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Reiche legen ihr Geld immer öfter nachhaltig an

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Reiche und Superreiche setzen bei der Vermögensverwaltung zunehmend auf Umweltaspekte. Das verändert das Wealth Management der Banken grundlegend.

Immer mehr Wohlhabende richten ihre Investments an ökologischen Kriterien aus. Foto: dpa
Immer mehr Wohlhabende richten ihre Investments an ökologischen Kriterien aus. Foto: dpa

Geld verdienen und dabei auch noch Gutes tun – spätestens in diesem Jahr haben sich nachhaltige Investments als Megatrend an den Märkten etabliert. Die Covid-19-Pandemie hat diese Entwicklung noch einmal beschleunigt. Auch im Geschäft mit den Wohlhabenden und Reichen spielen die drei Großbuchstaben E, S und G eine immer wichtigere Rolle für die Banken.

E steht dabei für Ecological oder umweltgerecht, das S für Social, also Sozialverträglichkeit und G für Governance, was sich am ehesten mit gute Unternehmensführung übersetzen lässt.

„Das Thema Nachhaltigkeit wird nicht mehr verschwinden, sondern immer mehr zum Mainstream werden“, meint Hakan Strängh, Leiter der Private Bank des US-Finanzriesen JP Morgan in Deutschland. Die Märkte würden inzwischen fest davon ausgehen, dass der Trend dauerhaft ist.

Das sehen die Berater von Roland Berger genauso. Sie sprechen in einer neuen Studie zur Zukunft der Schweizer Privatbanken sogar von einem „strategischen Imperativ“ und einer „Transformation“ der gesamten Branche. Nachhaltigkeit könnte zum neuen Daseinszweck der Wealth Manager werden, die seit Jahren unter schrumpfenden Margen leiden.

Bis dahin ist es für viele Banken allerdings noch ein weiter Weg. Denn noch immer gebe es mehr Gerede als Taten beim Thema Nachhaltigkeit, beklagen die Berater.

Rasantes Wachstum in den nächsten fünf Jahren erwartet

Es geht um gigantische Summen: Weltweit, über alle Anlageklassen und Kundengruppen hinweg, könnte das nach ESG-Kriterien angelegte Kapital bis 2025 auf 53 Billionen Dollar in die Höhe schnellen, rechnen die Experten von Bloomberg Intelligence vor. Stimmt die Prognose, dann wären in fünf Jahren ein Drittel des gesamten global verwalteten Kapitals in nachhaltige Anlagen investiert. Und das, obwohl die Analysten unterstellen, dass sich das rasante Wachstum der vergangenen fünf Jahre auf 15 Prozent jährlich halbiert.

2016 summierten sich ESG-Investments nach Bloomberg-Berechnungen noch auf 23 Billionen Dollar, 2018 waren es bereits 31 Billionen und bis Ende dieses Jahres dürften es knapp 38 Billionen Dollar werden.

Zu diesem schnellen Aufschwung tragen zunehmend auch die Reichen und Wohlhabenden bei. „Früher war Nachhaltigkeit eher ein Außenseiterthema im Wealth Management, das hat sich definitiv geändert“, berichtet Ralf Mielke, Leiter Nachhaltige Investments bei der Schweizer Privatbank Julius Bär in Deutschland.

Am Anfang der Entwicklung hätten die Family Offices gestanden, jene Gesellschaften also, die sich um die Verwaltung des Privatvermögens reicher Familien kümmern. Ausschreibungen in diesem Bereich würden inzwischen fast immer eine Nachhaltigkeitskomponente beinhalten. Aber auch bei institutionellen Kunden wie Stiftungen oder Pensionsfonds gehörten ESG-gerechte Investments bereits häufig zum Standard, bemerkt Mielke.

