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Elektro-Prämie boomt vorerst weiter

·Lesedauer: 4 Min.

Eschborn (dpa) - Mit der Rekordsumme von 3,1 Milliarden Euro hat der deutsche Staat im vergangenen Jahr die Anschaffung von Elektro-Autos direkt gefördert.

Beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gingen Förderanträge für 625.260 Fahrzeuge ein, wie die Behörde am Donnerstag in Eschborn berichtete. Das waren mehr als doppelt so viele wie im bisherigen Rekordjahr 2020, in dem gut 255.000 Autos für die Prämie angemeldet wurden.

Die neue Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen will die E-Förderung neu ausrichten und stärker an den tatsächlichen Klimaschutz-Effekten ausrichten. Das zielt vor allem auf die sogenannten Plug-in-Hybride: Verbrenner mit Stromsteckern, die zwar mit Hilfe ihres zweiten Motors Teilstrecken elektrisch fahren können, aber nicht zwangsläufig müssen. Insbesondere die Steuerprivilegien für Dienstwagen könnten viele Besitzer zur Anschaffung bewegt haben, ohne dass sie je ihre Batterien aufladen. Die Koalition hat sich für eine Neuregelung Zeit genommen bis 2023 und bis dahin die bisherige Förderung unverändert gelassen - eine Schonfrist für die vor allem bei deutschen Herstellern verbreiteten Hybrid-Modelle.

Run auf die Fördertöpfe

Bei den Anträgen im Jahr 2021 stellten laut Bafa die reinen Batterie-Stromer mit knapp 335.000 Fahrzeugen den etwas größeren Anteil vor 291.000 Plug-in-Hybriden. Die 48 Autos mit Brennstoffzelle spielten hingegen keine Rolle. Bereits am 15. Dezember ging der Antrag für das einmillionste Elektro-Fahrzeug seit Beginn der Förderung im Jahr 2016 ein. Eine Privatperson aus Baden-Württemberg hatte sich ein Batterieauto eines deutschen Herstellers zugelegt, wie die Behörde berichtete.

Ein Run auf die Fördertöpfe hatte Mitte 2020 begonnen, als die bis dahin gültige Kaufprämie durch eine «Innovationsprämie» aufgestockt wurde. Der Bund verdoppelte damit seine Förderung, während der Preisnachlass der Hersteller unverändert blieb. Käufer und Käuferinnen von rein elektrisch betriebenen Elektrofahrzeugen bekommen seitdem eine Förderung von bis zu 9000 Euro. Bei Plug-in-Hybriden gibt es bis zu 6750 Euro. Dabei sind allerdings Preisobergrenzen zu beachten. Die volle Förderung gibt es bis zu einem Nettopreis von 40.000 Euro und oberhalb von 65.000 Euro gibt es gar keinen Staatszuschuss mehr.

«Plug-in-Hybride sind in vielen Fällen eine Mogelpackung», kritisiert beispielsweise der alternative Verkehrsclub VCD. Der Kauf eines solchen Autos ergebe nur Sinn, wenn es auch im Verbrennermodus wenig Treibstoff verbrauche und überwiegend elektrisch gefahren werde. Künftig soll die Subvention an eine höhere rein elektrische Mindestreichweite von 80 Kilometern und an die tatsächliche Fahrleistung des E-Motors geknüpft werden, haben die Koalitionäre bereits durchblicken lassen.

Ziel der Ampel-Koalition sind mindestens 15 Millionen vollelektrische Pkw bis 2030. Anfang 2021 gab es laut Kraftfahrt-Bundesamt 309.000 reine E-Autos, dazu 280.000 Plug-in-Hybride. Mit mehr als 680 000 Neuzulassungen im Laufe des Jahres ist auf den Straßen die Millionengrenze bei den E-Autos längst überschritten.

Flächendeckender Ausbau der Ladestationen verlangt

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wirbt für eine weitere Förderung auch der Plug-in-Hybride. Man brauche sie schon mit Blick auf die längst noch nicht flächendeckend ausgebaute Ladeinfrastruktur, erklärte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Deren Ausbau sei jetzt entscheidend. «Aktuell werden etwa 300 Ladepunkte pro Woche installiert - um das Ziel von einer Million bis 2030 zu erreichen sind rund 2000 Ladepunkte die Woche notwendig. Im Klartext: Eine Versiebenfachung des Tempos», sagte Müller in Berlin.

Der Importeursverband VDIK warnte davor, den Umweltbonus zu schnell abzuschmelzen. Er sei weiterhin für den Erfolg der Elektromobilität in Deutschland sehr wichtig, meinte VDIK-Chef Reinhard Zirpel, der zudem auf eine Entbürokratisierung des Verfahrens hofft. Die Bundesregierung solle zudem erwägen, den Bonus über das Jahr 2025 hinaus zu zahlen.

Einen kleinen Vorgeschmack auf schärfere Umweltanforderungen für E-Autos gibt es bereits zu Beginn dieses Jahres. Noch die Vorgängerregierung hatte beschlossen, ab 2022 für Hybride eine elektrische Mindestreichweite von 60 Kilometern (statt bislang 40) sowie einen CO2-Ausstoß von höchstens 50 Gramm pro Kilometer zu verlangen. Prompt erstellte das Bafa eine Liste von drei Dutzend Modellen vor allem der Marken Audi, Jeep und Volvo, die seit Jahresbeginn nicht mehr förderfähig sind. Auch ein Range Rover und zwei Mercedes-Modelle sind dabei. Das Kfz-Gewerbe fürchtet bereits großen Ärger mit erbosten Kunden, die ihr oftmals schon lange vorbestelltes Fahrzeug erst in diesem Jahr geliefert bekommen.

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