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Renten am Morgen: Inflationserwartungen lassen Stimmung kippen

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Mit der Lethargie an den Bondmärkten mit geringen Kursausschlägen ist es am Dienstag vorbei gewesen. Im Tagesverlauf gaben die Kurse der Staatsanleihen aus dem Euroraum und der Treasuries teils kräftig nach. Zugleich wurden die Zinskurven getrieben durch das lange Ende steiler.

Zum einen dürfte die anhaltende Aufhellung des Risikosentiments für die Renditeanstiege dies- und jenseits des Atlantiks verantwortlich sein. Zum anderen dürfte das Anziehen der Renditen eine Reaktion auf die seit einiger Zeit steigenden Inflationserwartungen und Break-even-Renditen sein.

Dementsprechend legte die Rendite der 10-jährigen Treasuries zeitweise mehr als zehn Basispunkte zu und schloss am Dienstagabend bei 0,92%. Das Bear Steepening ist gleichfalls ein Indikator dafür, dass Inflationserwartungen ein bedeutender Treiber für die gestrige Bewegung der Bondkurse waren.

Außerdem scheint wieder Bewegung in die Gespräche zwischen Demokraten und Republikanern zu einem weiteren Konjunkturpaket zu kommen. Ein Gruppe von Republikanern und Demokraten aus Senat und Repräsentantenhaus stellte ein eigenes Paket mit einem Volumen von 908 Milliarden Dollar vor. Zudem unterbreitete die Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, dem US-Finanzminister neue Vorschläge. Und der Mehrheitsführer im Senat versucht, herauszuarbeiten, wofür es bei den republikanischen Vertretern im Senat eine Mehrheit geben könnte.

Dass konkret über ein Programm zur Ankurbelung der Wirtschaft in den USA gesprochen wird, ist ein ermutigendes Signal - insbesondere der gemeinsame Vorstoß demokratischer und republikanischer Vertreter, auch wenn das geplante Volumen deutlich unterhalb der Überlegungen der demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus liegt. Nichtsdestoweniger sollten die Anleger nicht von einer zügigen Verständigung ausgehen. Gerade zum finanziellen Umfang der Hilfen dürfte es noch viel Skepsis bei den republikanischen Vertretern geben.

Die Auftritte von US-Notenbankpräsident Jerome Powell und Finanzminister Steven Mnuchin vor Vertretern des Repräsentantenhaus zum CARES Act führte zu keinen neuen Erkenntnisse. Der Notenbanker betonte die Risiken für die wirtschaftlichen Perspektiven der USA und verwies auf die Notwendigkeit anhaltender Unterstützung vor allem durch die Fiskalpolitik. Er machte erneut deutlich, dass er gegen die Beendigung einiger gemeinsamer Programme von Fed und Finanzministerium sei.

Im Hinblick auf die Geldpolitik ließ er sich jedoch erwartungsgemäß nicht in die Karten schauen. Ohne eine Eintrübung der wirtschaftlichen Aussichten dürfte die Fed eher abwartend agieren.

Powell und Mnuchin werden ihre Auftritte am Mittwoch vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses wiederholen. Zusätzliche Erkenntnisse sind nicht zu erwarten, so dass es keine Impulse für die Treasury-Kurse geben wird.

Der jüngste Anstieg der Renditen der Staatsanleihen im Euroraum und insbesondere der Peripherie könnte bereits die ersten Schnäppchenjäger auf den Plan rufen. Allerdings bleibt das Risiko einer Verschiebung der Implementierung des Aufbaufonds. Das Treffen des Europäischen Rats rückt näher, ohne dass sich bisher eine Einigung abzeichnet. Die Europäische Zentralbank wird jedoch versuchen, ein zu starkes Anziehen von Renditen und Spreads zu vermeiden.

Mit dem lettischen Notenbankvertreter Martins Kazaks wurde ein Zentralbanker im Hinblick auf eine Anhebung des PEPP-Volumens sowie der Laufzeitverlängerung des Programms sehr konkret: Aus seiner Sicht sei eine Anhebung um 500 Milliarden Euro angemessen. Eine Verlängerung bis Mitte 2022 würde er ebenso unterstützen wie eine Verlängerung der Laufzeit der TLTROs auf fünf Jahre sowie eine Überarbeitung der Sicherheitenrichtlinie.

