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Reform betrifft fast 60.000 Soldaten und Zivilisten: Armee will Logistik- und Sanitäter-Truppe auflösen

Lars Petersen
·Lesedauer: 3 Min.
Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) mit Generalinspekteur Eberhard Zorn
Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) mit Generalinspekteur Eberhard Zorn

Die Bundeswehr steht vor einer tiefgreifenden Reform: Nach Informationen von Business Insider wollen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Generalinspekteur Eberhard Zorn den Sanitätsdienst und die Streitkräftebasis als bislang eigenständige Organisationsbereiche auflösen. Betroffen sind fast 60.000 Soldaten und Zivilisten. Der Plan soll im Bundestag nächste Woche in vertraulichen Runden vorgestellt werden, spätestens am 19. Mai dann auch der Öffentlichkeit. Dann wollen nämlich Kramp-Karrenbauer und Zorn Eckpunkte für eine geplante neue Bundeswehr-Reform vorstellen.

Bislang bestehen die Streitkräfte aus den drei Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Marine sowie drei Organisationsbereichen, die übergeordnet für alle drei Teilstreitkräfte Aufgaben erledigen: Die Streitkräftebasis ist vor allem für logistische Fragen zuständig, der Sanitätsdienst kümmert sich in allen Teilstreitkräften um die medizinische Versorgung und der Cyber- und Informationsraum verantwortet alles rund um die Digitalisierung der Bundeswehr.

Bei dieser vor knapp 20 Jahren dann schrittweise eingeführten Struktur gibt es jedoch zwei Probleme:

1. Personeller Wasserkopf: "Diese Zer­gliederung erleichtert die Zusammen­arbeit der Truppe zwischen den unterschiedlichen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen nicht. Erhöht hat sich mit der Zergliederung aber die Zahl der Kom­mandos und Stäbe", kritisieren im Herbst vorigen Jahres der frühere Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels (SPD) und ehemalige Chef des Einsatzführungskommandos Rainer Glatz in einem gemeinsamen Fachbeitrag für die Stiftung Wissenschaft und Politik.

Die beiden empfahlen, die Streitkräftebasis und den Sanitätsdienst aufzulösen und logistische und sanitätsdienstliche Truppenteile den Divisionen zu unterstellen. Insider gehen nun davon aus, dass damit in Kommandos und Stäben Hunderte Dienstposten abgebaut werden können und die oft komplexen Strukturen effizienter werden.

2. Einsatzbereitschaft: Bislang wird vor allem im Heer oft bemängelt, dass Verbände nicht ausreichend und auf Dauer einsatzfähig sind, weil man keinen Zugriff auf Logistik und Sanitätsdienst habe. Die Hoffnung daher jetzt: Eine Integration von Logistikern und Sanitätern in bestehende Verbände sollte nun deren Einsatzbereitschaft erhöhen, da dann alles "aus einer Hand" komme.

Aber: Eine Auflösung beider Organisationsbereiche wird ministeriumsintern durchaus auch kritisch gesehen. Zum einen ist die Aufgabe der Streitkräftebasis, eine weltweite Logistik für Heer, Marine und Luftwaffe bereitzustellen, nicht nur groß, sondern auch facettenreich. So lag nach Informationen von Business Insider in der Bundeswehr-Führung auch zwischenzeitlich ein alternativer Plan auf dem Tisch: Eine Streitkräftebasis XXL. Demnach hätte der Sanitätsdienst und der Cyber- und Informationsraum in die Streitkräftebasis integriert werden sollen. Doch offenbar war die Sorge am Ende doch zu groß, einen Mammut-Apparat innerhalb der Armee zu schaffen, der kaum zu führen ist.

Zum anderen ändert der Plan auch nichts daran, dass eines der Hauptprobleme der Bundeswehr vor allem die Rüstungsbeschaffungsprozesse sind. Panzer, Hubschrauber, Flugzeuge – ständig ist ein großer Teil der Ausrüstung defekt und nicht einsatzbereit. Die Beschaffung neuer Geräte dauert jedoch oft viele Jahre - und wird meist auch noch deutlich teurer.

Offiziell bestätigen will das Verteidigungsministerium die Pläne auf Anfrage nicht. Ein Sprecher sagt lediglich: "Das von Ihnen angesprochene Eckpunktepapier basiert auf den Festlegungen des bekannten Positionspapiers vom 9. Februar 2021 und betrachtet den Geschäftsbereich des BMVg ganzheitlich. Sobald es inhaltlich fertiggestellt und publikationsfähig ist, wird es zunächst Gegenstand der internen und parlamentarischen Kommunikation sein und dann, wie angekündigt, auch der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Ein genereller Personal- oder Stellenabbau ist nicht Gegenstand der Betrachtungen."