwohl die Länder der Peripherie - insbesondere Italien und Spanien - weiterhin erheblich wirtschaftliche Probleme haben, die sich letztlich auch in der Verschuldungsentwicklung beider Länder bemerkbar machen.

Das hielt japanische Investoren jedoch nicht davon ab, im August wieder kräftig in italienische Staatsanleihen zu investieren. Der Beschluss der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, den Aufbaufonds ins Leben zu rufen, ließ augenscheinlich das Vertrauen in den Euroraum von japanischen Investoren steigen.

Die Bewegung der Renditen der Staatsanleihen dürfte am Donnerstag von dem Spannungsfeld eines positiven Risikosentiments, der aus Asien herüber schwappt und nahezu ungebremst steigenden Virusfallzahlen in Europa geprägt sein. Letzteres dürfte die Sorgen vor weiteren Einschränkungen im öffentlichen Leben und den daraus resultierenden Folgen für die wirtschaftlichen Perspektiven Europas schüren.

Im Fokus dürften dabei erneut Aussagen der zahlreichen Auftritte europäischen Notenbankvertreter stehen. Vermutlich werden sie Handlungsbereitschaft signalisieren, sofern sich die wirtschaftlichen Perspektiven erneut verschlechtern. Zudem dürfte die Mitschrift der letzten Tagung des EZB-Rats genau nach Hinweisen untersucht werden, als wie bedrohlich für die Preisentwicklung die Aufwertung des Euro gesehen wird.

Die Staatsanleihen aus den Kernländern dürften insgesamt mit leichten Kursgewinnen in den Tag starten. Die Outperformance der Peripherie sollten einen weiteren Tag anhalten.

Konjunkturdaten

Die Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum dürften ohne Bedeutung für die Bondmärkte sein. Die jüngsten Außenhandelsdaten aus Deutschland für den August dürften jedoch zeigen, dass die Dynamik des deutschen Exportmotors im Vergleich zum Vormonat etwas nachließ.

Am Nachmittig werden die wöchentlichen US-Arbeitsmarktdaten einmal mehr im Fokus stehen. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sollte sich zwar ebenso verringert haben wie die Zahl registrierter Arbeitsloser. Die Rückgänge sollen gemäß der Prognosen nicht sonderlich hoch ausfallen. Das Problem Arbeitsmarkt bleibt den USA erhalten. Die Treasury-Kurse dürften jedoch noch wenig auf die Daten reagieren.

Im Verlauf des Nachmittags und Abends werden sich mit Esther George, Eric Rosengren und Raphael Bostic (alle nicht stimmberechtigt) erneut zahlreiche US-Notebanker äußern. Mit dem Aussetzen der Verhandlungen über ein umfangreiches nächstes Konjunkturprogramm wird es von Interesse sein, ob sich die Notenbanker für weitere, die Wirtschaft stimulierende geldpolitische Maßnahmen wie beispielsweise an Einhebung der Anleiheankaufvolumina stark machen.

Ob jedoch noch niedrigere Kapitalmarktrenditen und Kreditrisikoaufschläge tatsächlich dazu beitragen werden, dass die Wirtschaft ihren Schwung behält oder an Schwung gewinnt, darf bezweifelt werden. Aufgrund der sehr niedrigen Renditen und Spreads sind die Anreize zu investieren, bereits sehr hoch.

Primärmarkt

Am Donnerstag stehen lediglich geplante Emissionen aus Irland auf der Agenda. Insgesamt will das irische Schatzamt bis zu 1,5 Milliarden Euro mit drei Aufstockungen von Anleihen mit Laufzeiten 2027, 2030 und 2035 erlösen. Obwohl auch Irland den Kapitalmarkt im Zuge der Wirtschaftskrise im laufenden Jahr umfangreicher in Anspruch nahm, haben Emissionen des Landes weiterhin eher Seltenheitscharakter.

Zusammen mit dem überschaubaren Emissionsvolumen dürfte die Platzierung ohne größere Zugeständnisse an die Investoren erfolgen. Einziger Wermutstropfen, der die Platzierung erschweren könnte, sind die Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien zu einem Handelsabkommen. Allerdings dürften sich die Anleger inzwischen darauf eingestellt haben, dass die Wahrscheinlichkeit für kein Abkommen hoch ist. Das Störfeuer von dieser Seite bei der Platzierung dürfte sich entsprechend in Grenzen halten.

Außerdem wird das italienische Schatzamt eine Austauschauktion vornehmen. Ein bis Juni 2021 Floater und drei Anleihen mit Laufzeiten bis August 2021, Mai 2023 und August 2023 können gegen die Anleihe mit Laufzeit 1. September 2033 eingetauscht werden. Das maximal akzeptierte Volumen beträgt 2 Milliarden Euro. Auf Diesem Weg will das italiensche Schatzamt die Laufzeit seiner Verbindlichkeiten etwas verlängern.

Nach der nur mit Zugeständnissen abgeschlossenen Aufstockung der aktuellen 10-jährigen T-Notes wird das Treasury am Abend eine noch deutlich schwierigere Auktion bevorstehen. Die Aufstockung des aktuellen 30-jährigen T-Bonds wird trotz des jüngsten Renditeanstiegs alles andere als einfach werden.

Im Vorfeld der Platzierung werden die Anleger vermutlich weitere Renditezugeständnisse fordern, was das lange Ende der US-Zinskurve unter Abgabedruck halten dürfte. Da inzwischen einige Anleger auf eine zunehmende Versteilung der US-Zinskurve vom langen Ende her setzen, da das kurze Ende über die Geldpolitik fest verankert ist, dürfte es einiger Zugeständnisse bedürfen, um die Bonds abzusetzen.

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