Die Ausweitung der Anleiheankaufvolumina durch die EZB dürfte als nächste geldpolitische Lockerungsmaßnahme ebenso außer Frage stehen wie eine Anpassung der TLTROs. Damit bleibt ein starker Nachfrager nach Staatsanleihen bis auf weiteres im Bondmarkt aktiv.

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Die Staatsanleihen aus dem Euroraum dürften mit leichten Verlusten geändert in den Handelstag starten. Bei der Rendite der 10-jährigen Bunds gerät die -0,5% zumindest kurzzeitig ins Visier. Mit der Gewissheit der Fortsetzung der Anleihekäufe im Rücken könnten die Kurse der Peripheriebonds nach einem ebenfalls verhaltenen Handelsstart durchaus wieder zulegen.

Konjunkturdaten

Die Bedeutung der Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum für die Entwicklung der Bondkurse ist überschaubar. Die deutschen Einzelhandelsumsätze hatten keinen Einfluss auf die Bondrenditen. Gleiches wird für die nachlaufenden Arbeitsmarktindikatoren unter anderem aus Belgien, Italien, Spanien und dem Euroraum gelten.

Wenn eine neue Wirtschaftsinformation überhaupt Einfluss nehmen kann, dürfte es der ADP-Bericht sein. Gemäß den Prognosen sollen am US-Arbeitsmarkt im November etwas mehr Stellen geschaffen worden sein als noch im Vormonat. Der Aufbau vollzieht sich jedoch schleppend. Es ist mit Blick auf die Zahl der Erstanträge sowie der registrierten Arbeitslosen durchaus möglich, dass die Arbeitsmarktdaten zu einer Enttäuschung werden, was den Anstieg der Treasury-Renditen dämpfen dürfte.

Am Abend wird die US-Notenbank das Beige Book veröffentlichen. Anleger dürften insbesondere an neuen Erkenntnissen über den Arbeitsmarkt und den privaten Verbrauch interessiert sein. Dazu werden Informationen aus dem verarbeitenden Gewerbe zu beachten sein. In den letzten Monaten lief es dort gemäß den Indikatoren der Niederlassungen der Fed sowie den Einkaufsmanagerindizes gar nicht so schlecht.

Sofern sich eine Verschlechterung der ökonomischen Perspektiven abzeichnet, könnte sich die Fed doch genötigt sehen, die Geldpolitik nach Ende ihrer letzten FOMC-Tagung am 16. Dezember zu lockern. Da die Notenbanker negative Fed Funds-Sätze bislang ausgeschlossen haben, wäre das Mittel ihrer Wahl wohl die Ausdehnung der Anleihekäufe. Sollte das Beige Book solche Erwartungen tatsächlich schüren können, dürfte das die Treasury-Kurse am langen Ende der Zinskurve steigen lassen.

Primärmarkt

Am Mittwoch wird die deutsche Finanzagentur zum vorletzten mal im laufenden Jahr am Kapitalmarkt vorstellig. Den Investoren wird die Aufstockung der aktuellen Bundesobligation um 2 Milliarden Euro angeboten. Die Anhebung des Volumens fällt vergleichsweise gering aus, so dass es auch ohne Fälligkeiten und trotz der tiefen negativen Rendite sowie der Verschlechterung des Sentiments für Staatsanleihen keiner größeren Zugeständnisse bedürfen wird, um das Material zu platzieren.

Das portugiesische Schatzamt plant die Verlängerung der Laufzeiten von bestehenden Emissionen im Zuge eines Austauschangebots. Angekauft werden bis April und Oktober 2021 laufende Anleihen. Im Gegenzug erhält der Investor Anleihen mit Laufzeiten Oktober 2028 und Juni 2029. Der Umfang der Transaktion wurde nicht angegeben.

Am Geldmarkt wird das griechische Schatzamt mit der Platzierung eines sechs Monate laufenden Geldmarktpapiers vorstellig. Es sollen mindestens 625 Millionen Euro platziert werden. Bei Fälligkeiten von 1,6 Milliarden Euro im Wochenverlauf dürfte das Volumen an Neuemissionen etwas höher ausfallen und die Platzierung zugleich reibungslos verlaufen.

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