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Renten am Morgen: Hoffnung auf Entspannung im Handelskonflikt

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Hoffnung auf Entspannung im Handelskonflikt

(Bloomberg) -- Einzig die Staatsanleihen aus Portugal haben sich dem Trend zu steigenden Renditen am Montag entziehen können. Die Aussicht nach den portugiesischen Parlamentswahlen auf eine Fortsetzung der in den vergangenen Jahren erfolgreichen Wirtschafts- und Fiskalpolitik reichte aus, um den portugiesischen Bonds eine Outperformance gegen die übrigen Bonds aus den Euroländern zu bescheren.

Aufgrund der zugunsten der Sozialisten verschobenen Machtverhältnisse hat der alte und neue portugiesische Ministerpräsident künftig ein paar weitere Regierungsoptionen und ist nunmehr nur noch auf die Unterstützung einer Partei angewiesen. Das ist vielleicht auch notwendig, denn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen könnten sich mit Blick auf die Entwicklungen im Euroraum und der Europäischen Union verschlechtern.

Trotz des hohen Vertrauens der Investoren in das Land sowie dem positiven Ratingtrend ist die nach Griechenland und Italien dritthöchste Verschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt von Ländern des Euroraums eine Achillesverse. Ein deutliche Wachstumsabschwächung oder - wenn zurzeit auch unwahrscheinlich - erheblich steigende Zinsen könnten das Land über die Verschuldung erneut unter Druck bringen. Die ab dem 1. November beginnenden Nettoanleihekäufe durch das System Europäischer Zentralbanken werden bis auf weiteres dazu beitragen, adversen Entwicklungen nicht nur in Portugal entgegen zu wirken.

Außerdem gerät der 15. Oktober als Stichtag für die Übermittlung der Haushaltspläne an die Europäische Kommission für das kommende Jahr verstärkt in den Fokus, auch wenn es im Vergleich zum vergangenen Jahr dank des Regierungswechsels in Rom deutlich ruhiger zugeht. Die italienische Regierung scheint dabei immer noch auf der Suche nach Lösungen für die Schließung der Deckungslücke im Haushalt zu sein, die die automatische Anhebung der Mehrwertsteuer verhindern.

Am Montag hatte die amtierende spanische Wirtschaftsministerin, Nadia Calvino, gesagt, dass es im Zuge der Vorlage der Haushaltsplanungen bei der EU-Kommission Wachstumskürzungen geben könne. Dies dürfte ein Hinweis sein, dass es schwierig werden wird, fiskalische Ziele einzuhalten.

Die Hoffnung auf Fortschritte bei den Handelsgesprächen sowie der freundliche Start der chinesischen Aktienmärkte nach den Feiertagen lasten auf den Bondmärkten. Die Renditen der US-Treasuries stiegen bereits im US-Handel an und setzten diesen Anstieg in Asien fort. Dabei gab es gerade in Sachen Handelskonflikt wenig Neues. Die chinesische Seite bestätigte, dass tatsächlich Spitzenvertreter der Regierung die Gespräche am 10. und 11. Oktober führen würden. Vorher hatte der US-Präsident noch einmal wiederholt, dass ein Teildeal nicht das ist, was er anstrebe. Vielleicht sind es aber genau diese geringen Erwartungen, die man an die Ergebnisse der Gespräche haben sollte, die letztlich für eine positive Überraschung sorgen können.

Die positive Stimmung aus dem asiatischen Handel dürfte den Staatsanleihen aus den Kernländern am Dienstagmorgen Kursverluste bescheren. Daran ändern die schwachen Konjunkturdaten aus Deutschland, die die Rezessionssorgen zusätzlich anheizen, erst einmal nichts. Zudem dürften die zahlreichen Emissionen am langen Ende der Zinskurven für Zurückhaltung bei den Anlegern sorgen.

Ob die Aussagen der US-Notenbanker Charles Evans, Jerome Powell (beide stimmberechtigt) sowie Neel Kashkari (nicht stimmberechtigt) tatsächlich neue Hinweise zur künftigen Geldpolitik der Fed geben werden, ist zu bezweifeln. Gerade Powell hielt sich zuletzt sehr zurück. Er hält sich eher alle Optionen offen.

Konjunkturdaten

Am frühen Morgen wurde ein wenig überzeugender Caixin Einkaufsmanagerindex für das Dienstleistungsgewerbe aus China für den September bekannt gegeben. Mit 51,3 Punkten liegt er nur noch leicht über der Grenze von 50 Punkten, die Expansion der wirtschaftlichen Aktivität bedeutet. Nach den Feiertagen dürfte die Besorgnis eines Übergreifens der Schwäche im verarbeitenden auf den Dienstleistungssektor in China zunehmen.

Ähnlich wie die schwachen Auftragseingangsdaten sah es bei der deutschen Industrieproduktion im August aus. Im Jahresvergleich fiel sie wieder um 4%, was trotz des kleinen Monatsplus im Vergleich zum Juli und dem etwas geringeren Rückgang im Juli kein Zeichen für Enspannung ist.

