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Renten am Morgen: In Italien droht die nächste Regierungskrise

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: In Italien droht die nächste Regierungskrise

(Bloomberg) -- Bis zum Handelsschluss am Dienstag haben die Renditen der Staatsanleihen aus den meisten Euroländern doch noch eine klare Richtung gefunden: Es ging abwärts. Treasuries unterstützten die Bewegung, denn auch deren Renditen gingen zurück und rutschen bei zehnjähriger Laufzeit wieder unter 1,8%.

Der Renditerückgang ging einher mit Verlusten an den Aktienmärkten aufgrund der doch die Oberhand gewinnenden Sorge vor einer Ausbreitung der Virusinfektion aus China auf andere Regionen der Welt.

Portugiesische und spanische Staatspapiere hinkten der Entwicklung zwar etwas hinterher, doch auch bei ihnen überwog das Kaufinteresse - ganz im Gegensatz zu den Papieren aus Italien. Die BTPs mussten Renditeanstiege hinnehmen. Die Investoren dürften vor den Regionalwahlen am 26. Januar wieder etwas vorsichtiger geworden sein, da in Abhängigkeit des Wahlausgangs eine nächste Regierungskrise drohen könnte.

Allerdings dürften die Probleme in Rom bereits vor den Regionalwahlen wieder virulent werden, denn gemäß der Informationen mehrerer italienischer Medien steht der Vorsitzende der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, womöglich vor dem Rücktritt als Parteivorsitzender. Sollte es dazu kommen, wird das wieder Auswirkungen auf die Stabilität der Regierung in Rom haben.

Außerdem scheint die Auseinandersetzung innerhalb der Regierungskoalition über den künftigen Umgang mit der Vergabe und dem Entzug von Betriebslizenzen für Straßen, für dessen Benutzung eine Maut erhoben wird, nicht ausgeräumt zu sein. Die Partei von Matteo Renzi, die ebenfalls Bestandteil der Regierungskoalition in Rom ist, will sich zusammen mit Forza Italia dafür einsetzen, die neuen Regeln zu streichen.

Insgesamt sieht es danach aus, als ob Italien in die nächste Regierungskrise rutschen könnte. Trotz der Probleme innerhalb der Fünf-Sterne-Bewegung dürften ihr derzeit Neuwahlen kaum recht sein, denn nach den jüngsten Umfragen würde sich ihr Stimmanteil im Vergleich zur Parlamentswahl im März 2018 gut halbieren.

Nichtsdestoweniger dürften die aktuellen politischen Entwicklung die Investoren verunsichern, so dass die italienischen Staatsanleihen trotz ihrer hohen Carry erst einmal unter Abgabedruck geraten sollten. Davon profitieren könnten sowohl die Bonds von der iberischen Halbinsel als auch griechische Staatsanleihen, sofern die Investoren auch im Sub-Investment-Grade-Bereich investieren dürfen.

Die griechische Regierung bemüht sich derweil darum, ein weiteres ihrer Wahlversprechen umzusetzen. Es geht um die Reduzierung des Primärüberschusses. Bisher ist mit den Gläubigern vereinbart, dass das Land einen Primärüberschuss von 3,5% gemessen am Bruttoinlandsprodukt erzielen soll. Die griechische Regierung strebt eine Reduzierung auf 2 bis 2,5% ab dem Jahr 2021 an. Dadurch will sich das Athen etwas mehr fiskalischen Spielraum verschaffen, um die wirtschaftliche Aktivität anzukurbeln.

Ob die Gläubiger diesen Weg mitgehen werden, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Anleger scheint das Bestreben der griechischen Regierung bislang wenig zu beunruhigen, denn die Renditen für Staatsanleihen sind niedrig geblieben. Außerdem verfügte das Land per Ende September letzten Jahres über Cash-Reserven von 32 Milliarden Euro, die den Gang an den Kapitalmarkt für Refinanzierungen in den kommenden Jahren nicht notwendig machen.

Obwohl inzwischen ein erster Fall einer Infektion mit dem aus China stammenden Virus in den USA bekannt geworden ist, scheinen die Anleger jedenfalls am Mittwochmorgen nicht mehr allzu sehr beunruhigt zu sein, dass es zu einer Pandemie kommt. Die asiatischen Aktienmärkte lagen überwiegend leicht im Plus. Die US-Aktienfutures konnten den größten Teil ihrer Vortagsverluste aufholen. Die Renditen der Treasuries zogen über die gesamte Kurve leicht an.

Daher dürften die Staatsanleihen aus dem Euroraum mit Beginn des Handels einen Teil ihrer Kursgewinne vom Vortag wieder abgeben. Die Bonds von der iberischen Halbinsel sollten allerdings etwas weniger stark betroffen sein als Kern- und Semi-Kernlandanleihen.

Konjunkturdaten

Auch am Mittwoch ist der Wirtschaftsdatenkalender überschaubar bestückt. Die Höhepunkte aus dem Euroraum werden die französischen Stimmungsindikatoren für den Januar sein, die vom Statistikamt ermittelt werden, sowie Daten aus der italienischen Industrie vom November. Die französischen Daten dürften von den anhaltenden Streiks beeinflusst sein. Wirkung auf die Renditeentwicklung sind nicht zu erwarten.

Mit der Zahl verkaufter Bestandsimmobilien wird es eine neue Information über den Zustand des Immobilienmarktes geben. Bisher war die Nachfrage nach Immobilien konstant hoch. Die Zahlen der Baugenehmigungen und Baubeginne deuteten bereits darauf hin, dass sich der Bauboom wohl fortsetzen wird.

Die kräftige Nachfrage nach Immobilien deutet neben der ausgezeichneten Stimmung der Verbraucher auf einen weiterhin robusten privaten Konsum in den USA hin. Für die US-Notenbanker dürfte eine anhaltend robuste Verfassung des US-Immobilienmarktes ein weiteres Mosaiksteinchen sein, um ihre Geldpolitik aktuell abwartende beizubehalten.

Gemäß der impliziten Markterwartungen gehen die Investoren weiterhin davon aus, dass der nächste Zinsschritt der Fed eine Senkung sein wird. Die Wahrscheinlichkeit liegt dafür allerdings erst bei dem FOMC-Treffen im November über 50%.

Außerdem wird von der Chicago Fed der Wert für ihren Stimmungsindikator im Dezember veröffentlicht. Dieser soll laut Prognosen der von Bloomberg befragten Volkswirte etwas schwächer als im Vormonat ausgefallen sein. Mit dem Empire und dem Phily-Fed-Indikator wurden bereits zwei Stimmungsindizes für den Januar veröffentlicht, die besser als erwartet ausgefallen sind. Daher sollte dem Indikator der Chicagoer Fed nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu teil werden. Größere Marktbewegungen bei den Treasuries dürften die US-Daten nicht auslösen. Dazu müssten die Verkaufsdaten für Bestandsimmobilien schon sehr stark von den Prognosen abweichen.

Primärmarkt

Es sind keine Emissionen von einzelnen Euroländern für den Mittwoch geplant. Auch vom US-Treasury wird es keine Platzierungen von T-Bills oder Kapitalmarktpapieren geben. Allerdings wird die Aktivität am Donnerstag mit zahlreichen geplanten Emissionen aus Frankreich und Spanien zunehmen.

MEHR: Der Tag mit Bloomberg: China-Börsen erholen sich von Virus-Sorge

Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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