Jüngere Generation legt großen Wert auf Nachhaltigkeit

Für JP Morgan-Banker Strängh ist die neue Leidenschaft der Reichen für nachhaltige Anlagen auch eine Altersfrage. „Vor allem die jüngere Generation unserer Kunden legt sehr großen Wert auf Nachhaltigkeit bei der Vermögensverwaltung, aber auch für die Älteren wird das Thema immer interessanter.“

Dieser Befund wird von den Daten der Roland-Berger-Studie gestützt: „In der kommenden Dekade werden Vermögen mit einem Wert von 40 Billionen Dollar an Frauen und an die Generation der „Millennials“ übergehen, für die Nachhaltigkeit ganz oben auf der Agenda steht.“

Diese neue Generation der Reichen wird außerdem immer anspruchsvoller, wenn es darum geht, ihr Geld nicht nur zu vermehren, sondern damit gleichzeitig auch etwas Gutes zu tun: „Zunächst ging es bei den meisten Kunden um verantwortliches Investieren, das heißt darum, bestimmte Branchen wie Waffenhersteller oder Umweltsünder zu vermeiden“, erläutert Mielke.

„Inzwischen sind wir einen Schritt weiter, beim echten nachhaltigen Investieren wollen die Kunden nicht mehr nur Unternehmen vermeiden, die nach den ESG-Maßstäben schädlich sind, sondern sie suchen Unternehmen, die einen echten positiven Einfluss haben“. Dazu würden zum Beispiel Firmen zählen, die helfen den CO2-Ausstoß zu senken.

Der Anteil der Kunden, für die Nachhaltigkeit eine extrem wichtige Rolle spielt, ist noch relativ klein, aber er steigt schnell. Eine Umfrage von ZEB unter Privatkunden zeigt, dass diese Gruppe in den vergangenen sechs Jahren von vier Prozent auf neun Prozent gewachsen ist.

Gleichzeitig ist der Anteil der Kunden, die sich als nachhaltigkeitsaffin bezeichnen von weniger als 20 Prozent auf 55 Prozent gestiegen. Das bedeutet, dass das Thema nur noch für ein Drittel keine oder nur eine kleine Rolle spielt.

Es hapert bei der Umsetzung im Tagesgeschäft

Zur Akzeptanz von nachhaltigen Investmentkonzepten trägt auch bei, dass die Sorgen, dass die Investoren dafür auf Rendite verzichten müssen, weitgehend ausgeräumt sind. „Die Performance von ESG-Investments fällt nicht schlechter aus als die von herkömmlichen Anlagen, das lässt sich an den einschlägigen Indizes ablesen, aber auch an mittlerweile verfügbaren Track Records, betont Mielke.

Von Anfang des Jahres bis Ende November erreichte der MSCI World ESG Leaders Index eine Wertsteigerung von 11,45 Prozent und lag damit nur minimal schlechter als der „normale“ MSCI World Index, der mit 11,72 Prozent im Plus lag. Über fünf und zehn Jahre zeigt sich ein ähnliches Bild.

„Ich glaube, dass sich in nicht allzu ferner Zeit, der Spieß umdrehen wird, dann werden ESG-konforme Investments der Normalfall sein und nicht konforme Anlagen die Ausnahme“, meint ZEB-Berater Hoyer.

Bis dahin könnte es allerdings noch eine Weile dauern, zumindest wenn man der Roland-Berger-Studie zu den Schweizer Privatbanken glaubt. Die große Mehrheit der Banken hat das Thema Nachhaltigkeit zwar als Wachstumstreiber erkannt, aber bei der Umsetzung im Tagesgeschäft hapert es noch.

80 Prozent der über 60 befragten Institute sehen die Kunden als wichtigsten Treiber ihrer Nachhaltigkeitsbemühungen. Gleichzeitig fällt das Engagement der Banker gegenüber den Kunden aber ziemlich schwach aus. So gaben nur sieben Prozent der Befragten an, dass sie gezielt Kundengruppen ansprechen, die potenziell an Nachhaltigkeit interessiert sein könnten.

Als einen Grund für diese Diskrepanz nennen die Berater, dass das Topmanagement das Thema oft noch nicht verinnerlicht habe. So stellen sich zwar 53 Prozent der Befragten hinter die Aussage, Nachhaltigkeit sei für sie eine Priorität. Breit angelegte qualitative und quantitative Vorgaben für ESG-Ziele haben dann aber nur noch 20 Prozent der Umfrageteilnehmer ausgegeben.

Dabei fordern die Kunden genau das von ihren Wealth Managern ein: „Immer mehr Kunden wollen, dass nicht nur die Investments nachhaltig sind, sondern auch die Banken, die diese Investments vermitteln, selbst nachhaltig agieren“, sagt ZEB-Berater Hoyer.