“Stimmungsindikatoren nehmen jegliche Hoffnung auf eine Trendwende. Die Industrierezession wird sich fortsetzen. Die große Frage bleibt, ob der Dienstleistungssektor dem gegenüber eine gewisse Resistenz behalten kann. Die Schwelle zu einer echten Rezession sinkt beständig,” schrieb Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhaus Lampe am Montag. Auch wenn die jüngsten schwachen Wirtschaftsdaten nicht ausreichten, um die Renditen deutlich nach unten zu schieben, stützen sie das Niedrigzinsumfeld.

Außerdem werden die Industrieproduktionsdaten aus Spanien sowie die Einzelhandelsumsätze aus Italien für den August zu beachten sein.

Neben dem Indikator, der die Stimmung bei den Kleinunternehmern misst, werden die Erzeugerpreise aus den USA auf Zeichen untersucht werden, ob sich die Importzölle über die Erzeugerpreise bemerkbar machen. Bisher war das nicht der Fall. Die von den Volkswirten prognostizierten Jahresraten geben außerdem keinen Anlass für geldpolitischen Aktionismus, werden sie doch um 2% erwartet.

Primärmarkt

Der Auftakt von Euroländern am Primärmarkt wird am Dienstag von der Aufstockung der bis Januar 2047 laufenden niederländischen Staatsanleihe mit einem Volumen von bis zu 2 Mrd. Euro gemacht. Österreich wird zwei Aufstockungen vornehmen, die zusammen bis zu 1,035 Mrd. Euro in die Kasse spülen sollen. Die Bundesfinanzagentur wird mit den bis Februar 2029 und 2047 laufenden Bonds ebenfalls an das lange Ende der Kurve gehen. Außerdem wird die Finanzagentur das umlaufende Volumen des bis 2030 laufenden Linker um bis zu 500 Mio. Euro erhöhen.

Der Schwerpunkt der Emissionsaktivität im Euro-Bereich liegt also auf dem langen Ende der Kurve. In Anbetracht der negativen Renditen für die 10-jährigen Papiere aus den Niederlanden und Österreich dürften Anleger trotz der überschaubaren Platzierungsvolumina im Vorfeld der Emissionen Renditezugeständnisse fordern. Die längeren Laufzeiten beider Länder dürften zumindest bis zum Abschluss der Emissionen tendenziell gegen ihre Peers underperformen. Etwas Unterstützung dürften die Transaktionen durch die am Freitag fällig werdende Bundesobligation mit einem Volumen von 16 Mrd. Euro erfahren.

Griechenland wird die günstigen Marktbedingungen für die Aufstockung der aktuellen 10-jährigen Benchmark nutzen. Das Konsortium wurde am Montagnachmittag benannt, so dass die Aufnahmebereitschaft der Anleger in Bälde getestet werden dürfte. Als Reaktion auf die Aufstockungsnachricht legten die Renditen der griechischen Staatsanleihen erst einmal kräftig zu.

Die griechische Regierung geht davon aus, ihre Zusagen hinsichtlich Haushaltsplanungen und insbesondere der Erzielung eines Primärüberschusses in Höhe von 3,5% des Bruttoinlandsprodukts im kommenden Jahr trotz Steuererleichterungen einhalten zu können. Die Diskussionen mit den Gläubigern halten dazu noch an. Allerdings geht die griechische Regierung bei ihren Planungen von einem Wirtschaftswachstum von 2,8% in 2020 aus, was weit mehr ist als bislang von anderen Institutionen prognostiziert wird. Mit entsprechenden Renditezugeständnissen bei der Platzierung der Aufstockung dürfte das die Investoren nicht davon abhalten, das neue Material nachzufragen.

Außerdem steht fest, dass Italien den Dollar-Markt sehr bald anzapfen wird. Das Platzierungskonsortium wurde am Montag benannt, so dass die bis zu 3 Mrd. Dollar in verschiedenen Tranchen demnächst in die Vermarktung gehen dürften.

Daneben stehen zahlreiche Geldmarkttransaktionen an. Belgien geht mit bis Mitte Januar und Mitte September 2020 laufenden Papieren auf die Investoren zu. Das spanische Tesoro wird den Anlegern bis zu 5 Mrd. Euro an 6- und 12-Monatsschätzen anbieten. Slowenien wird den Geldmarkt mit 18 Monate laufenden Papieren anzapfen. Der spanischen Emission stehen am Freitag Geldmarktfälligkeiten von rund 6 Mrd. Euro gegenüber, der slowenischen am Donnerstag 180 Mio. Euro. Dementsprechend wird es ausreichend Nachfrage nach den Geldmarktpapieren geben.

Am Abend eröffnet das US-Schatzamt die Emissionstätigkeit am Kapitalmarkt. Für 38 Mrd. Dollar an einer neuen 3-jährigen T-Note werden Investoren gesucht. Mit den anhaltenden Spekulationen über weitere Leitzinssenkungen durch die US-Notenbank sollte die Emission auf ordentliche Nachfrage treffen. Dämpfend dürfte sich jedoch die Inversion der Kurve zwischen fünf und zwei Jahren auswirken. Bis zum Abschluss der Auktion dürfte das kurze Ende der US-Kurve etwas Underperformance zeigen. Außerdem geht das Treasury mit 28 Mrd. Dollar an 52-Wochenpapieren auf die Anleger zu. Dem stehen trotz weiterer T-Bill-Auktionen im Verlauf der Woche umfangreiche Fälligkeiten gegenüber.

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